Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1877)
- Date
- 1877-08-14
- Page
- Seite 522 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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522 gedichles mit ähnlichen Stücken der h. Schrift nicht. Ist der Egypter auch nicht schwülstig, so ist er doch prahlerisch und ruhmredig in überschwenglichem Maße und leidet an einer beständigen Wiederholung, so daß er dieselbe Thatsache vier- bis fünfmal fast mit denselben Ausdrücken erzähl:. Der König soll in der Schlacht, von allen Seinigen verlassen, ganz allein mit seinem Rosselenker auf seinem Streitwagen und von 2500 feindlichen Streitwagen mit je 2 Kriegern und einem Rosielenker besetzt, umringt gewesen sein. Da fleht er zu seinem Gotte Amon, indem er ihm seitenlang die Opfer, Geschenke und Bauten aufzählt, die er ihm gespendet, und mit Hülfe dieses Gottes schlägt und tödtet er die sämmtlichen ihn umringenden Feinde. Wem fällt hierbei nicht das schöne Heldengedicht von Simson (Richter 13—16) ein, und nun vergleiche man 15, 13—20. Wie einfach wird hier eine ähnliche Thal von Simson, daß er nämlich ein Tausend ihn umringende Philister mit einem Eselskinnbacken erschlagen, und in dieser Einfachheit wie großartig berichtet, immer mit dem Ziele, sein unterdrücktes Volk zu befreien, mit Hülfe des ihn überkommenden göttlichen Geistes, der ihm, da er vor Durst verschmachtet, einen Wasserquell aus der Erdspalte rieseln laßt! Vergleicht man aber mit dem egypt. Epos die Erzählung von den Vorgängen am Rothen Meere und dem Untergange Pharao's (2 Mos. 14 u. 15) und die große Siegeshymne, so bleibt gewiß Las egyptische Heldenlied so weit zurück, wie eben hinter wahrhaft nationaler und religiöser Poesie die servile Verherrlichung von Despoten stets zurückbleibt. — Wir haben schon erwähnt, daß ein Friedensvertrag zwischen Ramses 11 und dem Könige von Chita abgeschlosien worden. Auch der Text dieses Vertrages ist uns erhalten geblieben, das Muster eines Friedensvertrages, wie ihn noch heute die diplomatische Kunst nicht feiner und ausführlicher abfasien könnte. In demselben wirb unter Anderem sestgestellt, daß, wenn Diener und Sklaven oder irgend ein Theil der Bevölkerung aus dem Lande des einen Herrschers in das des anderen flüchten, dieser sie ausliefern, nötigenfalls bekämpfen und zurückjagen würbe, daß keiner von ihnen die Ansiedlung von Unterthanen des andern in seinem Lande gestatten dürfe. Es scheint Herrn Brugsch daraus hervorzugehen, baß das Bünbniß beabsichtigte: jene gährende unruhige Welt in rer Mitte, das Bott der Kanaaniter, im Zaume zu halten und jede Schilberhebung und Bewegung der feindlich gesinnten Semiten zu unterdrücken unv in ihre einmal gesteckten Grenzen zu verweisen. Denn daß es gähne, bis in das innerste Herz des egyptischen Landes hinein, das zeigt zur Genüge der Hinweis in dem Vertrage auf die Auswanderung übelgesinnter Unterthanen. Zwischen den Zeilen glaubt man das Volk der Israeliten herauszulesen, das sich seit seiner Einwanderung in das Egypterland über die Maßen vermehrt hatte und ohne Zweifel bereits Anstalten traf, sich der Macht seiner Zwingherrn an den Ufern des Nils zu entziehen." Wir fügen hinzu, daß es keinen bessern Commentar zu 2 Mos. 1, 9. 10 geben kann, als die gedachten Bestimmungen jenes Friedens- Vertrages. — Der Verfasser bringt aus den Monumenten die Berichte über die umfassenden Bauten, mit welchen Ramses 11 den ganzen Boden seines Reiches bedeckte, namentlich die an der jungen Ramses-Stadt. Hier fügt er hinzu: „Und diese Ramses- Stadt, sie ist dieselbe, welche in der Schrift genannt wird als einer der beiden Plätze, an welchen Pharao sich bauen ließ: 'srei miskenoih, „Borrathsstädte" wie die Uebersetzer es verstehen. Besser wäre es, mit Bezug aus das echt egyptische mesket, meskenet, „Tempel, Heiligthum", (so bezeichnet z. B. König Darius I. seinen in der großen Oase dem thebanischen Amon errichteten Tempel) zu übertragen „Tempelfiädte". Der neue Pharao, welcher von Joseph nichts wußte, welcher die Ramses-Stadt, die Hauptstadt des tanitischen Gaues, und die Stadt Pi-tum, den Hauptort des spater Sethroites genannten Bezirkes, mit Tempelstädten schmücken ließ, ist kein Anderer, kann kein Anderer sein als Ramessu II., von dessen Bauten bei Zoan die Denkmäler und Papyrusrollen in gleicher voller Uebereinstimmung sprechen. Wird auch durch Schuld des Zufalls, Pitum nicht genannt als Stadt, in welcher Ramses den Göttern des Ortes neue Tempel errichten ließ, so steht um so sicherer die Thatsache fest, daß Zoan eine neue Ramsesstadt erhielt, das große Tempelgebiet der neu angelegten Heiligthümer der vorher genannten Götter. Ramessu II. ist der Pharao des Druckes, er der Vater jener namenlosen Königstochter, welche au dem Ufer des Stromes das ausgesetzte Kind Moscheh im Schilfe fand. — Während die Thatsache, daß der genannte Pharao der Gründer der Ramsesstadt war, durch die Zeugnisse der egyptischen Ueberlieferungen auf Stein und Papyrus so felsenfest dasteht, daß nur Unverstand und geistige Blindheit sie ableugnen wollte, gedenken die Inschriften der Ebräer mit keiner Silbe. Wir müssen voraussetzen, daß sie aufgegangen waren in den allgemeinen Namen der Fremden, deren die Urkunden so häusig Erwähnung thun. Doch ist die Hoffnung nicht ausgeschlossen, daß irgend ein verborgener Papyrus uns auch darüber eine ebenso unerwartete als erfreuliche Auskunft dereinst liefern wird." — Ueber den Auszug selbst kann uns daher der Verfasser nur Folgendes mittheilen: „Wenn Ramses-Sesostris, der Erbauer der gleichnamigen Tempelstadt auf dem Gebiete von Zoan-Tanis, ohne jeden Zweifel darüber als der Pharao angesehen werden muß, unter welchem Moscheh, der jüdische Gesetzgeber das Licht der Welt erblickte, so erheischen die zeitlichen Verhältnisse, mit Rücksicht auf das hohe Lebensalter der beiden Zeitgenossen Ramses II und Moscheh, daß Mineptah mit aller Wahrscheinlichkeit als der Pharao des Auszuges betrachtet werden muß. Auch er thronte in der Ramsesstadt und scheint sie weiter befestigt zu haben. Die Bibel nennt ihn nur mit dem allgemeinen Namen Pharao, d. i. mit einem in derselben Zeit, mit welcher wir uns beschäftigen, immer häufiger werdenden, echt egyptischen Titel. Pir-'ao, „Großhaus, hohe Pforte," ist nach den Denkmälern die Bezeichnung für den jedesmaligen König des Egypterlandes. Nach dieser Seite hin wird somit kein fester /