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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-11 · Heft 37 (11.9.1877) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 37 (11.9.1877)
Date
1877-09-11
Page
Seite 589 (sequence 9)
Language
German
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589 Zwei Übersetzungen des Koran liegen vor uns, eine deutsche von Dr. Ullmann, und eine französische von Salvacy. Die Orientalisten haben beide Arbeiten als vorzüglich bezeichnet. Zu unserem nicht geringen Befremden konnte es uns nicht gelingen, weder in der Sure V, noch in einer andern Sure, das von Herrn Mandelkern citirte Gebot ausfindig zu machen. Welche Motive oder Wünsche leiten den Herrn Mandelkern bei solcher und anderer Entstellung der Wahrheit, wie z. B. in seiner Rede, die er bei Gelegenheit des Uebergangs über die Donau in der orthodoxen Synagoge hielt. Es gehört doch nicht zum Patriotismus, zu behaupten, daß die Juden in der Türkei verfolgt, mit Ausnahmegesetzen bedrückt und gar ausgerottet werden! In der ganzen Türkei giebt es keinen einzigen Platz, wo die Juden sich nicht niederlaffeu, ihr bürgerliches Gewerbe frei treiben, Grund und Boden erwerben und an allen Rechten theilnehmen können, welche den Bürgern zugestanven find. Das Gegentheil auSsagen kann nur der, welchem die Wahrheit zu reden nicht als Pflicht erscheint. Odessa, 27. August. (Privatmitth.) Die unliebsame Spaltung in der hiesigen Gemeinde zwischen den Orthodoxen und den Fortschrittsmännern, von welchen letzteren sich jungst Einige haben verleiten lassen, mit den ersteren zu gehen, hat zur Folge gehabt, daß die Wahlen in die Duma (d. i. städtischer Gemeinderath) statt 24 Juden nur 4 gebracht! Kiew, 24. August. Bon hier aus telegraphirt man: Bei Gelegenheit der jetzt stattfindenden Assentirung fanden drei Tage hindurch hier bedeutende Straßenexceffe statt, welche gegen die Juden gerichtet waren. Es wurden jüdische Hauser erbrochen und deren Bewohner mißhandelt; Tausende von Fensterscheiben zertrümmert und viele Magazine und Gewölbe ausgeplündert. Die Polizei kümmert sich um diese Plünderungen nicht und läßt der raubgierigen Menge freie Hand, ohne auch nur den geringsten Versuch zur Wiederherstellung der Ruhe zu machen. (Ein uns zugekommener Bericht aus Odessa bestätigt die obige Nachricht und theilt mit, daß ähnliche traurige Vorgänge in Chonow stattgefunden. R e d a c 1.) Petersburg, im August. (Privatmitth.) Das russische Journal „Frauenbildung" berichtet, daß unter den 430 Frauen, welche die in St. Petersburg bestehenden medicinischen Kurse für Frauen besuchen, ein großer Procentsatz Jüdinnen sind. Es ist dies ein Beweis, nicht nur für die Bildungsfähigkeit der Juden, sondern auch, daß das Streben nach dieser Bildung bereits in der jüdischen Masse stark erwacht ist. Auch in anderen Ländern, z. B. in Italien, ging die Civilisation der Juden ihrer Emancipation lange voraus, so daß mau, als letztere eingetreten, erstaunt war, wie schnell die Juden auf allen Lebensbahnen vorwärts kamen. Bonn, 2. September. (Notizen.) Aus Hamburg theilt man uns den 29. August mit: Herrn vr. B. Neu mann hier- 'elbst, ehemaligem Oberarzt am Mayer-Rothschild-Krankenhause in Jerusalem, ist vom Kaiser von Oesterreich für sein demselben überreichtes Werk: „Die heilige Stadt und ihre Bewohner", welches s. Z. auch in dieser Zeitung besprochen wurde, die österreichische goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen worden.— Aus Bernburg berichtet man uns unter dem 30. August: Am 26. September wird allhier das 50jährige Amtsjubiläum des Landrabbiner Herrn vr. Herxheim er begangen werden, der, 1801 geboren, 1827 zu Eschwege, 1831 zu Bernburg als Rabbiner angestellt worden. Herr vr. Goldschmidt aus Leipzig wird beim Morgengottesdienste die Festrede halten, am Mittag die Festtafel stattfinden, zu der die Spitzen der Behörden geladen sind. Die Gemeinde hat 600 Mark zu den Kosten des Festes votirt. — Man berichtet uns aus Worms, 30. August: In der benachbarten Landgemeinde Alsheim, in welcher seit vielen Jahren ein schöner geregelter Gottesdienst mit Chorgesang besteht, hat ein von dort gebürtiger junger Mann, Herr Albert David, jetzt in Chicago ansässig, ein neues vorzügliches Harmonium in die Synagoge gestiftet. Das prachtvolle Tonwerkzeug hat die Reise über den Ocean glücklich zurückgelegt, und wurde durch einen feierlichen Festgottesdienst eingeweiht, bei welchem der redekundige Lehrer K. Marx eine gediegene Predigt hielt. — Unsre Leser werden sich erinnern, daß bei der großen Ueberschwemmung, welche die Elbe vor Kurzem bewirkte, in der Stadt Schönebeck die Synagoge durch das überfluthende Gewässer zur Ruine gemacht worden. Die Gemeinde mußte zum frommen Sinne der Glaubensgenossen ihre Zuflucht nehmen, um die Synagoge neu zu erbauen. Sie that dies mit Erfolg und wie man uns von dort mittheilt, wurde die neue Synagoge in diesen Tagen eingeweiht, wobei der Rabb. vr. Rahm er aus Magdeburg die Festrede hielt. — Wie man uns aus Aschers - leben mittheilt, wurde am 1. September der 25-jährige Bestand der damals vom Redacteur dieser Zeitung eingeweihelen neuen Synagoge feierlichst begangen. Eine recht eindrucksvolle Predigt hielt hierbei der Religionslehrer der Gemeinde L. I a p h e t. Bonn, 2. September. (Literarische Notizen.) Die in der Schweiz, namentlich in Basel und Zürich erscheinenden Schriften haben das Eigenthümliche, daß sie ihrem einen Theile nach von dem orthodoxesten Pietismus, dem anderen Theile nach vom antireligiösen Radicalismus ausgehen. Jener liefert für das Judenthum Missionsschristen, dieser Streitschriften gegen das Judenthum. Zu der letzteren Kategorie, und zwar von einem Juden ausgehend, gehört die soeben erschienene Broschüre: „Der alte und der neue Glaube im Judenthum. Kritische Streiflichter über die Religion Israels nach rabbinischer Auffassung. Nebst einem Anhang über den Talmud. Bon vr. William Rubens." Zürich, Verlags-Magazin 1878. An dem Titel sieht man, daß die Broschüre eine Nachahmung der bekannten Schrift von David Strauß sein soll, und erhoffte der Verfasser wahrscheinlich innerhalb des Judenthums dasselbe Aussehen zu erregen, 37

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