Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1877)
- Date
- 1877-08-21
- Page
- Seite 543 (sequence 11)
- Language
- German
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543 zahlt circa 85 Familien —, der selbstverständlich von freiwilligen Beitragen besteht, vereinnahmte 3527 Mark rmd verausgabte 3683 Mark, nämlich für die örtlichen Armen 941 Mark und für Kohlen und Mazzoth 193 Mark, für vie Armen der Umgegend 1143 Mark, für die Fremden 1329 Mark. Man sieht also auch hier, daß die Ortsarmen nicht einmal ein Drittel der gesammten Ausgabe beanspruchen. Dafür aber ist die Hausbettelei so gut wie gänzlich abgeschnitten, und nur in Ausnahmefällen wird die private Wohlthätigkeit in Anspruch genommen. — Man schreibt uns aus Höxter (Westphalen): Am 1. August feierte der Lehrer und Cultusbeamte der jüv. Gemeinde Brakel, Herr Bibo, sein 5 vjähriges Dienstjubiläum. Im Aufträge des Landraths überreichte der Kreisschulinspector, Herr vr. Laurek, dem Jubilar den ihm von Sr. Majestät dem Kaiser verliehenen „Hohenzoller Hausorden", als Anerkennung für sein pflichtgetreues Wirken im Dienste der Erziehung und des Unterrichts. Der Herr Bürgermeister verlas hierauf ein eigenhändiges Schreiben des Herrn Landraths v. Metternich, in dem derselbe eingehend auf die Erfolge hinwies, die der Herr Jubilar in seinem langjährigen Wirkungskreise erzielt, und besonders betont, daß die bevorstehende Anerkennung der, unter der Leiwng des Jubilars stehenden jüd. Privatschule als öffentliche Schule zum großen Theile auf die Verdienste des Jubilars zurückzuführen seien. Persönlich zu erscheinen war der Herr Lanvrath leider verhindert. Die jüd. Gemeinde verehrte dem Jubilar einen kostbaren silbernen Pokal, nebst einem Album, die Photographien seiner sämmtlichen Schüler enthaltend. Am Festesten betheiligten sich die anzesehensten Bürger der Stadt, ohne Unterschied der Confession und bekundeten durch ihre frohe, heitere Stimmung, welche herzliche Theilnahme sie dem Jubilar schenken. Die zahlreichen Toaste, besonders die der anwesenden katholischen Geistlichen, zeugten von der Liebe und Freundschaft, von dem hohen Grade der Verehrung, deren der Herr Jubilar in allen Kreisen der Bevölkerung Brakels und der Umgegend sich erfreut. Die jüd. Gemeinde gedenkt ihren Jubilar mit vollem Gehalt zu pensioniren, doch wünschen wir dem allverehrten Jubilar, daß er in jugendlicher Rüstigkeit, wie am Tage des Festes, noch viele Jahre seine segensreiche Thätigkeit fortzusetzen im Stande sein möge. 8t. Ieuilleton. Lorrespoudeuz. Pilsen (Böhmen), 3. August 1877. Verhandlungen der Rabbinerverfammlung zu Pilsen. I. Sitzung, Dienstag den 24. Juli 1877, 8 Uhr Morgens. Folgende 18 Rabbiner sind anwesend: vr. Philipp Bondy, Rabbiner in Kastejowitz. S. Graf, em. Rabb. in Pilsen. I. H. Kohner, em. Rabb. in Pilsen. D. Kohn, Rabb. in Aurinowes. S. Knöpfelmacher, Rabb. in Laun. vr. G. Klein, Rabb. in Schüttenhofen. S. Lengsfelder, Rabb. in Reichenau, vr. S. Maybaum, Rabb. in Saaz. vr. M. Meles, Rabb. in Hrischkow. S. Müller. Rabb. in Pilsen. Vr. R. Plaut, Rabb. in Carlsbad. C. Polesi, Rabb. in Mni.^ek. vr. G. Perlitz, Rabb. in Klattau. W. Rosenstrauch, Rabb. in Diwischau. I. Schidloff, Rabb. in Tachau. Jos. Schüller, Rabb. in Wodnau. M. Stark, Rabb. in Horazdiovic. vr. H. Vogelstein, Rabb. in Pilsen. Auf Antrag des vr. Plant aus Karlsbad constituirt sich die Versammlung, vr. Vogelstein wird mit Acclamation zum Präsidenten, vr. Maybaum zum Stellvertreter deffelben und die vvr. Perlitz und Klein zu Schriftführern gewählt. Der Präsident eröffnet die Versammlung und ertheilt dem vr. Maybaum das Wort zur Begründung der einzureichenden Denkschrift an die hohe Regierung, deren Besprechung Gegenstand des zweiten Programmpunktes ist. Bon einer Generaldebatte über Punkt 2 wird abgesehen. vr. Maybaum verliest den ersten Punkt der von ihm abgefaßten Denkschrift „die Stellung der Rabbiner" betreffend. Rabb. Rosenstrauch ergreift das Wort und wünscht, daß die Verordnung der Statthallerei vom 20. Juni 1877 in der Petition berührt werde, wovon Abstand genommen wird. Rabb. Lengsfelder ist der Meinung, man solle sich zunächst an die Gemeinden wenden; dagegen sprechen vr. Perlitz, Stark, vr. Meles, vr. Vogelstein. Hingegen beantragt Letzterer, daß man sich an die Landesrepräsentanz um Unterstützung der Petition wende. Schluß der Debatte darüber wird beantragt und angenommen. Zur Petition selbst Punkt s. betreffend, ist Rabb. Knöpfelmacher der Ansicht, daß Ein Probejahr zu wenig sei, um zu einem Definitivum zu führen. Der Antrag wird angenommen, daß nach einem Dreijährigen Provisorium die definitive Anstellung erfolge. Herr Cultusvorsteher Gellert tritt ein und begrüßt im Namen des Pilsener Cultusvorstandes die Versammlung. Er wünscht ihren Bestrebungen den besten Erfolg und ladet die Rabbiner zu einem Festbankett. Die Debatte wird fortgesetzt, vr. Maybaum verliest den zweiten Punkt der Denkschrift, „die Creirung von Bezirksrabbinaten" betreffend. vr. Plaut beantragt, in der Petition die Bitte um Bildung von Bezirksrabbinaten wegzulaffen; dagegen sprechen vr. Maybaum und vr. Vogelstein. Die Rabb. Schüller, Stark, Kohn, Lengsfelver sind mit der Sache einverstanden, sind jedoch der 34*