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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-18 · Heft 38 (18.9.1877) · p. Seite 602

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 38 (18.9.1877)
Date
1877-09-18
Page
Seite 602 (sequence 6)
Language
German
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602 Gouverneure überall einen entschiedenen Ernst gegen dieselbe betätigen würde. Amerika. New-Dork, im August. Kaum daß der Vorgang in Saratoga vergessen ist, als ein anderer nicht geringes Aufsehen macht, der früher in den Vereinigten Staaten nicht vorgekommen. Der „Hebr. Lead." berichtet: Die jüdische Gemeinde von August», Ga., ist in großer Aufregung über den Tod eines gewissen Seligman Zimmer, über deffen Einzelheiten wir Folgendes berichten: Der Verstorbene war bei seinem Tode im achtzigsten Lebensjahre und aus dem Großherzogthum Hessen-Darmstadt gebürtig. Vor dem Bürgerkriege wohnte er viele Jahre in Chester, in Süd - Carolina, wo er sich ein bedeutendes Vermögen erwarb. Während des Krieges verlor er zwei Söhne auf dem Schlachtselde und sein ganzes Besitzthum wurde durch die Folgen des Krieges ausgezehrt. Seit 1868 bis 1875 lebte er in dem Hause des Herrn Henry Meyers, eines wohlbekannten und hochgeachteten jüdischen Bürgers von Augusta, der dem alten Manne freie Wohnung und Kost gab. Vor einiger Zeit wurde es ihm drückend, so lange Zeit von Meyers abhängig zu sein und er bat um die Erlaubniß, nach dem Provinzial - Armenhaus gehen zu dürfen, wo er nur von der Provinz abhängig sei. Nach wiederholten Versuchen, ihn von diesem Schritte zurückzubringen, gab H. Meyers schließlich seine Einwilligung und H. Zimmer wurde ins Armenhaus ausgenommen. Vor zwei Monaten nahmen seine Kräfte sehr ab und er wurde geistesschwach, wie man sagt, durch eine Gehirnerweichung. Um ihm geeignete ärztliche Hülfe zukommen zu lassen, wurde er nach dem städtischen Hospital gebracht. Zu jener Zeit war er vollständig geistesschwach und für seine Worte und Handlungen nicht verantwortlich. Das Hospital stand unter der Leitung der barmherzigen Schwestern und man sagt, daß die Schwestern versuchten, ihn zum christlichen Glauben und der katholischen Religion zu bekehren. Am letzten Donnerstag, drei Tage vor seinem Tode, schickte man nach Pater Browne, einem katholischen Priester, oder dieser kam aus eigenem Antriebe, um Zimmer zu sehen, und wie man berichtet, taufte er während dieses Besuches den kranken Manu nach dem Ritus der katholischen Religion und nahm ihn in die Kirche auf. Während seiner letzten Krankheit wurde Zimmer von Zeit zu Zeit von den Mitgliedern der jüd. Brüderschaft besucht, welche aussagen, daß keine Veranlassung war, vorauszusetzen, daß irgend etwas derartiges vorging, daß sie den Patienten ganz geistesabwesend und unfähig, vernünftig zu denken oder zu handeln, fanden. Nach feinem Tode besuchte eine Delegation derselben Brüderschaft das Hospital, um von dem Leichnam Besitz zu nehmen und ihn nach dem Ritus der jüdischen Religion zu waschen, zu kleiden und zu beerdigen. Die Schwestern stellten ihnen Schwierigkeiten entgegen und behaupteten, daß der Verstorbene zu Lebzeiten Katholik gewesen, und daß sein Leichnam der katholischen Kirche angehöre und daß sie das Recht hätten, ihn so lange zurückzuhalten, bis Pater Browne, unter deffen geistiger Pflege er gestanden, feine Ueberlieferung anordne. Die Delegation erwiderte, daß der Verstorbene ein Jude gewesen und als ein Mitglied der jüdischen Gemeind^gestorben sei; daß er durch die Gehirnerweichung vor seinem Tode ganz unvernünftig geworden und daß er in diesem Zustande nicht Katholik hätte werden können; daß der Taufact null und nichtig sei und daß sie den Leichnam nach den Regeln des Glaubenbeerdigen wollten, welchen Zimmer bekannte. Unser Berichterstatter sagt, daß die Schwestern nach einer Discusfiou den bestrittenen Punkt aufgaben und meinten, die jüdische Gemeinde könne den Leichnam nehmen, aber die katholische Kirche würde die Seele nehmen. Der Leichnam wurde also von den Mitgliedern der Brüderschaft in ein Haus gebracht, um gewaschen und für die Beerdigung vorbereitet zu werden. Zu gleicher Zeit gingen einige Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Pater Browne, um sich über feine Handlungsweise zu beklagen. Die Herren fragten ihn, ob er nicht wisse, daß Zimmer geistesabwesend gewesen, als er letzten Donnerstag im Hospital war. Pater Browne verneinte dies. Er sagte, er hätte vorausgesetzt, Zimmer wünsche ihn wegen seines Seelenzustandes zu sprechen, und als er ihn sah und mit ihm sprach, hatte er keine Ursache zu glauben, er sei geisteskrank. Als er gefragt wurde, weshalb er voraussetzte, daß Zimmer feinen Glauben aufzugeben wünsche, in welchem er achtzig Jahre gelebt habe, um ein römischer Katholik zu werden, erwiderte Pater Browne, daß seine Meinung aus der Unterhaltung entsprungen, die er mit dem sterbenden Manne gehabt. Er fragte Zimmer, ob er wünsche Christ zu werden, worauf Zimmer „ja" antwortete. Die Juden fochten ihre Sache durch, und der Verstorbene ward Sonntag Morgen auf dem Friedhofe der hebräischen Brüderschaft von Augusta nach jüdischer Sitte beerdigt. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind über Zimmer's Taufe sehr aufgebracht. Es ist Thatsache, daß Zimmer's Gehirn in so hohem Grade gelitten, daß er vollständig unzurechnungsfähig war und daß er nicht wußte, was mit ihm vorgenommen wurde, als man ihn zum Katholiken machte. „Sir!" rief ein alter Israelit aus der Hauptstadt von Richmond aus, als man mit ihm darüber sprach, „ich bin hier geboren; ein Steinwurf entfernt von jenem Gebäude", und dabei zeigte er auf das elegante Rathhaus, „und nie in meinem Leben

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