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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-04 · Heft 36 (4.9.1877) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 36 (4.9.1877)
Date
1877-09-04
Page
Seite 574 (sequence 10)
Language
German
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574 f:y'; j; :::j '.;j '>■*. nachdem die Wirklichkeit schon viele Beispiele davon gegeben hat? Die vorliegende Erzählung zeigt — allerdings etwas weitschweifig — die Bekehrung eines Judenfeindes zu wohlwollender Gesinnung und seiner Tochter zmn Juventhume und zwar durch die Auseinandersetzung der Lehren des letzteren den christlichen Dogmen gegenüber, unterstützt durch die Begebenheiten, die sich zutragen und die edlen aufopfernden Handlungen, welche die auftretenden Juden dabei verüben. Es ist also eine Tendenznovelle, und obwohl die künstlerische Seite sehr schwach ausfallt, so spricht sich doch eine so feste Ueberzeugung, eine so klare Gedankenfolge und eine gute Kenntniß der betreffenden Gegenstände darin aus, daß Biele, Juden wie Christen, mannichfache Belehrung daraus ziehen können. Der Hintergrund vor fünfzig Jahren, auf dem das Bild gezeichnet ist, entspricht der Wahrheit. — Bonn, 26. August. (Literarische Notizen.) Für die Geschichte des JudenthumS und der Juden find seit einem Jahrzehent die Länder an der unteren Donau von besonderem Interesse, welches Jntereffe jedoch auch eine allgemeine politische und culturhistorische Bedeutung beansprucht. Rumänien und Serbien find kleine Staaten, die einem großen politischen Ziele nachstreben, hierzu aber geistig und materiell ihre Befähigung erst Nachweisen müssen. Wie sie seit einem Jahrzehent die Juden mißhandelt und ihnen die bürgerlichen Rechte nicht bloß vorenthalten, sondern auch gerade entzogen haben, giebt für ihre politische und Cultur-Entwickelung ein schlechtes Zeugniß ab. Hierzu kommt die Theilnahme aller europäischen Großmächte für das Schicksal der dortigen Juden, unv endlich die nachhaltigen Bemühungen der Juden in den europäischen Staaten zu Gunsten ihrer Glaubensgenossen, ohne daß diese Theilnahme und diese Bemühungen bis jetzt irgend einen wesentlichen Erfolg gehabt hätten. Dies Alles zufammengeuommen bewirkt, daß die Vorgänge an der unteren Donau, soweit sie die Juden betreffen, auch für die allgemeine Politik und Cultur ein bedeutendes Moment ausmachen. Weniger wichtig sind nach dieser Beziehung die Juden in der Türkei, da sie in dieser keinen besonderen Punkt in der politischen und socialen Umgestaltung ausmachen, sondern an dem Schicksale des Staates und an den Processen seiner Umwandlung nur denselben Antheil haben, wie die übrigen Völkerschaften und Religionen. Höchstens ist es charakteristisch, wie die christlichen Staaten bei ihren Kundgebungen immer nur die christlichen Unterchanen in's Auge fassen, während diese letztere die sammtliche nichtmuselmännische Bevölkerung, also die Juden eingeschloffe», in Bettacht zieht. Wtr haben diese Bemerkungen gemacht, um die Wichtigkeit einer Publication zu betonen, die uns soeben zugekommen. Im December vorigen Jahres gab Herr Isidor Loeb „La Situation des Isra£lites en Serbie el en Rumanie “ heraus, welche Schrift aber die vorhandenen Documente nur mangelhaft wiedergab. Er sah sich daher veranlaßt, eine ziemlich vollständige Sammlung aller diesen Gegenstand betteffenden Schriftstücke zu veröffentlichen: La Situation des Israeliles en Turquie, en Serbie et en Rumanie par Isidore Loeb. Paris, Joseph Baer et Comp. 1877. (V und 470 S.). Herr Loeb hat sich hiermit für die neueste Geschichte ein wesentliches Verdienst erworben. Er geht bei seiner Zusammenstellung durchaus unparteiisch zu Wege, und reiht ihr die Kundgebungen der Rumänen sorgfältig ein, um deren Argumente dem prüfenden Blicke des Politikers und des Geschichtsforschers offen zu legen. In einem Anhang giebt er einen Auszug aus dem von uns wiederholt citirten Blaubuch der englischen Regierung über die orientalischen Juden. — Die für den pietistisch-mystischen Protestantismus arbeitende Berlagshandlung C. F. Spittler in Basel sendet uns zwei Artikel ihres Verlages zu: „Das erste Buch Mose" (ohne Jahreszahl) und „Das Hohelied oder Wettgesang zwischen dem Friedefürfien (Salomo) und der Brautgemeinde (Sulamit), welche den Frieden sucht und findet. Aus der Urschrift von Neuem übersetzt und nach den ältesten Ueberlieferungen erklärt von Dr. B. W. Ioseffy", (Basel 1877). Die erste Schrift enthalt ohne Vorrede und Anmerkungen eine Uebersetzung des ersten Buches Mose. Die Uebersetzung ist in moderner Sprache, jedoch mit einer mystisch-pietistischen Tendenz. Daß sie z. B. 49, 10 übersetzt: „bis daß Schilo kommt, und ihm werden sich anschließen die Völker", wird nicht verwundern. Anders ist schon 50,24. 25: „Gott wird Euch gewißlich besuchen". Daß nps hier „besuchen" bedeuten soll, wie etwa Richter 15, 1, während das Wort einfach „gedenken" bedeutet (die Sept. überttägt tmaxomiv), hat sein mystisches Motiv. Die zweite Schrift will die allegorisch-mystische Auslegung des Hohenliedes wieder auffrischen. Merkwürdig ist es, daß diese Art von Interpretation sich als orthodox ausgiebt, während sie doch bei jedem Verse die gewagtesten Sprünge machen muß, um nach ihrem Sinne einen Sinn hineinzuzwängen. Mit einiger Benutzung des Midrasch macht Herr I. einen süßlichen Brei zurecht. — Ieuilleton. Die Äu-eu in Marokko. Zu den Personen, welche die jüngst stattgefundene Gesandtschaft des deutschen Reiches an den Kaiser von Marokko bildeten, gehörte auch der bekannte Feuilletonist Ludwig Pietsch, der/ich schon oft genug nicht als Freund der Juden erwiesen hat. Er giebt seine Schilderungen in der „Schles. Zeitung", und finden wir daselbst in der Nummer vom 7. Juni folgende Bemerkung über die Juden der Stadt Fäes (Fetz): „Ein von allen anderen maurischen, arabischen, berberischen

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