Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1877)
- Date
- 1877-09-11
- Page
- Seite 593 (sequence 13)
- Language
- German
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593 Beweise an, daß die vorherrschende Pflege der Körperkraft die Entwickelung der Geisteskräfte verhindern, und die körperlichen Anstrengungen daS Leben verkürzen. Als ein Hauptbeweis dienen ihm — die Juden. Die „Neue Züricher Zeitung", welche die Ansichten Richardsou's im zweiten Blatt vom 23. August auseinandersetzt, sagt hierüber: „Alle diejenigen Berufsarten, welche nicht außerordentlich starker Ausgabe von körperlicher Kraft ausgefetzt find, sichern ein gewiffes Maß von bleibender Gesundheit und von größerer Lebensdauer. Den besten Beweis für die Richtigkeit dieser Thatsache liefert die Geschichte des Volkes der Juden, welches nun schon bald zwei Jahrtausende in aller Herren Landern zerstreut lebt. Währenddem andere Völker innert dieser Zeit zu Grunde gegangen sind, haben sich die Juden erhalten, ja, sie sind zahlreicher geworden als ftüherhin. Die gedrückte Stellung, welche sie einnahmen, und die Knechtschaft, welche sie erduldeten, erlaubten ihnen nicht, Berufe zu ergreifen, die mit der hervorragenden Uebung der körperlichen Kräfte verknüpft waren. Sie waren Händler, Kaufleute, Geldwechsler u. s. w.; alle Thätigkeit, welche starke körperliche Arbeit erforderte, wurde von ihnen gemieden. In ihrer Religion findet sich keine Spur von einer Hinwirkung auf Ausbildung der körperlichen Fähigkeiten, auch sonst kamen beim Volke der Juden Leibesübungen und Spiele, welche zu solchen dienten, nie in Aufschwung. Vom Soldatenhandwerk hielten sich (muß doch heißen: „wurden zurückgehalten" die Juden fern, und überhaupt scheuten sie davor zurück, ihre körperlichen Kräfte in Angriff oder in der Vertheidigung Mann gegen Mann zu gebrauchen. Die Juden sind ein Volk, an das unbestritten in Bezug auf Kraft und Stärke des Leibes kein hoher Maßstab zu legen ist, und während der Verfolgungen, welchen sie ausgesetzt gewesen sind, sprach nichts so sehr in den Augen ihrer Peiniger gegen sie, als die anscheinende Schwäche des Körpers. Und doch ist es Wahrheit, daß die Juden den Mißhandlungen von vielen Jahrhunderten getrotzt haben, daß sie ungeachtet der Zerstreuung unter alle Himmelsstriche und unter die verschiedensten Völker nicht vom Schauplatz der Erde verschwunden sind. Einem solchen Volk muß unbedingt höchste Lebenskraft zuerkannt werden. Es ist unmöglich, einen bessern Beweis für die Unnützlichkeit der übergroßen Uebung und Anspannung der körperlichen Kräfte zu geben, als er aus der Geschichte des jüdischen Volkes ersichtlich ist. Die Lebenskraft einer Race beruht offenbar im Gegentheil auf der Schonung der Kräfte; jedenfalls haben die Juden gerade wegen ihrer Abneigung gegen körperliches Heldenthum ihr Dasein kräftig behauptet. Ihr Volk ist zahlreicher geworden, so in der Jetztzeit, da die eisernen Baude, in welche es geschlagen war, gelöst worden sind, zeigt die jüd. Race so entwickelte geistige Fähigkeiten in Wissenschaft, Kunst, Handel und Politik, daß die christl. Welt darüber in Staunen geräth." _ Der ewige Jude. Der ewige Jude hat auch die Ewigkeit an sich, daß die Untersuchung über diese Sage, ihren Ursprung und ihre Verschiedenheiten immer wiederholt wird. In Nummer 9 der Grevzboten d. I. ist eine längere Abhandlung zu lesen, welche diese Sage mit der arabischen Chiver und dem germanischen Wotan vereinigt und zu dem Resultate kommt: „Der ewige Jude hat nur wenig christliches und gar kein jüdisches Blut in seinen Adern. Er ist ein alter deutscher Heideugott, der mit den Kreuzfahrern nach Syrien auSzog und von dort, wie unsres Wissens hier zum ersten Male dargethan wurde, halb arabisirt und mit einem jüdischen Anstrich wieder heimkehrte." Literarisches Eigeuthum. Immer wiederholt berichten uns Freunde unsrer Zeitung über den beständigen Diebstahl, der an der A. Z. d. Jud. durch die jüdische wie die allgemeine Presse insofern verübt wird, als größere und kleinere Artikel aus derselben abgedruckt werden, ohne die Quelle zu nennen. Es geschieht sogar häufig, daß dann unsere Artikel die Runde durch die öffentlichen Blatter unter der Angabe der Zeitung machen, welche diese von uns entnommen hat — um das gelindeste Wort zu gebrauchen, z. B. daS von uns gebrachte, von der betreffenden Behörde durch uns erbetene Gutachten des Landrabbinats in der Mosenchal'schen Ordensangelegenheil , von dem Wiener „Fremdenblatt" auS unserer Zeitung genommen, nun unter dessen Namen coursirend. Selbst literarische Kritiken werden aus dieser Zeitung abgedruckt und als eigenes Produkt weiter colportirt. Da wir jedoch wissen, daß Remonstrationen hiergegen nichts helfen, unterlassen wir sie und tragen dieses Geschick mit Ruhe. Anzeigen. Für ein junges, gebildetes Mädchen wird in einer anständigen Familie behufs weiterer wirthschaftlicher Ausbildung eine Stelle zur Unterstützung der Hausftau gesucht. Gehalt wird nicht beansprucht. Näheres (7542) Dt. Mareuse, Schönebeck. Für eine jüdische Restauration wird eine anständige Dame als Wirthschafterin, welche die feinere Küche, wie auch das tranchiren der Speisen verstehen muß, zum baldigen Antritt gesucht. Meldungen sieht unter A. 8. 40. postlagernd Breslau entgegen. (7790)