Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1877)
- Date
- 1877-08-07
- Page
- Seite 506 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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506 Berlin, 25. Juli. lPrivatmitth.) 1) Wenn ich heute die I bericht ein Bedauern über die Unzureichlichkeit seiner Mittel aus- Spalten Ihrer gesch. Zeitung in Anspruch nehme, so möchte ich gedrückt, denn circa 80 Studirende bekommen lausende Unter- Jhre und Ihres werth. Leserkreises Aufmerksamkeit aus einen für stützung. An demselben wunden Punkt leidet auch die „Humanitas" Judenthum wie die Wissenschaft gleichbedeutenden Punkt lenken, der mir nicht genügende Beachtung zu finden scheint. Vom Wissensdurst getrieben und vom Verlangen nach höherer j wifienschaftlichen Bildung erfüllt, strömen aus allen deutschen in Leipzig und andere derartige Vereine. — Nun frage ich aber: Verdient es der studirende Israelit, der dereinst als Lehrer, Richter, Advocat, Arzt, Rabbiner u. s. w. wirken und zu diesem Behufs stuviren will, verdient es dieser Gauen bei Beginn eines jeden Semesters zahlreiche jüv. Jüngweniger unterstützt zu werden, als andere Nothleivende, sei es in linge auf den deutschen Universitäten zusammen. Sie gehören, j Deutschland oder sei es in Jerusalem? Ich frage, tragen nicht ras ist unzweifelhaft, zu den fleißigsten und wohl auch tüchtigsten Studenten und gereichen in ihrer großen Mehrzahl im späteren Leben rem Judenthum wie dem Staate zur Zierde. Jndeß bei einer großen Zahl derselben zeigt sich die vielleicht auffällige, aber jedenfalls wahre Erscheinung, daß sie von Haus aus mit gar! keinen oder nur dürftigen Mitteln versehen sind, und, indem sie auf Unterstützungen seitens der Glaubensgenosien rechnen, sich vieldie ihm zugewandten Geldmittel die schönsten Zinsen dereinst, fördern sie ihn nicht in seinem Studium, bewahren sie ihn nicht vor Entbehrungen? Und ist es nicht ein ebenso großes Verdienst und ein ebenso schönes Bewußtsein für wohlrhätige und mit Glücksgütern gesegnete Israeliten, solchen jungen Leuten etwas von ihrem Ueberfluffe mitzutheilen, wie anderen Armen? Nach meiner Ansicht sogar ein größeres, da jene, in der Regel wohl fach in ihren Erwartungen bitter getäuscht finden. Es kommt tüchtige und talentirie Jünglinge, das ihnen Gewährte in ihrem nicht selten vor, daß sie sich golvne Berge versprechen und nachher späteren Berufe durch ihre Dienste mit Zinseszinsen zurückzahlen. an den nothwendigsten Lebensmitteln Mangel leiden. Und dies liegt daran, daß die jüd. Wohlthätigkeir in den, den Universitätsstädten ferneren Kreisen diesem Puncte bisher nicht die genügende Aufmerksamkeit geschenkt hat. Den Universitätsstädten allein kann und darf es aber nicht zugemuthet werden, allein für solche Arme zu sorgen. Von den Stipendien, welche fast an allen Hochschulen existiren, sind dieselben vielfach ausgeschloffen, indem diese in der Regel aus Studirende christl. Glaubens beschränkt sind, und erst in der Neuzeit sind ihnen mit Weglassung dieser intoleranten Beschränkung einige zugänglich geworden, jedoch nur so wenige, daß sie gegenüber der großen Anzahl Unterstützungsbedürftiger kaum in Betracht kommen. Weit segensreicher wirken nun die jüd. Unterstützungsvereine für studirende Glaubensgenossen, wie sie die Nothlage an vielen Universitäten hervorgerufen hat. Ich nenne nur die in Heidelberg, Leipzig und Berlin. Diese bieten nun zwar alles mögliche auf und lassen sich keine Mühe verdrießen, um die erforderlichen Mittel zu gewinnen und eine recht segensreiche Wirksamkeit zu entfalten. Allein bei allen ihren Erfolgen, und wenn sie auch wie beispielsweise der Berliner Verein über großartige Mittel verfügen, sind dieselben überall dem vorhandenen Bedürfnisse bei weitem nicht entsprechend. So hat, um nur ein Beispiel anzusühren, der Berliner Verein dieser Art einen Fonds von 100,000 Mark, wovon die Zinsen vertheilt werden, und bekommt außerdem viele einmalige oder jährliche Beiträge, und dennoch findet man in seinem letzten Geschäfts- 1) Wir geben diese Corresponden;, obschon der Gegenstand schon seit Jahren in dieser Zeitung wiederholt besprochen worden, weil uns die Erfahrung seit dem Beginn der detrcsscuden Bestrebungen gelehrt hat, daß, je öfter sie besprochen werden, die Erfüllung der gerechten Wünsche allmälig sorlschreitet. Alan darf aber auch nicht übersehen. Sollten daher, wo Tausende und Abertausende alljährlich nach Jerusalem wandern, nicht auch für diesen Zweck einige Brosamen von der großen Mahlzeit abfallen? Ich glaube, es bedarf nur des Hinweises auf diesen Punkt und der Förderung durch die jüdische Presse, und schon in Kürze wird sich die jüdische Freigebigkeit auch auf diesem Felde bewähren, wie es in den Universitätsstädten selber bereits in erfreulichster Weise der Fall ist. B. Stern, stud. jur. tuttgact, 23. Juli. Heute fand dahier im Hotel Degginger die statutengemäße 3. jährliche Plenarversammlung des israelitischen Lehrerunterstützungsvereins und die jährliche freiwillige Conferenz statt. Die Versammlung, an welcher sich auch Herr Kirchenrath Wassermann, sowie Mitglieder aus allen Landestheilen betheiligten, zeigte, wie lieb der Verein dem israelitischen Lehrer- und Borsängerslande geworden ist. In der That ist auch genügender Grund dazu vorhanden, wie das auch der Vereinsvorstand in interessanter Weise und akrenmäßig nachgewiesen hat. Ein mit Gottvertrauen in den Boden der Humanität gelegtes unscheinbares Samenkörnlein hat, von einigen Wenigen gehegt und gepflegt, in 15 Jahren sich zu einem viele segensreiche Früchte tragenden Baume entwickelt. Die zur Einsicht aufgelegte amtlich revidirte Rechnung zeigt ein recht günstiges Ergebniß, es konnten deshalb auch wieder recht ansehnliche Unterstützungen decretirt werden. Auch für die nächsten drei Jahre wurde der bisherige Ausschuß wiedergewählt, nur die krankheitshalber von Rothschild niedergelegte Cassierstelle wurde Stern in Eßlingen übertragen. Für die sodann beginnende freiwillige Conferenz blieb nur noch so viel Zeit, den der Ständeversammlung vorliegenden Gesetzesentwurf zu besprechen und dem Ausschuß Auftrag zu erlheilen, gegen mehrere Artikel desselben, die dem ISÄmäStd'SutunS 8‘*“**" V°r>'img°rsta»« s-hbeglich, jg-j-hrlich --sch-m-n, nachkomml. Rcdaction. zu petitioniren. Bei dem gemeinsamen Mittagsmahl wurde noch