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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-31 · Heft 31 (31.7.1877) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 31 (31.7.1877)
Date
1877-07-31
Page
Seite 496 (sequence 12)
Language
German
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Daß er font stellen auf den Planet und Zeichen Von derselbig Stund sein Gegen-Parthey kunt ihm nit weichen AuS keinem Streich. Vermischtes. Ein Spruch aus den Gebeten der Falaschas. In den Gebeten der Falaschas, die wir in Nummer 28 besprochen haben, fiel uns ein Satz auf, den wir bereits citirt haben. Er lautet: „Gerechte, Märtyrer und Reine in der Mitte des Gartens (Eden) und Sünder, Bösewichter und Frevler in der Mitte Gehinnoms rühmen und loben Dich, Ewiger, Hallelujah!" i) Das Bemerkenswerthe und Tiefsinnige liegt hier in der Anschauung, daß auch die Sünder an ihrem Straforte Gehinnom , also in der sg. Hölle den Lobpreis Gottes anstimmen. Es ist hiermit der Gedanke ausgesprochen, daß auch der Sünder, sobald seine irdische Hülle gefallen und seine Seele dadurch von all' den Täuschungen befreit worden, welche die sinnlichen Begierden und die Verhältnisse der Menschenwelt um sie breiten, das göttliche Wesen in seiner Vollkommenheit erkennt und sein Lob erhebt. Ferner, daß der Sünder die ihm werdende Strafe nicht blos in ihrer Gerechtigkeit, sondern auch in ihrem Zwecke, seine Seele zu läutern, und sie einem höheren Dasein zuzuführen, anerkennt. Denn um Gott wahrhaft zu loben, muß man von den Gefühlen der Heiligkeit und Heiligung durchdrungen fein. Hierdurch wird endlich die Vorstellung vom Gehinnom von den Bildern, welche andere Religionen von der Hölle entwerfen, weit entfernt. Es kann nicht mehr als ein Reich des Satans angesehen werden, wo die Loblieder Gottes erschallen, als ein Schauplatz des Teufels, wo Gefühle der Heiligkeit in der Erhebung zu Gott empfunden werden. Man wird zugeben, daß dies reine und echt religiöse Vorstellungen sind, die im Sinne der gedachten Worte enthalten sind, und die wir durchaus nicht hineininterpretiren, sondern welche dem Verfasser und dem andächtigen Beter inne wohnen müsien. Wir erinnern daran, daß auch die Talmudisten keine Ewigkeit der Höllenstrafe» annahmen, sondern daß auch die größten Sünder durch ihre Strafen nach einigen Zeiträumen geläutert werden. (Siehe unsre Religionslehre B. Il, S 254 rc.) _ Aus der Knabenzeit des Franz Deal. Zu Khuda, in der Grafschaft Szaled, Geburtsort des Franz Deal und Eigenthum seiner Familie, ließ die israelit. Gemeinde ein neues Sepher Thora schreiben. Der Chef der Familie, ältester Bruder von Franz, der damals fünfzehn Jahre alt war, bezeugte den Wunsch, diese Gesetzesrolle zu sehen. 1) B’son’i pn *pra tr-irro-i 2*>n?i tpp-nat .mbbr? 'n “fibbrn ^■nss*' 227^2 “pra 2^wisi Der Rabbiner Simon Wiener zu Saint-Grot, der zu dieser Feier berufen war, trug, begleitet von den Vorstehern, das kostbare Manuscript nach dem Schlöffe. Es erregte die Bewunderung der ganzen herrschaftlichen Familie, aber schien vor Allem den jungen Franz zu interessiren, der sich das Sepher Thora aufrollen ließ. Als er die Schirah sah, ftagte er erstaunt, weshalb dieser Theil auf eine andere Art geschrieben fei, als der übrige. Das ist „der Gesang Moses", erwiderte der Rabbiner. — Ah, rief der junge Deak, der Abschreiber hat recht gethan, diesen herrlichen Gesang sowohl durch die Schrift als auch durch die besondere Einrichtung der Zeilen hervorzuheben. — Verzeihet, 'prach der Rabbiner, dies hing keineswegs vom Willen des Schreibers ab, diese Art, den Gesang Moses zu schreiben, ist eine religiöse Vorschrift, und wenn dieser Theil des Gesetzes auf dieselbe Weise geschrieben sein würde als das Uebrige, dürfte man rch deffelben nicht zum Vorlesen in der Synagoge bedienen. Der junge Student ließ sich alsdann durch den gelehrten Rabbiner die religiösen Vorschriften über das Schreiben der Thora erklären. Die Worte des Rabbiners erfüllten den zukünftigen Patrioten mit Bewunderung. — „Ja", rief er aus, „nur diesen strengen und bis in's Einzelne gehenden Vorschriften hat man es zu danken, daß die Thora die vielen Jahrhunderte überdauern konnte, ohne von ihrer Reinheit zu verlieren und ohne Aenderung zu erleiden." Das Eigenthum. Einer unsrer Leser ersucht uns, unsre Worte in dem ersten Leitartikel Nr. 28 „Die sociale Frage und das Judenthum" (S. 438, Sp. 2), nach welchen die Bibel das Eigenthum besonders als Ertrag der persönlichen Arbeit begründete, etwas näher nachzuweisen. Daß die Arbeit von der h. Schrift als Bestimmung des Menschen angesehen wird, erhellt aus den dort angeführten Stellen 1 Mos. 2, 5. 3, 17—19, die erste vor, die zweite nach dem Vorgang im Paradiese. Die eine ergänzt die andere und zeigt, daß die Arbeit nicht erst in Folge des Vorgangs im Paradiese dem Menschen auferlegt worden. Daß aber das Eigenthum aus der Arbeit hergeleitet wurde, geht aus 4, 3. 4 hervor. Kain bringt „ein Opfer dem Ewigen dar von der Frucht des Bodens", den er bearbeitet hatte (B. 2), Hebel aber „von den Erstlingen seiner Heerde." Der Ertrag der Arbeit war also zum Besitz jedes Einzelnen geworden, und von ihm brachte er sein besonderes Opfer. Der Begriff des Opfers ist eben wiederum nur von dem des Eigenthums abzuleiten. Man kann nur opfern von dem, was Einem gehört. Bemerkenswerth ist, daß von Adam dergleichen nicht ausgesagt wird. Der Mann hat eben seiner Gattin und seinen Kindern gegenüber kein Eigenthum; erst mit dem Verhältniffe der Brüder trennt sich der Besitz und wird zum Eigenthum des Einzelnen.

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