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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-08-14 · Heft 33 (14.8.1877) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 33 (14.8.1877)
Date
1877-08-14
Page
Seite 525 (sequence 9)
Language
German
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525 in's Einvernehmen gesetzt und ist nun in dieser Anglegenheit neuerdings ein Erlaß des Cultusministers herabgelangt. Än diesem Erlasse wird angeführt, daß ein Ehebündniß, wie das in Rede stehende, nicht nur in dem Falle ungiltig sei, wenn es in Ungarn geschloffen wurde, sondern auch dann, wenn ein ungarischer Staatsbürger eine solche Ehe im Auslande schließt. Denn bei dem Religionswechsel wird der Status personalis (individuelles Rechtsverhaltniß) für ungarische Staatsbürger nach den ungarischen Gesetzen beurtheilt und ist der Religionswechsel eines ungarischen Staatsbürgers im Auslande eine das Gesetz umgehende ungesetzliche Handlung. Da die persönliche Qualifikation zur Eheschließung nicht nach den Gesetzen jenes Ortes, wo eine solche Ehe geschlossen, sondern nach den vaterländischen Gesetzen der Betreffenden beurtheilt wird, unser Gesetz aber die Ehe zwischen Christen und Nichtchristen für nicht giltig anerkennt, so folgt daraus, daß die Ehe einer Person, die im Auslande zum mosaischen Glauben übergetreten ist — mit einem Israeliten, in Ungarn nichtig und ungiltig sei, selbst dann, wenn diese Ehe auch im Auslände geschlossen worden wäre. — Schließlich stellt der Cultusminister in Aussicht, daß er bezüglich dieser Frage der Legislative seinerzeit einen Gesetzentwurf unterbreiten werde. Wie verhalt sich dieser Erlaß zu der Behauptung des Ministerpräsidenten, daß in Ungarn volle Religionsfreiheit herrsche? Es scheint in der That, daß die Regierung die Geistlichkeit fürchtet. (Wenn die ungarische Regierung in der betreffenden Parlamentssitzung erklärt hatte: Wir müssen das Gesetz beobachten, das Gesetz gewährt aber bis jetzt nur den Katholiken Religionsfreiheit, und wir werden deshalb einen desfallsizen Gesetzentwurf einbringen — so wäre dies correct gewesen und man könnte nichts dagegen einwsnden. Das gerade Gegentheil hat man gethan. Der Ministerpräsident hat mit großer Emphase erklärt: in Ungarn herrsche unbeschränkte Religionsfreiheit; dabei hält man veraltete und mißbräuchliche Religionsbeschränkungen aufrecht, und denkt nicht daran, verbessernde Gesetze zu beantragen. Man wird es unter solchen Umständen dem Auslande nicht verdenken, wenn es meint, daß in Ungarn viel zu viel die Phrase und viel zu wenig die Thatsache herrsche. Durch die obige Auseinandersetzung des Ministerial-Erlasses wird nicht allein im Inlands die Religionsfreiheit beschrankt, sondern auch die in anderen Ländern herrschende annullirt. Redaction.) Frankreich. Paris, 31. Juli. Mit Vergnügen lesen wir in der Kölnischen Zeitung: „Die Gelder, welche Rothschild an das conservative Wahlcomits ablieferte, wurden keineswegs von ihm hergegeben, sondern von Geschäftsfreunden, die sie ihm zur Uebermittelung an den Ausschuß überreicht hatten. Die Rothschilv's steuern, wenigstens offen, keinen Sous bei, da das Princip des Bankhauses von jeher war, sich nie in die Politik zu mischen." (Auch unsere Correspondenz in Nr. 31 ist dadurch gegenstandslos geworden. Redact.) —. Im Schooße des Israelitischen Consistoriums zu Algier hat sich ein heftiger Streit erhoben, so daß es, nachdem die neugewahlten Mitglieder soeben vom Präfecten feierlich installirt worden, in eine gänzliche Auflösung geralhen ist. — Nach den Mittheilungen des Herrn Netter ist die israelitische Ackerbauschule zu Jaffa in befriedigendem Fortschreiten begriffen. Mehrere der älteren Schüler sind bereits selbstständige Gärtner geworren und haben eine große Befriedigung an ihrem Berufe. Gegenwärtig werden 5 Waisen aus Salonichi und 6 aus Konstantinopel erwartet, unter welchen letzteren zwei Karaiten. Man beabsichtigt auch 2 Samaritaner aufzunehmen, eine Waise aus Athen ist eben angekommen und um die Aufnahme zweier aus Rhovus ist nachgesucht worden. Auf diesem Wege wird die Ackerbauschule zugleich eine Waisenversorgungs-Anstalt für die Israeliten der Türkei. Amerika. New-Aork, 13. Juli. (Privatmitth.) Am 10. d. M. fand zu Philadelphia die von den Zeitungen, besonders vom HeLrew Leader angekündigte vierte Jahresversammlung der Union of American Hebrew Congregations statt. Wie bekannt, bestehen gegenwärtig zwei solcher Vereine in Nordamerika, das Board of Delegates und die gedachte Union. Das Streben der Letzteren auf eine Bereinigung beider Körperschaften scheint seinem Ziele nahe zu sein, da man übereingekommen, beide zu verschmelzen, indem man das leitende Comite aus 9 Personen bestehen lassen will, von denen drei die erste Abtheilung unter dem Titel Board of Delegates bilden soll, mit dem Sitze in New-Pork oder Philadelphia. Diese Abtheilung soll insonders den Zweck verfolgen, welchen bis jetzt das Board of Delegates im Auge hatte: die Unterstützung und Vertheidigung unterdrückter Glaubensgenossen in allen Theilen der Welt und die Zurückweisung jeden etwaigen Angriffs auf die Rechte der Bürger jüdischer Religion in den Vereinigten Staaten. Die Union hatte dagegen mehr die Hebung des Geistes in religiöser, intellectueller und socialer Beziehung unter den amerikanischen Israeliten zum Ziele, und das soll so auch durch die Gesammtheit der Vereinigung bleiben. Bezeichnend sind daher die Zwecke, welche in einer Reihe von Erwägungen der Versammlung vorgeschlagen wurden, und die wir hier wiedergeben wollen, obwohl wir, wie auch wahrscheinlich die Urheber selbst, wohl wissen, daß sie zum größten Theile mehr fromme Wünsche sind, als wenigstens in nächster Zukunft erreicht werden können. Es ist ein eigen Ding um den Amerikaner. Er ist durchaus praktisch, dann aber auch selbst auf dem praktischen Gebiete zur Extase geneigt, so daß er sich Ziele festsetzt, die an sich praktisch sind, aber zu deren Erreichung gänzlich die Mittel fehlen. Es wird sich dies an den folgenden Erwägungen .33

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