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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-09-04 · Heft 36 (4.9.1877) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 36 (4.9.1877)
Date
1877-09-04
Page
Seite 571 (sequence 7)
Language
German
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571 steigen, und daß ein solcher Ausschuß in seinen Verhandlungen und Beschlüffen äußerst schwerfällig wird, gesteht sicherlich jeder Sachverständige zu. Dem gegenüber wird auch die Bestimmung, daß die Beschlußfähigkeit des Ausschußes schon durch die Anwesenheit von drei Mitgliedern gegeben wird, ein Beschluß also durch zwei Mitglieder gefaßt werden kann, kaum aufrecht zu erhalten sein. — Neu und sehr angemessen ist § 13: „Der Ausschuß ernennt an Orten, wo er es für nöthig erachtet, Delegirte, welche sich der besonderen Fürsorge für die Zwecke des Gemeindebundes in den ihnen zugetheilten Bezirken unterziehen." Es wäre sehr wünschenswerth, daß der beabsichtigte Gemeindetag eine recht vielseitige Betheiligung erhalte, damit der Bund neugestärkt und neubelebt daraus hervorgehe. Mögen die Gemeinden nicht gleichgültig bleiben für die Erhaltung eines solchen gemeinsamen Organs, das noch zu bedeutenden Leistungen berufen sein möchte. Möge auch dieses Institut nicht unsrer Zeit den Vorwurf zuziehen, daß sie zwar schnell und viel zu schaffen, jedoch wenig zu erhalten vermöge! Frankfurt am Main, 20. August. (Privatmitth.) Mein Artikel in Nr. 21 ist — ohne mein Wissen in Nr. 186 des „Frankfurter Intelligenz-Blattes^ abgedruckt worden, und hat in Nr. 190 eine vierspaltige Entgegnung hervorgerufen. Ich habe von vornherein erklärt, daß ich mich mit Herrn Hirsch und seinen Champions in einen Streit einzulasien, nicht beabsichtige, weil man mit Leuten nicht streiten kann, welche sich für unwiderlegbar halten und stets für nicht widerlegt ausgeben, d. h. Vernunft anzunehmen entweder unfähig oder nicht gewillt sind, mit Leuten, welche in Entsetzen gerathen, wenn man es für möglich hält, daß der sel. Sofer einen Jrrthum begehen konnte (lauter Unfehlbare!). Am wenigsten kann der Wortschwall des Entgegners dazu verlocken. Daher nur eine Bemerkung. Es ist unbegreiflich, wie ein neuorthodoxer Rabbiner eine ganze Menschenklaffe, hier die Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt für Minim und Epikorßim, d. i. für Ketzer und Gottesleugner erklären kann und doch den freundschaftlichen Verkehr und die Verschwägerung mit denselben nicht alsbald verbieten will! Begreiflich hingegen — weil bei den Herren schon oft vorgekommen — ist die Jnconseqenz, wenn der Ritter des Herrn Hirsch auf der einen Spalte erklärt, daß der sel. Sofer auf ein Borkommniß hin die Verschwägerung mit Reformern verbieten wollte, auf der anderen Spalte vermeint, Verstöße gegen die Ehegesetze kämen jetzt fast täglich vor, und doch deduciren will, daß gegenwärtig Sofer ein solches Verbot nicht ausgesprochen hätte! Wenn übrigens Herr Hirsch unter Führung des sel. Sofer unter die Diplomaten gehen und für die „Gesetzestreuen" zwischen Theorie und Praxis unterscheiden will, so mag er es thun. Das gewöhnliche Sprichwort sagt hierfür: „Er möchte wohl, aber er kann nicht." Und nun laste ich diesen Kampfhähnen oder Streithengsten das Feld frei. Hannover, 18. August. Das heutige „Hannoversche Tageblatt" bringt folgenden Artikel: Die Anfänge zur Bildung einer Auslrittspartei treten auch hier schon hervor. Während der Vater Hirsch in der Mainstadt seine Neligionsgesellschaft mit Gewalt von der Hauptgemeinde losreißen will, versucht es der Sohn allhier auf diplomatischem Wege, oder wie die bösen Leute es anders nennen werden, durchzusetzen. Er will nicht umsonst beim Abgeordnetenhause um die Zerstückelung der Gemeinden petttionirt haben und suchte daher seinen Willen zur That reifen zu lasten. Dieser thut es nicht aus Nebenabsichten, da hier keine Religionsgesellschaft besteht, sondern aus reiner und voller Ueberzeugung, von der aber kein Mensch sich überzeugen läßt. Schon sieben Jahre beharrt er in seiner vorgefaßten Meinung, von der Synagoge, in der seiner Ansicht nach ungeheure Reformen vorgenommen worden, fern zu bleiben, aber hat doch noch keinen Versuch gemacht, eine streng orthodoxe Gemeinde zu bilden, jetzt aber soll Fühlung gemacht werden, ob die Idee sich realisiren wird. So lange er mit seiner Idee allein dastanv, war es nicht leicht, aus seiner einzelnen Person eine besondere Gemeinde zu bilden, aber die Freizügigkeit hat ihm Elemente zugeführt, die er chemisch verarbeitet. Ein Theil der Frommen hängt an der Synagoge mit Leib und Seele und wird keineswegs sich dazu bewegen lasten, dieselbe hintanzusetzen. Aber eine Minorität aus der Minorität der sich selbst überschätzenden Frommen wühlt und setzt alle Hebel in Bewegung, um ihren Zweck zu erreichen. Der diplomatische Feldzug begann mit einer Petition, die die Majorität der kleinen heiligen Schaar nicht unterschreiben wollte, an den Vorstand, dem nicht direct gesagt ist, man wolle eine Trennung, sondern, um ihn in's Garn zu ziehen, sagt die Petition: da die große Synagoge für die hohen Festtage zu klein ist, so wäre es wünschenswerth, die alte Synagoge in Ehren zu bringen, wenn in derselben von Seilen des Vorstandes für die genannten Tage ein Gottesdienst eingerichtet werde. Gelänge dieser Schachzug und der Vorstand reichte einen Finger, so sollte die Erlaubniß zum Errichten eines besonderen Gottesdienstes aus jeden Sabbath ausgedehnt werden, und so dachten die Diplomaten Schritt für Schritt zu gewinnen, um nach und nach der großen Synagoge einen Theil der Besucher zu capern, um der Welt sagen zu können, seht, die Reformsynagoge wird von den Frommen verlaßen, und nur eine solche Synagoge, in der keine Neuerungen, das soll heißen Ordnung, eingeführt worden, wird besucht. Der Vorstand, ahnend, daß die Petttion nicht so unschuldig ist, wie sie aussieht, ließ sich nicht hinters Licht führen und lehnte die Bitte sehr höflichst ab. Was nun geplant wird, vermögen wir nicht zu entdecken und müffen abwarten, was die Zukunft uns bringt. Jedoch brauchen wir nicht mit Angst der Zukunft entgegenzusehen, die Einigkeit unserer Gemeinde ist zu fest, als daß sie von solchen schwachen Elementen gesprengt werben sollte, und die weise Leitung unseres allverehrten Landrabbiners und des leinsichtigen Vorstandes wird uns schon vor einer Zerklüftung

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