Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1877)
- Date
- 1877-08-07
- Page
- Seite 508 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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508 Schuldigen hinaus! Die Juden bleiben geplündert, mißhandelt, gemordet — und die Urheber und Thäter gehen triumphirend umher! Wie solche Beispiele nicht bloß zum Schaden der Juden, sondern zum Verderben der ganzen Bevölkerung gereichen, brauchen wir nicht auszuführen. Unter den gegebenen Verhältnissen ist es aber auch unnöthig, um Vergeltung für das rumänische Volk und seine Führer zu beten. Sie zieht bereits mit voller Kraft heran, und gerade diese Führer werden sehr bald empfinden, wie ausgenutzte Werkzeuge fortgeworfen werden! Rußland wird nicht vergessen, daß die Donaufürstenthümer seit einem Jahrhundert der Preis seines Strebens, daß sie die eigentliche Ursache des großen Krieges zwischen Napoleon I. und Alexander I. gewesen, daß sie 1855 nur durch die Drohungen Oesterreichs aufgegeben wurden, jetzt aber vollständig in seiner Gewalt sind.) Rußland. Moskau, 20. Juli. (Privatmitth.) M. Ich beeile mich, Ihnen mitzutheilen, daß, laut einer mir aus Petersburg zugekommenen Nachricht, die von dem dortigen Gemeinde-Borstande ausgearbeiteten Statuten von der Regierung nicht bestätigt worden sind (beiläufig gesagt ist es schon das zweite Mal), das Ministerium des Innern hat ihnen wiederum nur einige provisorische Maßregeln vorgeschrieben, nach welchen sie sich bei der Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten zu richten haben. Ich werde eine Abschrift übersenden. Amerika. New-Aork, 25. Juli. (Privatmitth.) Der Vorgang im Grand-Hotel zu Saratoga steht so einzig in der Geschichte der Vereinigten Staaten da, und hat eine so allgemeine Spannung hervorgerusen, daß wir noch einmal darauf zurückzukommen uns gedrungen fühlen. Es ist abermals vor Allem hervorzuheben, daß gerade der Mann, den es zunächst betroffen hat, Herr Joseph Seligman, eine solche Behandlung am wenigsten verdient hat, und die eigentliche Quelle des böswilligen Vorgehens leicht erkennen läßt. Das Bankhaus I. und W. Seligman L Comp, ist eines der bedeutendsten der ganzen Union und hat Filialen in London, Paris und Frankfurt a. Main. Die Seligman's, sechs Brüder, stammen aus der Gegend von Bayersdorf in Bayern, wandelten mit mäßigen Mitteln ein und wußten au die solideste und redlichste Weise ihr Haus auf die Höhe zu bringen, welche es jetzt einnimmt. Drei dieser Brüder sind hier ansässig, und ihre Frauen stammen aus München. Sie sind wahrhafte Biedermänner und betheiligen sich bei allen gemeinnützigen und wohlthätigen Werken ohne alle Berücksichtigung der Confession in der thätigsten und umfaflendsten Weise. Alles dies ist hier allgemein bekannt, und ich bemerke es hier nur, weil die europäische Preffe sich des Vorgangs bemächtigt hat, und, wie man hier bereits wahrgenommen, in ihrer Voreingenommenheit gegen die Juden ihn nicht im rechten Lichte zeigt. Das Grand-Hotel in Saratoga gehört zu den vielen Gründungen des großen Steward'schen Nachlaffes, zu welchen das Bankhaus A. T. Steward, eine Menge Handelshäuser, Waarengeschäste ea <16toil und Magazine gehören, und deren Verwalter der Richter Hilton ist. Zwischen dem Seligman'schen und Steward'schen Hause haben stets Rivalitäten stattgefunden, und da liegt denn die Erklärung nicht fern, weshalb der Verwalter und nominelle Erbe Hilton die Gelegenheit vom Zaune brach, die Seligman's öffentlich zu kränken. Um diese Privatleidenschaft zu verbergen, hält er sich an die Eigenschaft jener als Juden. Es versteht sich, daß alsbald auch anderen jüdischen Familien die Aufnahme im Grand-Hotel verweigert wurde. Als Rechtfertigung giebt er an, daß das Grand- Hotel im vorigen Jahre schlechte Geschäfte gemacht habe, und zwar wegen der Anwesenheit jüdischer Familien, weshalb sich die echte Aristokratie des Landes ferngehalten. Hilton will einige zustimmende Briefe erhallen haben. Was wollen aber diese gegen den Sturm der Entrüstung sagen, der sich in allen Theilen des Landes erhob und auf die mannichfaltigste Weise sich äußerte. Die amerikanischen Juden müßten auch nicht das geringste Selbstgefühl besitzen, würden sie sich nicht entschließen, auch allen übrigen Unternehmungen des Steward'schen Hauses fern zu bleiben, und ihre Verbindungen mit ihnen abzubrechen. Dies ist denn auch bereits vielfach geschehen, und es können daraus sehr mißliche Berhältniffe für den Steward'schen Nachlaß und dessen heroischen Verwalter entstehen. Wenn in Amerika sich eine Frage von allgemeinem Interesse erhebt, so schweigt Niemand, Alles läßt sich hören, und es versteht sich, daß da oft die verschiedensten und sonderbarsten Ansichten zu Tage treten. Diesmal ist bis auf eine geringe Ausnahme Alles einstimmig in der Verurtheilung des Richters Hilton. Die Zeitungspreffe, die Kanzel, Meetings sprechen ihr Urtheil aus. So hat auch eine Zeitung sich die Mühe gegeben, die Aeußerungen der jüdischen Prediger von der Kanzel herab über diesen Vorgang zu sammeln und zu veröffentlichen. (Es war dies kein jüdisches Blatt.) Jndeß brauchen wir wohl hiervon nichts mitzutheilen, da der Gedankengang überall derselbe ist. Wir fürchten nicht, daß Richter Hilton Nachahmer findet. Bonn, 29. Juli. (Notizen.) Aus Aleppo berichtet man, daß die Auftegung der muselmännischen Bevölkerung sich auf mannigfache Weise kund thut, auch den Juden gegenüber. So sammelte sich jüngst an mehreren Tagen hintereinander eine Pöbelmasse am Eingang der israelitischen Schule, um die Kinder beim Austritt aus derselben zu schmähen, ihnen die Mützen und die Schulsachen wegzunehmen und sie mit Steinen zu bewerfen, bis der Gouverneur Kiamel Pascha einige Soldaten aufstellte, um die Kinder nach Hause zu begleiten. Die Soldaten selbst wurden