Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1877)
- Date
- 1877-07-31
- Page
- Seite 497 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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497 Urtheile der Römer und Griechen über die Christen. Wir hatten eben den Leitartikel „Die Urtheile römischer Schriftsteller über die Juden nach Renan" in Nr. 29 beendet, als uns in der „Deutschen Rundschau" (Aprilhest 1877) ein Aufsatz von E. Zeller zu Gesichte kam, der die betr. Stellen römischer Autoren über die Christen zusammenstellt und ausführlich bespricht. Mag sich das Publikum daraus unterrichten, daß die heidnischen römischen Autoren noch viel übeler von den Christen zu sprechen waren, als von den Juden, und mögen dadurch endlich die Judenfeinde gezwungen sein, die römischen Urtheile nicht mehr zu Gunsten ihrer eigenen Gehässigkeiten anzuführen. Sagt doch Zeller selbst, daß jedes Böse, jede Fabel und schmachvolle Lüge, die das Mittelalter gegen die Juden vorbrachte, sich bei den römischen Schriftstellern gegen die Christen vorfindet. Jede Autorität, die jenen Römern hinsichtlich der Juden eingeraumt wird, muß ihnen auch betreffs der Christen zugestanden werden. Betrachtet man sie hinsichtlich der letzteren als in groben Vorurcheilen befangen, so gilt dies in völlig gleicher Weise bezüglich der ersteren. — Was uns in dem Auffatze Zeller's ausfiel, das war die Naivität seines Erstaunens, dem er wiederholt einen wortreichen Ausdruck giebt, darüber, daß die Römer das Christenthum so wenig zu würdigen gewußt. Wenn sie die einfache Glaubenslehre des Judenchums nicht verstehen konnten, wie sollten stoische Philosophen und griechisch gebildete Literaten den christlichen Dogmen Geschmack abgewinnen'. Die Wagnerianer und die Juden. Jüngst wurde in den öffentlichen Blättern berichtet, daß, als Richard Wagner neulichst zur Dirigirung einiger Concerte, in welchen selbstverständlich nur Wagnerische Compositionen aufgeführt werden sollten, in London einttaf, nur Deutsche, keine Engländer auf dem Bahnhofe zum Empfang sich einfanden. Unter diesen Deutschen bemerkte man zu einem großen Theile Juden. Demungeachtet und trotzdem also bei jeder Gelegenheit unter den Wagnerianern so viele Juden figuriren, welche ihren Wagnerfanatismus weit über das von Wagner so schmählich gekränkte Selbstgefühl der Juden in ihrem geistigen wie leiblichen Wesen setzen, fahren die Anhänger Wagners fort, dem Beispiel und Losungswort ihres Meisters folgend, auf die Juden zu schimpfen und jeden Mißerfolg des Componifien, jedes Zeichen, daß das Publikum zu viel Geschmack und Selbstständigkeit besitzt, um sich den Verkehrtheiten und Anmaßungen Wagners blindlings zu unterwerfen, den Juden in die Schuhe zu schieben und als eine Jntrigue derselben darzustellen. Uns gehen weder die Lobpreisungen, noch der Tadel, die man der Wagnerischen Musik zukommen läßt, etwas an. Es ist uns auch gleichgültig, ob es Juden giebt, welche der Musik und den Dichtungen Wagner's Geschmack abgewinnen oder solche, die bei denselben nur Mißbehagen empfinden. Aber was uns nicht gleichgültig ist, das ist, daß es Juden giebt, und zwar nicht wenige, die so wenig Selbstgefühl besitzen, um ihren Enthusiasmus für einen Menschen zur Schau ttagen, der einen so tiefen Haß gegen die Juden offen kundgegeben und sie mit den ungerechtfertigsten Schmähungen überhäuft hat! Wie überall, sollte auch in Radziwilow in Volhynien die russische Kriegserklärung gegen die Türkei wie in den Kirchen so auch in der dortigen Synagoge verlesen werden. Ein Staatsbeamter begiebt sich nach der Synagoge und befiehlt, die Köpfe zu entblößen, um das Manifest anzuhören. Die anwesenden Juden, um diesem Befehle zu entgehen, wiffen nichts Befferes zu thun, als sämmtlich die Synagoge zu verlaßen. Darauf läßt » der Beamte durch die Stadt ausrufen, daß bei Strafe der Transportation nach Sibirien alle Juden nach der Synagoge sich zu begeben, den Kopf zu entblößen und das Manifest anzuhören hatten. Es versteht sich, daß nunmehr dem Befehle gehorcht wurde. Anzeigen. sind ausschliesslich an die Annoncen - Expedition von Rudolf 31 osse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Chemnitz, Cöln ajRhFrankfurt a/31. etc. zu adresssiren. Zu unserer Gemeinde soll die Stelle eines Rabbiners und Predigers besetzt werden. Gehalt 2400 Mark jährlich und Nebeneinkünfte. Qualificirte Bewerber wollen uns baldigst ihre Meldungen unter Beifügung ihrer Zeugnisse einreichen. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Danzig, den 20. Juli 1877. (6568) Der Vorstand der Weinberger-Jöraeliten-Gemeinde. Zum 1. October d. I. ist für die hiesige Gemeinde die Stelle eines unverh. Religionslehrers, Vorbeters und Schächters vacant. Gehalt ca. 1000 Reichsmark incl. Schächtgebühren und fteier Wohnung. Hinsichtlich der Leistungen werden bei besonderen Gelegenheiten auch deutsche Borttäge beansprucht. Bewerber wollen sich an Unterzeichneten wenden. (6200) Teterow in Mecklenburg. Der Vorsteher der israel. Gemeinde.