Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1877)
- Date
- 1877-08-07
- Page
- Seite 512 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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512 der Inhalts der Weltgeschichte. In diesem Kampfe zwischen Freiheit und Unfreiheit, zwischen Recht und Unrecht schwankt scheinbar auf und ab die Wagschale des Erfolges; allein dem schärferen Blick entgeht nicht, daß der Kampf ein stetig fortschreitender Sieg des Guten ist. Gewaltsame Eroberungen weichen wieder der Gewalt, nur moralische Eroberungen sind von Dauer: denn nicht durch Waffen werden die Herzen der Menschen besiegt, sondern durch Liebe und Edelsinn (Spinoza). Eben dies ist Grund und Bürgschaft zugleich des endlichen Sieges der Wahrheit und des Rechtes. Selbsterkenntniß und Weltgemeinsinn, sittliche Freiheit und Menschenliebe werden zuletzt Gemeingut der Menschheit. Eine große Gemeinde freier und edler Geister, ein einig sittlicher Weltbund, wird das Menschengeschlecht in verständnißinnigem, klarbewußtem Zusammenwirken zu immer höheren und höheren Stufen der Vollendung emporsteigen." Hierzu bemerkt Moritz Carriere: „Es thut wohl, solche Worte eines starken, klaren Geistes zu vernehmen. Sie klingen an Kant und Lessing, an Herder und Schiller an, (warum nicht noch höher hinauf an die Propheten, die dasselbe in ihrer Sprechweise in unverkennbarer Hoheit aussprechen? Redaction) und wie sie selbst auf dem Studium von Spinoza und Leibnitz ruhen, so zeigen sie, daß echte Philosophie ein Heilmittel ist gegen die Seuche der Erfolganbetung wie des modischen Pessimismus, welcher die schlechte Welt nicht muthig anpackt, um sie zu verbessern, sondern sich mit Behagen in ihre Schlechtigkeit eingrabt, sich und Anderen das Leben verekelt, aber sich's zugleich doch bei Champagner und Trüffeln, bei Würfeln und Weibern wohl sein läßt und das selbstsüchtige Interesse für die einzige Triebfeder der Gesellschaft erklärt. Sie würde dadurch in den Abgrund getrieben, wenn sie nicht immer wieder durch jene edlen Charaktere emporgehalten wäre, die ihr Wohl im Gemeinwohl finden." Die spanische Inquisition. Bekanntlich ist es das Bestreben, namentlich deutscher Ultramontanen, aus der Geschichte diejenigen Thalsachen zu beseitigen, welche dem Katholicismus mehr oder weniger zum Vorwurf gereichen. So versuchte auch der jetzige Rottenburger Bischof Hefele, als er noch Professor in Tübingen war, in seiner Lebensbeschreibung des Ximenes die spanische Inquisition so viel wie möglich reinzuwaschen, die von ihr verübten Grausamkeiten herabzumindern und überhaupt auf die Schultern der weltlichen spanischen Machthaber zu wälzen. Da ein großer Theil der Thätigkeit dieser Inquisition sich gegen die zwangsweise getauften Juden richtete, so mußten diese, um die Inquisition zu entschuldigen, bezüchtigt werden. Wir sahen uns daher veranlaßt, diese Darstellung Hefele's kritisch zu beleuchten, s. Iahrg. 1873, S. 834 und 1874, S. 2 und 18. Jetzt haben wir die Genugthuung, daß aus dem ultramontanen Lager selbst, in welchem gegenwärtig die Tendenz vorherrscht, offen und unumwunden aufzutreten, Hefele dementirt wird. In Madrid ist von einem Professor der dortigen Universität, Don Juan Manuel Orti h Lara eine Schrift „Die Inquisition" erschienen, welche den vollsten Aufschluß über den Charakter und die Geschichte der spanischen Inquisition giebt. Und diese Schrift wird nicht etwa von den jetzigen Wortführern des Ulttamontanismus verleugnet, sondern z. B. in der von den Innspruker Jesuiten herausgegebenen „Zeitschrift für katholische Theologie" Heft I, S. 154 als höchst verdienstvoll und hervorragend belobt. So kommt die Wahrheit immer wieder zur Geltung! Anzeigen. Wmm s*nd ausschliesslich an die Annoncen - Expedition von Rudolf J[«• CvC'C/ Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Chemnitz, Cöln ajR/tFrankfurt ajJI. etc. zu adresssiren. Sommer’s israel. Knaben - Pension in Hannover. Israelitische Eltern, welche ihre Knaben in hiesige Schulen schicken wollen, erhalten für dieselben beim Unterzeichneten angenehmen Aufenthalt und Ueberwachung der Arbeiten. L. H. Sommer, Seminarlehrer, Schillerstraße 11. Referenzen: Landrabbiuer Dr. Meyer und Prof. Dr. Frensdorf in Hannover, Rabb. Dr. Lehmann in Mainz, Rabbiner Dr. Güdeniann in Wien. (B. 3635.) tZS n a 1 "1 H X von Parga, Corfu, Corsicca und Calabrien in schönster reeller Frucht, mit Rabbinats siiegel und Certisreat versehen, wie auch grüne Q 3 h 1 S von Genua und Lissa versendet billigst (5453) G. Singer, Triest, Messina. Zur Zeit der Messen, Leipzigs 29 Nordstraße 29. P. 8. Anfragen wegen o-o-nr» und wolle man gess. an meine Firma nach Triest richten.