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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-08-28 · Heft 35 (28.8.1877) · p. Seite 557

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 35 (28.8.1877)
Date
1877-08-28
Page
Seite 557 (sequence 9)
Language
German
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557 tragen, haben das Recht, an der Wahl der 6 Mitglieder und 3 Candidaten einer Verwaltung, um die öconomischen Angelegenheiten des Belhauses auf dreijährige Frist zu leiten, *) Antheil zu nehmen, wobei jedesmal die Erlaubniß dazu vom Petersburger Stadthauptmann im Voraus erbeten werden muß. — 2) Bei der Wahl dieser Wirthschaftsverwaltung asfistirt ein Beamter von Seiten des Petersburger Stadthauptmanns, um die Regel- und Gesetzmäßigkeit der Wahl zu überwachen. 3) Die gewählten Personen werden dem Stadthauptmann zur Bestätigung vorgestellt. 4) Nach erhaltener Bestätigung wählen die Mitglieder der Verwaltung mit Zuziehung der Candidaten aus eigner Mitte einen Vorsitzenden durch Stimmenmehrheit. Der Rabbiner wird, seinem Amte nach, als Mitglied der Verwaltung gerechnet. 5) Der Bestand der Mitglieder der Wirthschaftsverwaltung wird im Laufe der 3 Jahre allmälig erneut, mittelst alljährlichen Austritts eines Drittthcils derselben, nämlich zweier Mitglieder und eines Candidaten. Die ersten zwei Jahre wird die Ausscheidung durch Losung vollzogen, in der Folge aber nach der einmal festgesetzten Ordnungsreihe. Die Ausgeschiedenen sind wieder wählbar. 6) Die Verwaltung ist verpflichtet, jährlich der Generalversammlung einen gedruckten Rechnungsbericht, sowohl von ihrer Thätigkeit, als von den Einnahmen und Ausgaben der Geldsummen vorzulegen. 7) Die Generalversammlung wählt in ihrer ersten Sitzung eine aus drei Mitgliedern bestehende Revisionscommission, um den Rechnungsbericht zu prüfen; in der zweiten bestätigt sie die Berichterstattung der Revisionscommission und wählt neue Mitglieder der Verwaltung, um die Zahl der auf Grund des § 5 ausgeschiedenen zu ersetzen. t) Zum nöthigen Verstandniß mancher in diesen provisorischen Regeln vorkommenden Ausdrücke muß Folgendes berücksichtigt werden: In den Wcstprovinzcn erlaubt das Gesetz den Juden, ans je 30 Hauser ein Bethaus lMolitwennyj Dom) und auf je 80 Häuser eine Synagoge zu errichten, — in Großrußland aber wird ihnen nur Molclna zu haben erlaubt. Die Bethäuscr der RoSkolniki werden ebenfalls nur Molclna genannt — was soviel alS Gcbctlocal ohne eigentlich religiösen Charakter bedeutet. In den Wcstprovinzcn wird jedes jüd. Bcthaus oder jede Synagoge von einer C u l t u s - Verwaltung (aus drei Mitgliedern bestehend, nämlich: l) Gelehrte oder Lehrer — Utschony; 2) Starosta — Vorsteher, und 3> Finanzverwaltcr — Äoznatschey verwaltet, eine solche Cultus-Berwaltung heißt gesetzlich: Duchownoje oder Molitwennoje Prowlenie — im Innern Rußlands aber hat das Ministerium durchaus verboten, die Verwaltungen derMolclna— Cultus- Verwaltungen zu nennen, sie heißen nur Wirthschast s-Verwallungcn (Chosjajstwennya Prowlenia). — Daß eine solche minutiöse Einschränkung der Molelna - Verwaltungen nur zu Mißhclligkeitcn fuhren muß, möge man aus folgendem Beispiel ersehen: Die Civil-Listen werden in Rußland von den Rabbinen geführt, mit Zuziehung der Cul tus-Berwaltungen, da aber in Großrußland nur Oeconomievcrwaltungcn bestehen» so ist die Führung und die ganze Verantwortlichkeit bei der Führung der Civil-Listen nur den Rabbinen überlasten. Was die Regierung also einerseits zu gewinnen meint, verliert sie andrerseits. — 8) Die Verwaltung ist verpflichtet, Castabuch zu führen, eines für Einnahme und ein zweites für Ausgaben. Außerdem muß in der Verwaltung ein Buch zur Eintragung der Mitglieder und der von denselben gespendeten Geldsummen geführt werden. 9) Alle Fragen bei der Verwaltung der Angelegenheiten werden sowohl von dem Verwaltungscomitö, als von der Generalversammlung durch Stimmenmehrheit entschieden, wobei, bei gleicher Stimmentheilung, die Stimme des Vorsitzenden entscheidend ist. Bonn, 12. August. (Notizen). Das Curatorium des israel. Waisenhauses zu Paderborn hat den Oberrabb. Dr. Horowitz in Crefeld zu seinem Mitgliede erwählt, und die Frau Johanna Marx, geb. Dinkelspiel zur Vorsteherin des Waisenhauses, das sie feit mehreren Jahren unter der Aufsicht ihrer verstorbenen Tante, des Frl. Fanny Nathan, bereits geleitet. Diese neuen Kräfte werden die Anstalt in ihrem blühenden Zustande erhalten, besonders wenn sich auch fernerhin der Wohllhätigkeitssinn edler Menschen an ihr bethätigt. — In Hannover, wo der Gemeindevorstand den Bau eines neuen Hauses für die israel. Religionsschule im vor. Jahre vollenden ließ, hat dieses Gebäude ein so bedenkliches Ansehen gewonnen, daß ein völliger Umbau nothwendig erschien. In der Gemeinde herrscht darüber viel Mißstimmung, umsomehr, da der Vorstand zu dem Bau keine Concurrenz hatte eintreten lasten. In den hiesigen Blättern sind darüber mehrfache Stimmen laut geworden. — Von Pest wird uns geschrieben: An dem zu eröffnenden ungar. Rabbinerseminar in Budapest werden die Anmeldungen bis zum 2. September l. I. entgegengenommen. Die Aufnahmsprüsungen und Einschreibungen finden am 3., 4. und 5. destelben Monats statt. Bonn, 19. August. (Notizen.) Aus Wien berichtet man: Kürzlich fand die erste Bertheilunz aus der Freiherr Anselm v. Nothschild'fchen Waisenstiftung statt, aus welcher vom Bürgermeister Di*. Felder 30 Waisen christlicher Consession und vom Abgeordneten Dr. Ignaz Ritter v. Kuranda, Vorstandspräses der israel. Cultusgemeinde, 14 Waisen israelitischer Consession mit je 100 Gulden beglückt worden sind. Bonn, 5. August. (Literarische Notizen.) „Ein Gang durch die Bibliotheken Italiens". Vortrag, gehalten im Sesalh-Emeth-Berein, von Dr. A. Berliner. Berlin 1877. Julius Benzian. Ein interestanter Vortrag, der, abgesehen vom Inhalte, durch anmuthende Form auch die Leser anziehen wird. Der Gegenstand ist, die verschiedene und eigenthümliche Beschaffenheit der jüdischen Handschriften zu schildern, welche in italienischen Bibliotheken so reichlich vorhanden sind, daß man Italien die Heimathstätte jüdischer Manuscripte mit Recht genannt hat. Der Vers, giebt zuerst die Gründe an, warum sich gerade auf der appeninischen Halbinsel diese Handschriften so angehäuft haben, 35

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