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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-04 · Heft 36 (4.9.1877) · p. Seite 573

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 36 (4.9.1877)
Date
1877-09-04
Page
Seite 573 (sequence 9)
Language
German
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573 wäre» — diene erstlich der Umstand, daß hier zu Moskau in den für die Verwundeten extra errichteten Krankenhäusern bei 15 jüdische von dem Kriegsschauplatz« transportirte Verwundete sich befinden; zweitens: mit den vier dieser Tage von hieraus nach dem Kriegsschauplätze abmarschirenden Grenadier-Regimentern gehen mehr als 100 jüdische Soldaten ebenfalls fort, von denen viele ihren Frauen religiöse Scheidungsbriefe gaben oder nach Hause schickten. Die Juden bilden zwar keine besonderen Regimenter — was zu wünschen auch lächerlich wäre — sie werden, gleich de» übrigen Nicht-Ruffen, z. B. Polen, Tataren rc. unter die übrigen Truppen vertheilt, aber nie werden sie aus den nach dem Kriegsschauplätze marschirenden Regimentern ausgeschieden. Biele unter den jüdischen Soldaten sind zu Unteroffieieren befördert, und ist nicht zu zweifeln, wenn den Juden das Recht zu avanciren zugestanden worden wäre, sie, nicht minder tapfer als die Andern, ihre Officiers-Epaolettes verdienen wollten und könnten. Ganz im Gegentheil, gerade von diesem Kriege erwarten wir eine beffere Wendung unsers Schicksals in unserm Vaterland, denn, wie gesagt, der Jude blutet jetzt auf dem Schlachtfelde für die Ehre Rußlands gleich den übrigen Unterthanen. Wollte Gott, es schöffe aus dieser blutigen Saat der Keim der Frecheit nicht nur für die von den Türken unterdrückten Slaven, sondern auch für uns — Juden auf! Bonn, 12. August. (Literarische Notizen.) Bon dem Schriftchen: „Die Juden von einem Christen" (Berlin, Grosser 1877), welches wir in Nr. 28 rühmend besprochen haben, ist bereits die zweite Auflage erschienen. Wir verweisen auf unsere gedachte Kritik, indem wir nochmals diese Schrift (Preis 1 Mark) allen Freunden der Wahrheit und des Rechts empfehlen. Wir können jetzt mit Bestimmtheit versichern, daß der Verfasser ein Christ ist, dessen Persönlichkeit allen jüdischen Einflüssen fernsteht. — In Nr. 30 haben wir mitgetheilt, daß die Wiener Akademie der Wissenschaften ein Lexikon zum Talmud von vr. Alex. Kohut mit 400 fl. per Band zu subventioniren beschlossen hat. Seitdem erhielten wir die gedruckte „Einladung zur Pränumeratiou". Es handelt sich um eine kritische Ausgabe des Aruch unter dem Titel abtsn “p*!» nso. Der Herausgeber benutzt dazu sieben Handschriften und die seltene Ediiio princeps. Der Einladung ist eine K-np rnp beigefügt, welche die Bearbeitung des Gegenstandes speciell näher bezeichnet: bis jetzt nicht gedruckte Artikel werden aus den Handschriften gezogen. Der Citatennachweis wird mit Genauigkeit geliefert; das ftemdsprachliche Element wird mit Sorgfalt bearbeitet, namentlich die zahlreichen Ausdrücke, welche R. Nathan übergangen u. s. w. und bedeutende Jndices werden hiuzugefügt. Das Werk wird aus sieben bis acht Bänden bestehen, jeder Band aus vier Heften, L 12 Bogen, das Heft zu 1 fl. 50 kr. Jeder Sachverständige weiß den außerordentlichen Fleiß zu schätzen, den ein solches Werk erfordert, welches ein ganzes Menschenleben zu beanspruchen vermag. Es gilt daher um so mehr, den Verfasser durch ein reichliches Abonnement in den Stand zu setzen, den Druck des Werkes zu beginnen. Gut hätte er allerdings daran gethan, wenn er der Einladung eine kleine Probe feiner Bearbeitung beigelegt hätte. Man adressirt das Abonnement an Herrn Oberrabbiner vr. Alexander Kohut in Fünfkirchen (Ungarn). Der Bettag ist bei Uebersendung jedes Heftes zu erlegen. Allerdings würde durch dieses Werk nicht bloß eine seit langer Zeit fühlbare Lücke ausgefüllt, sondern auch der Beweis geführt werden, daß die jüdische Literatur noch eine volle Lebensttaft besitzt. Da die Drucklegung einen Kostenaufwand von 15,000 fl. erfordert, so ist ein recht zahlreiches Abonnement nothwendig, um die Erreichung dieses Zieles zu ermöglichen. — Bonn, 19. August. (Literarische Notizen.) Wir erhalten durch fteundliche Aufmerksamkeit: „Die Loge zum Frankfurter Adler im Orient." Frankfurt a.M. ihren auswärtigen Mitgliedern Johanni 1877. Frankfurt«.M. Fey. Der Freimaurerei nicht angehörend, lasen wir vielleicht mit um so größerem Interesse diese Broschüre, die in allen Theilen den Geist der Humanität, der religiösen Duldung, der Bruderliebe athmet. Besonders anziehend war für uns S. 13—16 die „Zweite Festzeichnung des Ersten Auffehers Br. vr. Formstecher" (Rabbiner zu Offenbach). Wir begegnete» gern dem alten philosophischen Kempen für das Judenthum. Ju seiner gedrängten, geistreichen Manier charakterisirt er das Alterthum als den Particularismus, die moderne Welt als den Universalismus. Wahrscheinlich aus der pflichtschuldigen Conniveuz gegen das fteimaurerische Johannesfest führt er den Beginn des Universalismus auf den „Rabbi" Johannes den Täufer — nicht den Evangelisten — zurück, während er doch selbst weiterhin die Stellen der alten Propheten Israels wörtlich anführt, welche den ganzen Universalismus aussprechen, wie er noch heute das Ziel aller Humanitären, also auch der fteimaurerifchen Hoffnungen und Bestrebungen ist. Sowie der Redner zeigt, daß noch heute (und wahrscheinlich noch sehr lange) der Universalismus mit dem noch kräftigen Particularismus zu kämpfen hat: so mußte er gerade aus riesen Propheten erweisen, daß der Geist des Universalismus, selbst als der Particularismus noch das ganze Leben der Völker beherrschte, schon lebendig war und zum Ausdruck gelangte. Abgesehen von dieser kleinen Bemerkung, hat uns diese Rede ihres Gedankeninhalts wie des schönen, kräftigen Ausdrucks wegen, sehr befriedigt. — Die Aufnahme. Eine Erzählung aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts von B. Hause. Eisenach. Im Selbstverlag des Verfassers, 1877. Wir haben es hier mit keinem Meisterwerke zu thun, wohl aber mit einer für manche Kreise sehr beachtenswerthen Erscheinung. Bekanntlich giebt es jetzt zahllose Romane und Novellen, in welchen Jüdinnen aus Liebe oder aus Eitelkeit zum Christenthume übertteten — warum also auch nicht einmal das Gegencheil, und zwar aus Liebe und Ueberzeugung, 36

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