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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-08-28 · Heft 35 (28.8.1877) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 35 (28.8.1877)
Date
1877-08-28
Page
Seite 554 (sequence 6)
Language
German
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554 andern, dem Vorstände verständlichen ansgefertigt werden müssen nnd daß Personen, die nicht im Besitze solcher Passe sind, keinen Anspruch auf Unterstützung haben. Die Zahl der dem Verbände beigetretenen Gemeinden hat sich 1876 wieder vermehrt, namentlich durch Anschluß Aschaffenburgs zur Centralstelle Würzburg. Vororte bestehen im Ganzen vier, nämlich Augsburg, Bamberg, Fürth und Würzburg. Die Zahl der israel. Gemeinden in Bachern diesseits deS Rheins beträgt ca. 250, hiervon sind ca. 170 dem Verbände beigetreten, es fehlen sonach ca. 80, worunter München, das der isolirten Lage halber sich nicht anschließen kann, während die übrigen entweder kleine oder mittellose Gemeinden sind. Angeschloffen haben sich an Kostgelder. M. 176,45 - 849,53 - 30,41 Gemeinden. Zahl d. Unterstützten. Zahl d. Unterstützungen. nach Augsburg 12 1174 M. 8391,32 - Bamberg 25 1544 - 10866,75 - Fürth 39 1802 - 28826,43 - Würzburg 87 1660 - 14980,35 163 6180 M. 63064,85 M. 1056,39 Nichtaufgeführt ist in dem Verzeichnisse 1) unter den Gemeinden die vier Bororte, 2) unter der Zahl der Unterstützten die Localarmen der Gemeinden, 3) unter dem Betrage der Unterstützungen die an Localarme verabreichten Spenden. Während die übrigen Vororte ihre Localarme, resp. die Vereinsgemeinden besonders besorgen und sonach ihre Einnahme fast ausschließlich zu Gunsten der durchreisenden armen Israeliten verwenden, hat Würzburg aus den Einnahmen außer obigen M. 14980,35 noch M. 6588 an die Armen der Bereinsgemeinven bezahlt und damit bewiesen daß der Verband auch nach dieser Richtung hin sich einrichten und erweitern ließe, so daß er nicht nur auf einen Zweck be schränkt zu werden braucht. Die Sorge für den einheimischen Bedürftigen ist ja die zunächstliegende, erst nach ihm kommt der fremde. Gegen 1875 ergiebt sich eine Mehrausgabe von M. 10218,93, und rechnet man noch hinzu, welchen Betrag die noch fehlenden c. 80 Gemeinden, worunter München, sowie die dem Verbände nicht angehörige bayrische Rheinpfalz mit circa 12000 jüd. Einwohnern für arme durchreisende Israeliten verausgaben , so erhält man einen Begriff von der ungeheuren Summe, die die Wanderbettelei jährlich absorbirt. Es erhellt daraus, daß der Grundzug des Verbandes nicht auf Verminderung der Mittel hinausgeht, durch ihn wird vielmehr eine scharfe Con trole der arbeitsscheuen und unwürdigen Personen geübt, es wird den Paffanten der Besuch jeden Ortes erspart, die Ueberlast kleiner Gemeinden dadurch abgewälzt und dem großen Chillul Haschem gesteuert, der durch da8 Herumziehen, besonders der russisch-polnischen Bettler mit Frau und Kind in oft verwahrlostem Zustande herbeigeführt worden ist. Ferner bekommt jeder Empfänger einer Gabe das Berzeichniß der dem Verbände beigetretenen Gemeinden nebst Belehrung und Verwarnung, und es ist daher ein starker Inbifierentismus, daß die noch rückständigen Gemeinden trotz theilweife wiederholter Aufforderung dem Verbände bisher fern geblieben. Gerade ihnen, den kleineren Gemeinden, kommen die Bortheile der Organisation am meisten zu Gute und durch ihren Beitritt konnte der Verband einen noch größeren Wirkungskreis erzielen. Die Organisation des Verbandes ist eine so vortreffliche, daß sie nichts zu wünschen übrig läßt. Mögen daher die fehlenden Gemeinden durch ihren Beitritt den löblichen Zweck und das segensreiche Wirken des Verbandes fördern und unterstützen helfen und eingedenk sein des Dichterworts, das da heißt: „Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selber kein Ganzes werden. Als bindendes Glied schließ an ein Ganzes Dich an." Aus Württemberg, 16. August. (Privatmittheilung.) Der „Staatsanzeiger für Württemberg" enthält den „Bericht des Staatsministers der Justiz, betreffend die Verwaltung und den Zustand der gerichtlichen Strafanstalten während der Zeit vom 1. Juli 1875 bis 30. Juni 1876". In demselben wird auch die „Bertheilung der Gefangenen nach der Religion" angegeben. Hiernach waren am 30. Juni 1875 in den Gefängnissen 1563 Strafgefangene, worunter 12 Juden. Derselbe an demselben Tage 1876 nach Abgang und Zugang 1600, worunter ebenfalls 12 Juden. Da nun unter 146 Württembergern sich 1 Jude befindet, die 12 Gefangenen unter 1600 133 ergeben, so stellt äch ein kleines Mehr an Strafgefangenen auf Seilen der Juden heraus. Jndeß giebt der Bericht die confessionelle Bertheilung weder nach den Verbrechen und Vergehe», nach noch der Strafhöhe an, so daß aus obigen Zahlen ein Schluß auf den sittlichen Zustand nach den verschiedenen Confessionen nicht gezogen werden kann. Gewiß ist, daß unter den des Morres, der Körperverletzung, des Raubes Angeklagten und Uebersührten kein Jude gewesen. — Ich kann Ihnen aus demselben Staatsanzeiger die Ehrendiplome, welche bei der 400-jähr. Feier der Universität Tübingen unter Anderen auch zweien Israeliten erlheilt worden sind, dem Wortlaute nach, angeben: Ferdinandus Cohn (in Breslau) philos. doctorem, bolanices iu universitale Vratislaviensi professorem ut de aliis bolanices partibus ila praecipue de iis quae ad solveudas quaestiones in scientia medica gravissimas protime perlinent praeclare meritum. Aaron Bernstein (in Berlin) qui vilae suae Studium in eo posuit ut scientiae naluralis invcnla ad intellegendum difficilia omnibus humanitate excultis patefierent, summaque cum severitate semper id cavit ne quis sibi viderctur intelligere gravia decreta a quibus perspiciendis re vera esset alienus.

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