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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-08-07 · Heft 32 (7.8.1877) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 32 (7.8.1877)
Date
1877-08-07
Page
Seite 509 (sequence 9)
Language
German
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509 verletzt, bis eine stärkere Abtheilung den Aufläufen ein Ende machte und jetzt wieder Ruhe eingetreten ist. — Zur Aufklärung über die Exceffe zu Doribana mag es dienen, daß, wie ein rumänisches Blatt mit Namen und Zahlen aufführt, der Graf Cimara lange Zeit vor jenen viele Juden und Christen (Bauern) mißhandelt und geplündert hat, ihnen durch seine Leute Vieh, Pferde, Mais u. s. w. raubend. Eine Menge Processe waren gegen ihn anhängig, aber wenn es bis zum Pfänden gekommen war, so wurden die Gläubiger durch seine Drohungen genöthigt anzugeben, daß nichts zum Pfänden bei ihm vorgefunden. Dies ist der Held, der jene Katastrophe herbeigeführt, und von dessen Bestrafung man bis heute noch nichts gehört. Bonn, 29. Juli. (Literarische Notizen.) Bei keiner Gelegenheit ist ein Stteit seitens der Juden siegreicher durchgefvchten worden als in der Frage über den Talmud und dessen ethischen Gehalt. Lange stellten sich die Gegner in ihrer Verlogenhenheit, als ob sie nicht widerlegt wären, und mögen sich auch wohl noch heute diesen Schein geben. Sie wissen sehr wohl, daß es den literarischen Erzeugnissen, die von Juden ausgehen, sehr schwierig wird, bei dem allgemeinen Publikum durchzudringen. Theils ignorirt man sie in der Presse, theils ist dieses Publikum selbst nicht geneigt, sein Ohr über jüdische Fragen jüdischen Schriftstellern zu leihen. Aber in der jüngsten Zeit — allerdings sehr spät — sind doch in der Talmudfrage so viele jüdische Autoren, bewaffnet mit unzweideutigen Beweisen, hervorgetteten, um über den Gegenstand und namentlich über die Angriffe der Gegner noch ferner Zweifel zuzulassen. Zugestehen wollen wir, daß dies von unsrer Seite nicht schwer war. Die sämmtlichen Angreifer waren alles wirklichen Wissens auf diesem Gebiete baar, schöpften lediglich aus der alten Polterkammer Eifenmenger's und fälschten obendrein den aus dieser entnommenen Kram, so daß die jüdischen Widerleger nur eine genügende Sachkenntniß mitzubringen brauchten, um die Gegner in ihrer ganzen Blöße hinzustellen. Für das Judenthum hatte der Vorgang den Vortheil, daß das wirkliche Berhältniß, in welchem das jetzige Judenthum zum Talmud steht, klar zum Bewußtsein kam. Wir haben in letzter Zeit über die Schriften von Duschak und Schreiber berichtet. Gewissermaßen als resultirend haben wir heute folgende Broschüre hinzuzufügen: „Meine in Veranlassung eines Processes abgegebenen Gutachten über den Talmud in erweiterter Form", herausgegeben von Di*. M. Joel, Rabbiner der isralitischen Gemeinde in Breslau. Breslau 1877. Schletter'sche Buchhandlung. Ein Redacteur hatte der berüchtigten Rohlingschen Schrift nachgeschrieben, daß der Talmud das Sittengesetz für die Juden fei und dieser ihnen alles mögliche Schlechte gegen die Christen vorschreibe, was er mit Citaten aus Rohling belegte. Das Kreisgericht forderte ein Gutachten von Rabbiner vr. Joel. Der Redacteur wurde zu Gefangnißstrafe verurtheilt und legte unter Beibringung eines Gutachtens von Rohling Berufung ein. Der Staatsanwalt verlangte darauf ein Gegengutachten von Joel. Die beiden Gutachten, completirt nach dem vor Gericht abgegebenen mündlichen Gutachten und hier und da ergänzt, werden in der vorliegenden Broschüre veröffentlicht. Sie haben also auch eine faktische Bedeutung. Was den besonderen Werth ausmacht, ist daß Joel weit weniger apologetisch als wissenschaftlich objectiv vorgeht, zugiebt, was zugegeben werden muß, dies aber in dem einzigen richtigen Lichte zeigt, in welchem es auf dem geschichtlichen Boden gesehen werden muß. Joel spielt daher oft mit Erfolg den Stteit auf das gegnerische Gebiet hinüber, indem er nach den verschiedenen Zeiten auf die damals im Christenthume vorhandene Geistesrichtung und von den Christen geübte Handlungsweise hinweist, wobei sich stets die jüdische Aeußerung als mild und versöhnlich herausstellt. Joel bleibt endlich nicht bei Rohling stehen, sondern nachdem er sonnenklar erwiesen, daß dieser lediglich aus Eisenmenger geschöpft und diesen selbst wiederum verfälscht hat, geht er auf Eisenmenger selbst ein, und stellt ihn und sein Werk nach Tendenz und Beschaffenheit dar. Wir können daher die Broschüre Joel's Juden und Christen nicht warm genug empfehlen. Als gerichtliche Gutachten hatten wir diese allerdings etwas concinner und noch mehr in die Augen springend, daher selbst weniger in's Detail gehend, gewünscht, sowie auch daß der witzelnde Ton weggeblieben, der nicht immer mit Glück angewandt worden.— Dr. EmanuelHecht's „Uebersetzungslehrer". Ein methodisches Hülfsmittel zum Uebersetzen des Pentateuchs und der Pessach Hazadah, wie der Bücher: Esther, Ruth und Echa. Nebst einem hebräischen Lehr- und Uebungsbuche für Schulen. Dritte Auflage. Neu bearbeitet, verbessert und vermehrt von A. Cahn, Lehrer und Leiter eines Instituts in Sobernheim. Kreuznach 1877. Boigtländer. Mit Recht sagt Herr Cahn in seiner Vorrede, ein die dritte Auflage erforderndes Buch hat sich als praktisch bewährt, und dafür erkennen auch wir die vorliegende Schrift gern an. Die Befürchtung, daß der Lehrer durch die Bequemlichkeit, welche das Buch ihm und dem Schüler bietet, sich verleiten läßt, allzuwenig auf die Erlernung der Grammatik zu dringen, wird durch den Anhang: „Kleine hebräische Grammatik nach unterrichtlichen Grundsätzen" (S. 127—ISO) beseitigt. Der Schüler erhält hier Vers nach Vers von jedem Worte das Grundwort und dessen Bedeutung, sowie die im Verse vorkommende Form des Wortes mit ihrer Bedeutung. In der Voraussetzung, daß die Grundwörter auswendig gelernt werden, nimmt deren Angabe ab. Die kleine Grammatik in Beispiel, Belehrung und Uebung ist für den Unterricht in den Elementen sehr angemessen angelegt. Statt der Bücher Esther, Ruth und Echa hätten wir die hauptsächlichsten Gebete in gleicher Weise bearbeitet gewünscht. 32

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