Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1877)
- Date
- 1877-08-14
- Page
- Seite 526 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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526 charakrerifiren, wenn man sie z. B. mit dem Statut des deutschisraelitischen Gemeindebundes in Leipzig vergleicht. Zu gleicher Zeit geben sie doch auch einige Einblicke in die hiesigen Zustände. Sie lauten: l) Durch welche Mittel und Wege jede israelitische Gemeinde bewogen werden könnte, in die Union einzutreten. 2) Auf welche Weise die Fonds für das Uebre^v Union College vergrößert werden könnten, um tüchtigen Professoren auskömmlichen Gehalt gewähren zu können. 3) Ein jüdisches Seminar für junge Damen zu stiften. 4) Maßnahmen zu bestimmen, um in ländlichen Gemeinden jeden Monat wenigstens eine Predigt halten zu lassen. 5) Auf welche Weise die Ausgaben der Gemeinden beschränkt werden könnten, wodurch auch die Zahl der Mitglieder sich vergrößern würde. 6) Einen Plan anzunehmen, durch welchen jeder Israelit bewogen würde, Mitglied einer Gemeinde zu werden. 7) Ein System herzustellen, nach welchem einige Zöglinge der Sabbathschule eine Claffe in derselben übernehmen könnten. 8) Einen beträchtlichen Preis für die Composition von Hymnen auszuschreiben, welche bei Beginn und Schluß des Unterrichts in den Sabbathschulen gesungen werden sollen. 9) Maßregeln zu treffen, um die Beobachtung des Sabbaths zu sichern und Jung und Alt zu bewegen, dem fabbathlichen Gottesdienste beizuwohnen. 10) Den Austausch der Kanzeln unter unfern Rabbis zu ermuthigen. 11) Daß die Executiveommission ein Buch anlege, in welchem die Zeugnisse und Mittheilungen jedes Rabbis, zum Beispiel, wo er bis jetzt fungirte, ausgeschrieben werden, und jeder Gemeinde hierüber auf Verlangen Aufschluß zu geben. 12) Die Gemeinden zu bewegen, einen Rabbi durch Hülfe dieser Executiveommission auzunehmen. 13) Ueberall die Bildung von Vereinen junger Männer zu befördern, welche zu geistiger Entwickelung und geselliger Unterhaltung dienen. 14) Die auftvachsende Generation von Israeliten zur Erlernung mechanischer Gewerbe und des Landbaues aufzumuntern. 15) Die Executiveommission zu beauftragen, einen Strich ftuchtbaren Landes zu erwerben zur Colonifation für unsere Brüder. 16) Die Executiveommission zu beauftragen, 500 bis 1000 Exemplare von der englischen Bibelübersetzung Leeser's zu erkaufen und sie zum Kofienpreise abzulaffen. — Man sieht, das ausführende ComitS der Union wird viel zu thun haben, um nur einen Theil dieser Vorschläge zur Ausführung zu bringen. Feuilleton. Der Prüfstein. Metrisch übersetzt von vr. W. A. Meisel. Der sel. vr. W. A. Meisel, dessen Uebersetzungstalent in metrischer Form durch das in zwei Auflagen erschienene „Der Prinz und der Derwisch" hinlänglich bekannt, beendete kurz vor feinem Tode eine metrische Uebersetzung des „Prüfstein" -,ni2 in« von Kalonymos ben Kalonymos, ein Werk, in dem die damaligen Zeitverhältnisse und die menschlichen Schwächen treu geschildert und gegeißelt werden. Dank der Pietät des Vereins, der den Namen des sel. Meisel führt, des in Budapest segensreich wirkenden „Rabbi-Meisel-Unterstützungs-Vereins", wird das hinterlassene Werk des seiner Gemeinde so plötzlich entrissenen Oberrabbiners, von Herrn vr. M. Kayserling herausgegebeu und mit Noten und Einleitung versehen, demnächst erscheinen. Indem wir einige Proben aus diesem Werke hier mittheilen, wollen wir die vielen Freunde und Verehrer Meisel's auf das baldige Erscheinen des obgedachten Werkes hiermit aufmerksam machen. Der Stolz der Reichen. In ungeahnter Art beginnt in unsren Zeiten Das sittliche Verderbniß fortzuschreiten, Die massenhaft aufsammelt einen Wust Von dem die alten Väter nichts gewußt. 1) Vollendet im Jahre 1328; es existirt bereits eine jüdisch-deutsche Uebersetzung von Mos. Eisenstedt, Sulzbach, 1705. 4. Redaction. Es nehmen Dinge ein den allerhöchsten Rang, Die an sich werthlos und gar nicht von Belang, Gar viel, ja Alles gelten und bedeuten Bei unseren, von Stolz geblähten Leuten. Des innern Berthes und Gehalts verlustig. Sind sie nach nicht'gen Ehrenzeichen durstig, Nach eitlem Flitter haschend voll Begier, Den nur der Thor begafft als bunte Zier. Nach blinden Boruriheilen eingerichtet. Hat die Gesellschaft sich so schroff geschichtet. Daß sich die Stände wie durch Mauern scheiden Und jede gute Wechselwirkung meiden. In feindliche Parteiungen gespalten. Sind sie Material nur für des Zwistes Walten. Dort hörst Du Jemand Ton und Sprache führen, Als gelte es, ein Heer zu commandiren, Und fragst Du, waS der Stolze wohl geleistet. Mit welchem Recht er sich so kühn erdreistet. Was er denn eigentlich so Großes schon gethan? Die Antwort ist: Er ist ein reicher Mann! Dabei spricht er mit stotterenver Zunge So dummes Zeug, wie ein nas'weiser Junge; Man hört ihn dennoch an, ja er gefällt; Ei, wundere Dich doch nicht — der Mann hat Geld! Sein Gang ist stolz, er wirft sich in die Brust, Trägt hoch den Kopf, der voll von lauter Wust,