Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1877)
- Date
- 1877-08-28
- Page
- Seite 558 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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558 beschreibt dann die vaticanische Bibliothek nach ihrem Aeußern, berührt die zu Florenz u. s. w., wobei er einzelne hervorragende Manuscripte heraushebt. Hierauf geht er in eine Reihe von Einzelheiten ein über die Gewohnheiten, welche die Abschreiber angenommen. Interessant ist hier eine Episode über die päpstlichen Censoren, woran einige Bemerkungen über russische Censoren geknüpft sind. Das Ganze ist im wärmsten Tone gehalten und eine Anzahl Noten bringen noch willkommene Mittheilungen. Der Reinertrag dieser Schrift ist für die Förderung des Unterrichts der armen Ghettokinder in Rom bestimmt. — „Trauerworte, gesprochen an der Bahre des Fraul. Fanny Nathan, am 15. Juli 1877, von l)r. Horowitz, Oberrabbiner in Crefeld." Diese warmen Trauerworte haben ihren Schwerpunkt in der eindringlichen Mahnung an die anwesenden wie an die entfernten Freunde der Verblichenen und ihres schönen Werkes, des stattlichen Waisenhauses zu Paderborn. Es war Frl. Nathan Lurch unermüdliche Bemühung gelungen, das ansehnliche Haus zu erbauen und eine immer wachsende Zahl von Waisenkindern in dasselbe aufzunehmen, in ihm zu unterhalten unv zu erziehen. Aber sie konnte es nicht erreichen, der Anstalt solche Fonds zuzuführen, daß sie für die Zukunft, wenn auch nur annähernd, gesichert sei. Um so gerechtfertigter ist die Ansprache des Redners an Alle, die ein Herz haben für Waisenerziehung, ihre thätige Hülfe dem Waisenhause zu Paderborn zuzuwenden. Wir schließen uns diesem gerechten Ansuchen mit ganzem Herzen an' Es scheint uns, daß es von Nutzen wäre, wenn das Curatorium einen ausführlichen Bericht über die finanzielle Lage des Waisenhauses veröffentlichte, um auf Grund dessen die Forderungen an die Wohlthätigkeit zu regeln. Bon den, durch das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" herausgegebenen Schriften sind noch folgende, theils in sehr wenigen, theils in mehreren Exemplaren vorräthig, auf welche wir die Aufmerksamkeit hiermit richten wollen: Rispar (Frankolm), die Kreuzfahrer. 2 M. — Disraeli, David Alroy. 2 M. — Oelsner, R. Sabbathai Bassist». 50 Pf. — Aguilar, Morales. 1 M. — Jahrbuch der Geschichte des Judenthums und der Juden. B. I. III. lV. je 1 M. — Fürst, Geschichte des Karäerthums. B. I. u. UI. je 2 M. — Geiger, Gabirol. 1 M. — Erckmann Chatrian, Die Blockade von Pfalzburg. 1 M. — PH. Philippson. Biographische Skizzen. Ul. Heft (Leben des l)r. Salomen). 1 M. — Neubauer, Petersburger Bibliothek. 1 M. 50 Pf. — Bibliothek römischer und griechischer Schriftsteller. B. I. U. u. IV. je 1 M. — Das Grab zu Sabbioneta. 1 M.— Juva Touro. 2 M.— Leopold Löw, Beiträge zur jüdischen Alterthumskunde. B. l. u. U. 3 M. — Munk, Palästina. B. I. u. U. 3 M. — Man wendet sich deshalb an den Redacteur dieser Zeitung. — Jeuilleton. Losch-Ha schauah. Aus dem „Prüfstein" von Kalonymos ben Kalonymos. Wir haben bereits in Nr. 33 eine Probe aus der bald erscheinenden metrischen Übersetzung des 1323 vollendeten ■p« ■jma von W. A. Meisel s. A. gebracht. Hier folge zum bevorstehenden Neujahrsfeste das diesem gewidmete Gedicht: Es naht heran der tiefergreifende Moment, Wo Jahr von Jahr geheimnißvoll sich trennt, Wo Gott der Herr der Lebenden gedenkt, Und ihre Schicksale auf's Neu' verhängt. Wo Wünsche sich in Aller Herzen regen. Und brünstige Gebet' um Heil und Segen. .Gott kommt, sich aus den Weltenthron zu setzen. Zu richten streng nach ewigen Gesetzen. Die Zukunft ist geheimnißvoll verhüllt, Nur ihm bekannt, der alle Zeilen füllt. Der Weltenrichter liest in Himmelsbüchern, Die alle Thaten vor'm Bergeffen sichern. Wo Tugenden verzeichnet sind mit Huld, Mit Vaterschmerz die Sünde und die Schuld. Wie zitternde Lämmer vor der Hürde steh'n, Vereinzelt durch die enge Pforte geh'n. Gemustert, angezeichuet und wohlgezählt. Daß auch nicht Eins dem treuen Hirten fehlt — So müssen Alle vor des Richters Schranken, Die ihm das irdische Dasein danken. Ein guter Engel, bangend vor dem Grimme, Erweckt, beschwört mit lauter Stimme: „Verlaß' den Sündenweg, verirrtes Israel, „Und kehr' zurück zu deines Heiles Quell; „Wie weit dich auch gedrängt die Leidenschaft, „Ist nahe doch der Liebe Gnadenkraft; „Wie Laster auch dein Lebensbild verzerret, „Der Weg zur Buße ist dir nie versperret, „Bei allem Frevel gegen Recht und Pflicht, „Gewahrt dir Gottes Huld noch Zuversicht." Wer Ehrfurcht fühlt vor Gott, dem Herrn, Gehorcht dem Mahnungsrufe schnell und gern, Erhebet sich im heißen Bußgebet Hinan, wo Gottes heilige Nähe weht; Dämpft mit der Thranen reicher Fluth Der Fleischestriebe heiße Gluth,