Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1877)
- Date
- 1877-08-21
- Page
- Seite 544 (sequence 12)
- Language
- German
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544 Ansicht, daß für „Bezirksrabbinat" ein anderer Name gewählt werde, um Mißverständnissen vorzubeugen. Wegen vorgerückter Zeit wird die Sitzung bis 3 Uhr Nachmittags vertagt. II. Sitzung Nachmittags 3 Uhr. Der Präsident verliest Begrüßungstelegramme von den Herren Efraim Popper aus Pilsen in Marienbad, Rabb. Pollak, Reichenberg. — Die Debatte über Punkt 2 b. der Denkschrift wird fortgesetzt. Dr. Perlitz empfiehlt die Annahme des daraus bezüglichen Theiles der Denkschrift. Bei der Abstimmung wird der Antrag angenommen, nur soll in der Petition anstatt des Wortes „Bezirksrabbinat" jedesmal das Wort Rabbinatsbezirk gesetzt werden. Rabb. Lengsselder stellte den Antrag, daß der Passus in der Denkschrift, nach welchem der Rabbiner seine Besoldung aus dem Steueramte erhalten solle, wegzulaffen sei. Der Antrag ist gefallen. Dr. Mahbaum verliest Punkt c) der Denkschrift „die Dispens von der Rabbinatsprüsung" betteffend. Die en bloc Annahme dieses Theiles der Denkschrift wird beantragt und angenommen. Dr. Maybaum beanttagt die persönliche Ueberreichung ver Denkschrift an den Cultusminister. Dagegen sprechen die Rabbiner Schidloff und Plaut. Nachdem bei der Abstimmung der Maybaum'fche Antrag mit großer Mehrheit Annahme gesunden, wurden die Herren DDr. Vogelstein, Maybaum und Plant in die Deputation gewählt. Die nächst meisten Stimmen hatte Dr. Perlitz. Hierauf wird die Discussion über den dritten Punkt des Programmes eröffnet „Berathung über einen zu entwerfenden Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht an den Volksunv Mittelschulen". Plaut beanttagt eine Resolution dahingehend, es sei aus das Hebräische das Hauptgewicht zu legen und ihm das größte Ausmaß der Stunden zu bewilligen. Klein meint, aus das Gemüth der Kinder sei mehr zu wirken, und da komme es weniger aus das Quantum des Hebräischen, als aus die innere Herzensbildung an. Derselbe beanttagt, daß die Rabbinerversammlung an die Absaffung eines Religionsbuches für die Schulen Böhmens gehen möge. Schluß der Sitzung um 6 Uhr. NI. Sitzung, Mittwoch 25. Juli, 7 Uhr Morgens. Die Debatte über den Religionsunterricht wird fortgesetzt. Nach längerer lebhafter Debatte, an der sich die Rabbiner Gras, Polesi, Rosenstrauch, Lengsselder, Schidloff, Stark, Bondy und Bogelstein betheiligen, wird der Resolution des Dr. Plaut folgende Faffung gegeben: Tie Rabbinerversammlung spricht sich dahin aus, daß eine Befferung der religiösen Berhältniffe der böhmischen Judenheit nur dann zu erreichen ist, wenn dem Unterricht im Hebräischen in den Schulen wenigstens soweit Rechnung getragen wird, daß sich jedes Kind während seines schulpflichtigen Alters das Berständniß der wichtigsten hebräischen Gebete und jeder Knabe auch den größten Theil des Pentateuchs sich aneiguet. Hieraus beanttagt Dr. Plant: Auf Grund der widerspruchlosen Anerkennung der Wichtigkeit des hebr. Unterrichts, beanttage ich, eine Commission -zu ernennen, welche einen Plan auSarbeitet, nach welchem in den Volks- und Mittelschulen die hebr. Sprache als Sprache des Gebetes und der Bibel, sowie die Geschichte des Judenthums und die der Liturgie in möglichst ausreichender Weise berücksichtigt wird. Der Anttag wird mit an Einstimmigkeit grenzender Majorität angenommen. Mit der Ausarbeitung des Lehrplans wurden bettaut die Rabbiner Bogelstein, Plaut, Lederer, Maybaum, Perlitz. Es entspinnt sich hiernächst eine Debatte über die Form und Art, in welcher der Lehrplan vor seiner Veröffentlichung den Mitgliedern der Rabbinerversammlung bekannt gemacht werde. Dr. Vogelstein glaubt, daß die Mitglieder der Commission sich mit den College» in Verbindung setzen werden. Dr. Vogelstein weist hieraus auf die moralische Wirkung hin, die allenthalben durch das gemeinsame Wirken böhm. Rabbiner erzeugt wird. Man darf es daher nicht mit dieser ersten (Rabb.)-Bersammlung bewenden lassen, sondern eine Commission möge aus dieser Versammlung hervorgehen, die über Einberufung der Rabbinerversammlung in kommenden Jahren und über ein festzustellendes Programm Beschlüsse fassen möge. Klein ist der Ansicht, daß zur künftigen Rabbinerversammlung auch Laien zugezogen werden sollen. Plaut spricht dagegen. Nach längerer Debatte, an der sich die Rabb. Schidloff, Rosenstrauch und Bogelstein beiheiligen, beschließt die Versammlung, eine Commission, bestehend aus den Rabb. Bogelstein, Maybaum und Plaut, zu ermächtigen: Beschlüsse über eine im kommenden Jahre einzuberufende Rabbinerversammlung zu fassen. Die Discussion über Punkt 4 des Programms „Freie Anttäge" wird eröffnet. Rabb. Polesi spricht über das Bedürfniß einer jüdischen Zeitung, das sich in den Gemeinden geltend macht. Namentlich in kleinen Gemeinden sei dieser Mangel sehr fühlbar und wegen der bedeutenden Posten, könne ihm nicht abgeholfen werden. Rabb. Lengsselder beanttagt die Gründung und Herausausgabe einer jüd. Zeitung von Seiten.der Rabbinerversammlung. Rabbiner Stark räch von der Gründung einer neuen jüd. Zeitung aus mehrfachen Gründen ab und ist der Ansicht, daß die Rabbinerverfammlung es bei den Redacteuren jüd. Zeitungen erwirke, daß die Rabbiner die jüdischen Blätter um die Hälfte des Preises bekommen. Rabb. Schidloff beanttagt Folgendes: 1) Sachverständige Rabbiner sollen in die Landesrepräsentanz ausgenommen werden, 2) die Deputation an den Cultusminister möge es sich zur