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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-08-28 · Heft 35 (28.8.1877) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 35 (28.8.1877)
Date
1877-08-28
Page
Seite 553 (sequence 5)
Language
German
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553 Diese seine „Hanna", zu welcher Männer, wie Geiger, Güdemann, Joel und M. A. Levy Beiträge lieferten, ist unstreitig eines der besten Bücher auf diesem leider herzlich schlecht bedachten Gebiete unserer Erbauungsliteratur. Er hat die Tiefe des weiblichen Gemüthes zu erfaffen gewußt, wie selten Einer, und er hat es voll erreicht, was er in der Vorrede als sein ideales Ziel hingestellt, „daß die andächtigen Empfindungen der Betenden in seinen Worten einen wahrheitsgetreuen Ausdruck finden". Er bewahrte dabei auch fein tief poetisches Berständniß für die heilige Literatur und für unsere mittelalterlichen Dichter. Das bezeugen seine metrischen Uebersetzungen der Sabbalhpsalmen und vor Allem die besonders gelungene Wiedergabe der Zionide Salomon Gabirols. Ein nicht minder großer Theil seiner literarischen Beschäftigung war der heiteren Muse gewidmet. Sein Purimspiel: „Haman, der große Judenfrefier (Breslau, Schletter, 1860, unter dem Pseudonym Jakob Korew erschienen), reich an kräftigem und harmlosem Witz, war die erste feiner dramatischen Arbeiten. Es wurde, vom Verfasser in eine fünfactige Posse mit Gesang verwandelt, als Preisstück beim Carneval in Hamburg aufgeführt. Auch seine spateren zahlreichen Theaterstücke sind mit gutem Erfolg über manche deutsche Bühne gegangen. Eine besonders viel gerühmte Gewandtheit besaß er in der Abfassung von Gelegenheitsgedichten. Kleinere Sammlungen von Polterabendscherzeu ließ er mehrfach erscheinen, und nur sein plötzlich mit aller Heftigkeit auftretendes Leiden zwang ihn, von dem Gedanken abzustehen, alle seine zerstreuten Komödien und Lieder, epischen und lyrischen Inhalts, in einer Sammlung herauszugeben. Bei dieser herrlichen Begabung und ausgebreiteten Thätigkeit, war er eines der tüchtigsten und hervorragendsten Mitglieder des hiesigen Vereines „Breslauer Dichterschule". Am 10. Juni wurde seine irdische Hülle zur letzten Ruhestätte geleitet. Männer und Frauen aller Stände und Berufsclaffen, gaben ihm das Geleite. Seine Gewandtheit und Bravheit, seine Liebenswürdigkeit im Umgang und sein edles Streben für alles Hohe und Herrliche, haben ihm in Wahrheit eine dauernde freundliche Erinnerung in dem Herzen seiner zahlreichen Schüler und Freunde gesichert. An der Bahre sprach Herr Rabbiner Dr. Jo«l ergreifende Worte über das Wesen und Wirken des Verklärten, der im kräftigsten Mannesalter seinem Beruf entrissen worden. Ein Gedicht, verfaßt und vorgetragen von einem Mitglied der „Breslauer Dichterschule", schloß die erhebende Feier. Zwei Tage später veranstaltete derselbe Verein eine Trauerfeier zum Andenken an den Verblichenen. Die Borträge, die dabei gehalten, und die Gedichte, die verlesen wurden, sind durch Veröffentlichung auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht. Das Andenken des Heimgegangenen bleibe zum Segen. B. Fürth, im August. (Privatmitth.) Dem aufmerksamen Beobachter wird es nicht entgangen sein, daß zur Zeit unter den deutschen Israeliten das Streben nach Vereinigung und Organisation wach geworden ist und nach bestimmter Gestaltung ringt. Die seit Jahrhunderten bestehende Jsolirung der örtlichen Gemeinden soll einer Vereinigung der gettennten Kräfte zu größeren Zwecken weichen, die sowohl beträchtliche Mittel als auch vereinte Anstrengungen erfordern. Die Bedürfnißfrage und der Affociationsgeist unserer Zeit treiben hierzu an. Ferner sind aber auch diese Zwecke so löblich, so von jeder particularistischen Ablcht und feindseliger Gesinnung entfernt, daß jeder Vorurtheilslose seine Zustimmung aussprechen kann. Unter andern in das Auge gefaßten Zwecken war die Organisation des Armenwesens der löblichste, die Ausführung einer der schwierigsten Aufgaben, die der israel. Gemeindebund sich gestellt. Die Beseitigung der Wanderbettelei gab die nächste Beranlaffung hierzu, und die Frage, ob es beffer sei, einen ganz Deutschland oder vorerst nur größere Provinzen befassenden Verband gegen den Wanderbettel zu gründen, wurde von den bayrischen Gemeinden dahin beantwortet, daß sie sich für letzteren Punkt entschieden und auf Anregung des Vostandes des Bamberger Localunterstützungs- Vereins, Herrn Leonard Müller, am 10. Mai 1874 in einer von ca. 60 Delegirten besuchten Versammlung im Locale des Bienenkorbes dahier einen Verband bayrischer Vereine zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten zu gründen beschlossen. Näheres über die Entstehung, Entwickelung und das Gedeihen des Verbandes habe ich in meinem ausführlichen Berichte in Nr. 26 der Allg. Ztg. d. I. von 1876 erörtert, und indem ich hierauf verweise, beschränke ich mich für heute auf Besprechung der seitdem vorgefallenen Veränderungen unter Zugrundelegung des Berichtes für 1876, erstattet vom Vorstand des Central - Vorortes Fürth. Der Bericht spricht von der in allen Vororten bemerklichen Vermehrung der Unterstützten, die zusammen gegen das Vorjahr 1522 Personen beträgt, und schreibt dies nur theilweise den schlechten Zeiten zu, da außer den wirklich Beschäftigung suchenden Personen eine große Anzahl arbeitsfähiger Leute die durch die Eisenbahn — und fügen wir hinzu, die durch den Verband getroffenen Bequemlichkeiten, denn je praktischer die Einrichtung, desto größer die Frequenz, dazu benützen, auf Kosten der Vereine herumzuziehen. Als ferneren Uebelstand bezeichnet der Bericht die Ueberschwemmung des Landes mit polnischen Professionsbettlern, besonders russisch-polnischen, die sich in Folge ihrer unverständlichen Pässe in verschiedener Umgestaltung vorstellen, um auf betrügerische Weise jährlich mehrmals statt nur einmal Unterstützung zu empfangen. Als Mittel zur Abhilfe dieses Mißstandes schlägt der Vorstand vor, einen in der letzten Delegirtenversammlung eingebrachten Antrag zum Beschlüsse zu erheben, wonach Legitimation in russischer Sprache von beglaubigter deutscher Uebersetzrmg begleitet sein müsse. Die am 24. Juni c. hier stattgehabte Delegirtenversammlung faßte auch den Beschluß, daß vom 1. Januar 1878 an die Pässe der russischen und russisch-polnischen Reisenden außer der russischen Sprache in einer

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