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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-08-28 · Heft 35 (28.8.1877) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 35 (28.8.1877)
Date
1877-08-28
Page
Seite 556 (sequence 8)
Language
German
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556 Kind benutzen, um durch das Versprechen verdoppelter Pflege die Taufe des Kindes der Mutter abzuringen, die sich nicht scheuen in einem solchem Momente der Furcht für ihr Kind noch die Gewissensqual hinzuzufügen — solche Menschen sind zu Allem fähig, wenn nicht das Schwert der Gerechtigkeit sie bedroht — und dies eben hat die französische Regierung aus Connivenz für den Klerus aus der Hand gelegt. Redacl. d. A. Z. d. I.) Großbritannien. Bradford, im August. Die hiesige Stadt und jüdische Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten. Herr Charles Semon, der 1874/75 Bürgermeister gewesen, ist den 18. Juli in Tarasp (im Engadin in der Schweiz) verstorben. 1814 in Danzig geboren, hatte er sich in England völlig naturalisirt und einen großen Theil seines wohlerworbenen Vermögens für wohlthätige Zwecke verwendet, bei denen er sich weder durch Nationalität, noch durch Confession beschranken ließ. Sein Leichnam wurde hierher gebracht und feierlich bestattet, und wird ihm die Stadt ein Denkmal errichten. Türkei. Paris, 10. August. Die Alliance versendet folgendes Circular, das inhaltlich Nachrichten bringt, die bereits in dieser Zeitung gegeben worden, dennoch von uns in wortgetreuer Uebersetzung gegeben wird, um den Eindruck nicht abzuschwächen. Es lautet: „Unsere Glaubensgenoffen leiden außerordentlich vom Kriege in allen Theilen der europäischen Türkei. Eine Bevölkerung von 100,000 Israeliten ist in das größte Elend versetzt. Auf dem Schauplatze der kriegerischen Vorgänge fliehen sie vor dem Bombardement der Festung, vor den russischen Heeren und flüchten sich in die nächsten Städte, wo sie zu Tausenden ankommen und ohne Schutzdach, ohne Brod, ohne Bekleidung verbleiben. Folgende drei Telegramme sind uns nach und nach zugekommeu: Widdin, 16. Mai. 700 Israeliten befinden sich hier in Folge der augenblicklichen Umstände ohne das tägliche Brod. Diese Unglücklichen bitten mit Thranen in den Augen, daß ich dies zur Kennlniß der Alliance bringe. Wollen Sie um Gotteswillen ihnen eine Hülfe schicken, um sie vor dem Hunger zu retten. Josef Ventura. Schumla, 1. Juli. Nachdem Rustschuk bombardirt worden, haben sich mehr als 200 israelitische Familien in die Berge geflüchtet ohne eine Zuflucht und sterbend vor Hunger. Wir erwarten Ihre unmittelbare Hülfe, um diese unglücklichen Familien retten zu können. Menahem Nabon. Adrianopel, 7. August. 2000 Seelen, Groß und Klein, sind von Zagara augekommen ohne Brod, ohne Bekleidung. Dank dem Schutze der türkischen Armee, ist nur eine kleine Zahl unsrer Glaubensgenossen getödtet oder verwundet. Die Reichen des Landes sind abgereist, ich bin allein, in Verzweiflung, 2500 Frcs. habe ich durch Subscription erhalten, die aber kaum für eine Woche ausreichen. Eröffnen Sie eine Subscription und kommen Sie schnell zur Hülfe. Moffs de Toleda. Vor so großen Leiden haben die Israeliten unserer Länder eine Pflicht der Wohlthätigkeit und Humanität zu erfüllen. Eine Subscription ist eröffnet in den Büreaux und bei den Vorsitzenden der Localcomilss. Wir hoffen, daß unser Ausruf gehört wird, und daß wir bald im Stande sein werden, der von uns geleisteten Hülfe neue hinzuzufügen. Wir müffen uns beeilen, wenn wir unsre armen Glaubensgenossen vor dem Hungertods retten wollen." A. Crömieux, Vorsitzender. N. Leven, General-Secretär. Das Büreau der Alliance ist Paris 37, rue de Trevise. Rußland. Aus dem Rusfischeu, IO. August. (Privatmitth.) In Nr. 29 entnahmen Sie aus der „Boff. Ztg.", daß beim Beginn des jetzigen Krieges die jüdischen Soldaten im russischen Heere zurückgeschickt und zum Garuisondienste verwendet worden seien. Ich kann Ihnen aus nächster Beobachtung mitcheilen, daß dies durchaus unwahr ist. Die jüdischen Soldaten zogen z. B. aus Kischineff mit den Regimentern, denen sie angehören, in den Krieg wie alle anderen. Ueberhaupt verdienen viele Nachrichten, die über die Behandlung der Juden seitens der russischen Regierung in den Zeitungen, namentlich den ausgesprochen ruffenfeindlichen, keinen Glauben. So meldet in diesen Tagen aus Lublin die „Gazeta Narodowa", daß „in den russischen Synagogen ein hebräisch geschriebener Aufruf affichirt, in welchem man den Juden droht, daß ihre Hauser in Brand gesteckt werden sollen, falls sie nicht Geldbeiträge zu Kriegszwecken leisten und die Hymne für den Czar singen würden." Schon der Schluß dieses Artikelchens bezeugt, daß sein ganzer Inhalt erfunden ist, denn es besteht wohl keine Synagoge im ganzen russischen Reiche, in welcher nicht das Gebet für den Kaiser und für das Glück der russischen Waffen recitirt würde. Durch solche Nachrichten will man zu gleicher Zeit die Juden und die Russen verleumden. Moskau, im August. (Privatm.) Meinem Versprechen gemäß, sende ich anbei in wortgetreuer Uebersetzung: „Einige provisorische Vorschriften vom Minister des Innern d. 29. Juni 1877 sub Nr. 2268, auf Grund des Allerhöchst genehmigten Beschlusses des Minister-Comitvs v. 2/3O. September 1869, als Versuch bestätigte Maßregeln für die Hebräer- Gemeinde zu Petersburg: 1) Alle Hebräer, die das Recht in Petersburg zu wohnen besitzen und nicht weniger als 25 R. S. jährlich zur Bestreitung der Kosten des Bethauses (Molelna) bei-

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