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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-11 · Heft 37 (11.9.1877) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 37 (11.9.1877)
Date
1877-09-11
Page
Seite 592 (sequence 12)
Language
German
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einige Satze hervor, weil sie das bestätigen, was wir wiederholt ausgesprochen haben: „Man verkenne nicht die Gefährlichkeit derartiger Bücher. Sie dringen lief in's Volk, sie täuscherl durch einen Schein von Wisfenschaftlichkeit und durch die apodiktische Sicherheit, mit der sie ihre Behauptungen aufstellen. Sie verbreiten im Gewände wiffenfchaftlicher Belehrung ungesunde und verderbliche Anschauungen auch auf dem ethischen Gebiete. Und waS pflegt ihr Schicksal zu sein? Der deutsche Gelehrte hält derartige Bücher, eben weil sie ohne jede wissenschaftliche Bedeutung find, einer ernsthaften und eingehenden Besprechung gar nicht für werth, er dünkt sich zu gut dazu, und meint, solche ephemere Machwerke richteten sich selbst und gingen von selbst wieder zu Grunde. Das ist indeß, wie es uns scheinen will, eine ganz unrichtige und unheilvolle Exclusivität. Er bedenkt nicht, Laß das Publikum den wisienschaftlichen Werth derartiger Bücher nicht zu beurtheilen versteht und sich durch die wistenschaftliche Maske jedes Mal blenden lasten wird; arglos geht es au dieselben heran, weil es von denjenigen, die dazu berufen wären, nicht nachdrücklich genug gewarnt worden isd. Wenn auch wirklich mit der Zeit jene Bücher in ihr heimathliches Nichts zurückfaven, so geschieht das doch eben erst noch gewiffer Zeit; inzwischen aber können sie schon unermeßliche» Schaden gethan haben, Schaden nicht nur dadurch, daß sie Halbwissen und Falschwiffen verbreiten, sondern vornehmlich Schaden an dem sittlichen Capital der Nation. Auf die sittlichen Eigenschaften aber kommt es in erster Linie an; sie sind die besten Waffen in dem großen Wettkampf, welchen die Einzelnen wie die Nationen um ihr Dasein führen." Die religiöse Reformbewegung in Indien. Unter den von Holtzendorf herausgegebenen „Deutschen Zeit- und Stteitftagen" enthält Heft 88 einen Vortrag des Diaconus Christian Hönes über „Die Reformbewegung des Brahmosomadsch in Indien als Schranke des Missionswesens", den der Verfaffer im Februar 1877 zu Basel gehalten und der auch uns, die wir der religiösen Entwickelung aus allen Gebieten unsre Aufmerksamkeit schenken, lebhaft interessirt. Der Redner spricht, wie es sich voraussetzen läßt, im Ganzen vom christlichen Standpunkte, aber in selten aufgeklärter Weise. Man ersieht dies schon aus dem Titel, welcher diese indische Reformbewegung als „Schranke des Missionswesens" bezeichnet. Die Träger dieser Reformbewegung sind mit dem Christenthume genau bekannt, und haben aus dem Neuen Testamente, wie nicht minder aus der Bibel Israelis geschöpft. Sie verwerfen aber entschieden die christlichen Dogmen und huldigen den reinen Monotheismus. Wir können sie deshalb als einen Sieg des letzteren, also dem Judenthume näher stehend bettachten. Gerade deshalb sind die Missionäre erbitterte Gegner der ganzen Bewegung, die es an Feindschaft, sogar an gehässiger Agitation und Jnttigue so wenig fehlen lasten, wie die conservativen Inder selbst. Es ist also ganz dieselbe Erscheinung wie bei dem gegen die Juden gerichteten Mifsionswesen, nur daß die Missionäre in Indien mehr Macht und Einfluß besitzen als in Europa. Leider hat diese auf religiöse wie sociale Verbefferung gerichtete Reform des so tief gesunkenen indischen Wesens bis jetzt nur einen geringen Umfang erzielt, ungefähr 1000 Anhänger, was der ungeheuren Maffe gegenüber allerdings nur von geistiger, noch nicht von realer Bedeutung ist. Indeß, meint HöneS, fei in zahllosen Indern, namentlich der höheren Elaste, die Erkenvtniß des Befferen vorhanden, nur daß Gewohnheit, Kleingeisterei und Berhältniffe sie zurückhalten, sowie die Ansicht, daß es ein zu rasches Vorgehen auf die Maffe schädlich wirke. Er glaubt daher der indischen Reform mit der Zeit eine Zukunft versprechen zu dürfen. Der Redner geht auf die Vorgeschichte dieser Reform bis in's 12. und 14. Jahrhundert zurück, zeigt wie sie jedoch erst mit 1803 kräftiger austrat und mit Babu Keschub Chunden Sen 1862 ihren eigentlichen Träger fand. Der Gedankeninhalt dieser Reform ist rein theistischer Art, und hat sich so sehr vom alten Brahmanismus u. Buddhaismus abgelöst, daß sie als ihre Grundlage eine Sammlung theistischer Stellen nicht blos aus den Beda's, sondern auch aus allen heiligen und profanen Literaturen bettachtet. — Ueber die indische Religion sagt der Verfasser: „Es ist dieselbe eine Mischung erhabener geistiger Gedanken mit einer Maffe roher phantastischer, abergläubischer Vorstellungen. Auf der einen Seite bewundern wir in den heiligen Büchern der Inder, besonders in der Rigveda Stellen, die an Reinheit der Gotteserkenntniß mit den Worten des Evangeliums, an Tiefe des Sündengefühls mit den Bußpsalmen, an Innigkeit der Gottesliebe mit den herrlichsten Aussprüchen christlicher Mystiker wetteifern, auf der anderen Seite erschrecken wir vor den Ausgeburten einer zügellosen Phantasie, wie sie in der Mythologie und in den Gößenbildern der Inder uns entgegentteten. (Mit Recht hat Goethe darauf hin gewiesen, wie unheilvoll die Folgen des Anblicks solch scheußlicher Fratzengebilde sein wüsten). Dazu nun in der Praxis ein von Priestern in Aberglauben und Unwissenheit absichtlich festgehaltenes Volk, besten religiöse Uebungen eine Reihe sinnloser Gebrauche, qualvoller Mißhandlungen, verbrecherischer Greuel bilden." — Und solch' einen religiösen Auswuchs wagt man dem modernen Europa als eine hochzuschätzende Weisheitsquelle zu empfehlen'. Körperliche Kraft und Lebensdauer. Wozu nicht Alles die Juden zum Beweise dienen sollen! Der bekannte englische Arzt Richardson, der Gründer einer Mustergesundheitsstadt, hat die Frage aufgeworfen, ob die Erlangung großer Körperstärke und die Verwendung derselben in der Arbeit in unsrer Zeit noch von Nutzen und mit einer längeren Lebensdauer verbunden sei? Er führt eine Menge

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