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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-08-14 · Heft 33 (14.8.1877) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 33 (14.8.1877)
Date
1877-08-14
Page
Seite 521 (sequence 5)
Language
German
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521 egyptischen Urs prung der Würden eines Adon oder Ab, welche Joseph seiner Familie gegenüber sich selbst zulegt, habe ich bereits oben das Nkthige angemerkt. Der Name seiner Frau, Asnat, ist echt egyptisch und fast nur in dem alten und mittleren Reiche anzutreffen. Der Vater seines Weibes, der Priester von On-Heliopolis, ist ein echter Egypter, dessen Name Potipher'a in der Landessprache Pmi-per'a (pher'a) „das Geschenk der Sonne" lautete. Der Kämmerer, welcher den Knaben Joseph von seinen Brüdern kaufte, und dessen Frau die Tugend des jungen Dieners in Versuchung führte, hieß Putiphar, mit einem Namen, der im Eghptischen nicht anders ausgesprochen werden konnte: Puti-par (oder -phar) „das Geschenk des Erschienenen". Doch seine Würden sind in semitischer Sprache wiedergegeben, wenn auch der Saris oder Kämmerer sich mit eghptischen Lautzeichen geschrieben vorfindet." — Daß diese Aufklärungen über die in der Schrift bei dieser Gelegenheit vorkommenden Namen von Werth sind und den sichersten Beweis führen, daß der Bericht der heiligen Schrift aus authentischem Boden erwachsen ist, brauchen wir nicht weiter auszuführen. Der Verfasser macht noch auf einen Nebenzug aufmerksam. Hinsichtlich des Betragens der Frau des Poliphar führt er eine Stelle aus dem Papyrus Orbiney an, welche eine ganz ähnliche Geschichte enthält, sogar hier und da mit denselben Worten schildert, deren sich die Schrift bedient, z. B.: „Warum diese so große Sünde, so zu mir gesprochen worden ist?" Das Weib beträgt sich nach der Rückkehr ihres Mannes ganz so wie es in der Schrift erzählt ist, so daß diese egyptische Erzählung eine werrhvolle Erläuterung zur Geschichte Josephs giebt. — Wie Joseph (1 Mos. 45, 8. 9) die von ihm erlangte Würde schildert, dafür findet sich ein einziges Beispiel in einer altegyptischen Inschrift. Wir führen die betreffende Stelle hier an: „Ehe der König Horemhib «Horus bei ManethoS) des achtzehnten Könighauses den Thron bestieg, bekleidete er nach dem Berichte eines in Turin aufbewahrlen Denkmales verschiedene, sehr hohe Aemter, die ihn der Person des Königs nahe führten. Schließlich war Pharao so erbaut von seinen guten Diensten, daß er ihn zum Ro-Hir d. i. Epitropen oder Procurator des ganzen Landes ernannte. In dieser Eigenschaft, ohne einen Genossen neben sich zu haben, „ward er gerufen zum Großherrn im Königshause" und „er gab Antwort dem Könige und er befriedigte ihn durch die Aussagen seines Mundes". In solchem Dienste war Horemhib „ein Adon des ganzen Landes während der Dauer vieler Jahre", bis er endlich zur Würde eines „Thronerben des gesammten Landes" emporstieg, um schließlich die königl. Krone auf sein Haupt zu setzen. Wir ersehen daraus, daß „der Adon des ganzen Landes" eine so wichtige Stelle bekleidete, daß Joseph in der That die Bezeichnung eines Moschel oder Schallith d. h. Fürsten über das ganze Land verdiente." — Auch derjenige, welcher sich möglichst zurückhaltend gegen die fortschreitenden Aufklärungen der Egyptologie stellt, wird zugeben, gegeben werden, die bis in den kleinsten Zug hinein der egyptischen Cultur und den Zeitverhältnissen genau entspricht. Wenn es das Hauptverdienst der Egyptologie ist, den Blick in die geschichtliche Vorzeit um einige Jahrtausende weiter hinaufgerückt und uns eine staatliche und bürgerliche Cultur in genaueren Umrissen gezeigt zu haben, die um einige Jahrtausende älter ist als bei den anderen bekannten Völkern, so muß auch die Neigung der Kritiker, die Geschichte Josephs als eine originelle Legende zu behandeln, vollständig zurückweichen, und darf ihr die geschichtliche Sicherheit nicht mehr abgesprochen werden. Die Einwanderung Jsrael's in Egypten, steht somit auf fester historischer Basis. Viel geringer ist bis jetzt noch die Ausbeute aus den Denkmälern für den Auszug aus Egypten, für welchen auffälligen Umstand wir bereits im vorigen Artikel die Erklärung beigebracht. Als der Pharao der Bedrückung, von welchem 2 Mos. l, 8 erzählt, wird Ramses II um 1333 vor der gew. Zeitrechnung angesehen, der mit dem Volksnamen Ses oder Sestura, von den Griechen Sesostris bezeichnet wird. Seine erste Hauplthat war der Krieg mit den Chita, d. i. den Chitlhim, einem Hauplstamm der Kanaaniter, nach denen noch Josua 1, 4 das ganze Land benannt wurde (aTinr; yts aa), verbunden mit einer Menge selbst entlegen wohnender Völker. Die große Schlacht bei Kacesch am Oronthes fiel zweifelhaft aus, obschon Ramses selbst in derselben Thaten außergewöhnlicher Tapferkeit vollbrachte. Später wurde ein Friedensvertrag zwischen Ramses und dem Könige von Chita geschlossen. Die Heldenthaten des Königs in dieser Schlacht werden in vielen Inschriften und Denkmälern ruhmredig dargestellt. Sogar das von dem Dichter Pentaur abgefaßte Heldengedicht hat sich erhalten, und wurde von unsrem Verfasser wortgetreu übersetzt und S. 501 :c. mitgetheilt. Brugsch vergleicht es sowohl mit Homer als mit der h. Schrift. Er sagt in letzterer Beziehung: „Immerhin wird auch daraus die eigenthümliche Gedankenrichtung des egyplischen Dichters im vierzehnten Jahrhundert in ihrer ganzen Fülle hervorleuchten und unsere Meinung bestätigen, daß sich die mosaische Sprache als ein ebenbürtiges Abbild der egyptischen Redeweise zeigt. Die Gedankenwelt gleichzeitig nebeneinander lebender Geister mußte nothwendig zu derselben Auffassung und Form hinsühren, wenn auch die Gottesvorstellung der Einen wesentlich verschieden von den Anschauungen der Anderen über das Wesen des Urhebers aller Dinge war." Die außergewöhnliche culturhistorische und literarische Bedeutung dieses alten Heldengedichtes wird Niemand verkennen. Auch ist es uns als Seitenstück zur mosaischen Schrift und zu den älteren Büchern der h. Schrift von besonderer Wichtigkeit. Man wird sich nicht mehr aus der Befürchtung, daß die Zeit solche Schriftwerke noch nicht habe Hervorbringen können, scheuen dürfen, das Alter derselben anzuerkennen. Auch geht daraus hervor, daß der epische Styl bei den Egyptern ebenso wie bei den Hebräern ohne metrische Form war und einfach in der Rede daß in Obigem sichere Anhallpunkte für die Geschichte Josephs I dahinfloß. Dahingegen paßt der Vergleich des egyptischen Helder.-

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