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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-31 · Heft 31 (31.7.1877) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 31 (31.7.1877)
Date
1877-07-31
Page
Seite 494 (sequence 10)
Language
German
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494 terials bei der sonstigen lichtvollen Darstellung systematischer und dadurch übersichtlicher getroffen wäre. Jetzt stehen die Besprechungen des Einzelnen etwas verworren untereinander. — Aus dem Notizbuch des Onkel Jonas. Humoresken aus dem jüdischen Leben von S. Nolly. Zweite Auflage. (Berlin, Cronbach 1877.) Wenn nicht auf dem Titelblatte sehr leserlich „zweite Auflage" stünde, würden wir nicht glauben, daß solche geist- und witzlose Albernheiten Käufer fänden. So aber giebt dies Ding nur abermals ein Zeugniß von dem tiefgesunkenen Geschmack in unsren Tagen, namentlich in der-Weltstadt Berlin. Wo sich aus allen Theilen des Reiches und von noch weiterher die verschiedenartigsten Elemente zusammenfinden, sammelt sich auch immer eine Schaar solcher Leute, denen man Alles bieten kann, und denen das Gemeine gerade am ehesten zusagt. Nachdem die Juden so oft zu tragischen oder hyperkomischen Figuren herhalten mußten, fehlt es noch, daß die Alltagsjuden, wie sie auf jeder Straße wohnen oder zu Dutzenden herumlaufen, mit den Schwächen, die sich in jeder Menschenklaffe wiederfinden, nur in eigenthümlicher Gestalt, abconterfeit werden. Der Hauptheld ist ein Schadchen und damit ist Alles gesagt. — Wir hatten vor Kurzem (Nr. 25. S. 398) die Schrift des Rabb. Dr. Duschak „Die Moral der Evangelien und des Talmud" anzuzeigen, eine nachdrückliche Zurückweisung der wieder so häufigen Angriffe auf den Talmud und dessen ethischen Gehalt. Dieselbe Tendenz verfolgt das eben erschienene Buch: „Die Principien des Juventhums verglichen mit denen des Christenthums zur Abwehr der neueren judenfeindlichen Angriffe" von 0r. EManuel Schreiber, Rabb. zu Elbing. (Leipzig, Commissionsverlag von Baumgärtner. 1877.) Es ist zu bedauern, daß diese und ähnliche Schriften so spät auf dem Kampfplatze erschienen sind, so daß jene feindseligen Pamphlete ihr Gift viel ungestörter zu verbreiten Raum halten, während ihnen gleich im Anfänge des Kampfes von recht vielen Seilen hätte entgegengetreten werden müssen. Abgesehen hiervon, enthält die vorliegende Schrift eine sehr reiche Materialiensammlung, erfüllt hierdurch den apologetischen Zweck in ausgiebigem Maße und ist deshalb Freund und Feind dringend zu empfehlen, letzterem, wenn er es über sich bringen kann, sich so vollständig widerlegt zu sehen. Uebertrifft hinsichtlich des aufgehäuften Stoffes, sowie in der Mannichfaltigkeit der Gesichtspunkte, die Schrift des Rabbiners Schreiber die von Duschak: so müssen wir hingegen der letzteren den Vorzug der Klarheit in der Anordnung, der Sichtung des heranzubringenden Beweismaterials, der Uebersichtlichkeit und der Objectivität der Behandlung zuerkennen. Wir halten Herrn Schreiber für einen recht begabten mit Kopf und Herz fleißig arbeitenden jüngeren Schriftsteller; doch wird er noch viel in methodischer und systematischer Behandlung seiner Gegenstände lernen und von literarischem Geschmack sich erwerben müssen. Es lag uns nahe, den beiden genannten Schriften gegenüber einen Blick rückwärts auf die verflossenen sechs Jahrzehente zu werfen. Es war im Jahre 1817, als in zwei rasch aufeinanderfolgenden Auflagen der gegen die Professoren Rühs und Fries erschienene „Charakter des Judenthums" von G. Salomon und I. Wolff rn's Licht trat. Sehen wir von den vielfachen ähnlichen Arbeiten der dazwischen liegenden langen Zeit ab, so muß es Jedem auffallen, wie seitdem das gelehrte Wissen sich ausgedehnt und vertieft hat und deshalb nothwendig zu jeder schriftstellerischen Thätigkeit herangebracht werden muß, wie aber die Methode der Darstellung, die scharfe principielle Auffassung und die Correctheit der Sprache in der jüngsten Zeit bei unseren Autoren keine Fortschritte gemacht, sondern in Rückgang gerathen ist. Es mag dies ein Fingerzeig sein, welches Bestreben nicht zu vernachlässigen sei, und weshalb man sich nicht allzu raschem Arbeiten hingeben möge. I e u i l Proben aus dem jüdischen Geschichtsromane von dem großen Könige Arturo in England und dem tapferen Ritter Wieduwilt. In Reim gestellt von Josel Witzenhausen, dem Schreiber. Bon vr. B. Placzek in Brünn.1) Ich sing' von einem König, ehrenreich, Auf Erden war kein Sterblicher ihm gleich — Der König Artus, so war er genannt. Gewaltig über vierunddreißig Land'. 1) Im Verfolg des Art. in Nr. 28, S. 448 geben wir hier diese Proben des jüdischen Reimschmiedes. Im eit. Art. bitten wir übrigens Sp. 2, Z. 4 v. u. das Jahr 1648 für 1848 zu lesen. Redact. t c i o n. Und kamen je die lichten Pfingsten-Zeiten, Da mußten Könige zu Hofe reiten, Ein jeglicher in seiner Kraft, Mit Frauen und edler Ritterschaft, Zu Ehren König Artus, ihrem Herrn. Ein fremder Ritter bietet der Königin einen kostbaren Gürtel an. Alle rathen dem Könige das Geschenk anzunehmen; nur Gaweiu spricht: Mein gnädiger Herre, ich muß es Euch sagen, Die Königin mag ihn mit Ehren nicht tragen. Es ziemt sich besser für Euer Gehaben, Zn geben denn zu nehmen die Gaben.

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