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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-31 · Heft 31 (31.7.1877) · p. Seite 493

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 31 (31.7.1877)
Date
1877-07-31
Page
Seite 493 (sequence 9)
Language
German
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493 von der angemessensten Bildung, so daß das polnische Judenthum Eisenbaum alles zu verdanken hat, was es jetzt an Gebildeten besitzt. Wer den tiesen Gesittungsstand kennt, den hierzulande die große Maffe unserer Glaubensgenossen noch heute einnimmt, der wird dieses Verdienst als ein nicht hoch genug anzuschlagendes betrachten. E. war streng religiös und hielt besonders auf den Unterricht im Hebräischen, in welchem seine Schüler sich geläufig schriftlich auszudrücken lernen mußten. Um so mehr fühlt man sich gedrungen, aus der Erinnerung an E., an die gebildete Classe, an die hiesigen Prediger und an das verdienstvolle aber schwankende Blatt „Isrsölita" die Mahnung zu richten: doch etwas weniger um die Gunst der Christen und etwas mehr um die Gunst der Juden sich zu bemühen! Möge man sich seines Ursprungs, seiner ersten talmudischen Bildung und des Zusammenhanges mit seinen Glaubensgenossen nicht so sehr schämen! E. führte auch einen geregeltern Gottesdienst und den Gesang in Sulzers Weise hier ein, und Lurch seine Bemühungen wurde ein Spital und die Armenpflege hergestelll, wobei er stets die orthodoxen Ansichten der Masse schonte, und nur auf diesem Wege erzielte er so großartige Resultate. Möge er hierin das Vorbild des jetzigen und zukünftigen Geschlechtes sein! Bonn, 22. Juli. (Notizen.) Aus Paderborn schreibt man uns, daß an dem Sarge des Fräulein Fanny Nathan der Oberrabbiner vr. Horowitz aus Crefelv eine ergreifende Leichenrede hielt, in welcher er die Verdienste der Dahingeschiedenen in würdiger Weise besprach. Am Grabe selbst ergriff der Lehrer des Waisenhauses Brück das Wort, und anknüpfend an die letzten Lebensmomente der Verewigten, ermahnte er die Anwesenden, das hinterlaffene Werk mit allen Kräften fortzuführen und auszubauen. — Aus Remitsch theilt man uns mit, daß am 11. Juli der Recwr Marcus Cohn verstorben ist, ein Mann, der sich die größten Verdienste auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung an diesem Orte erworben hatte. Am 21. Juni 1816 zu Festenberg unter kümmerlichen Verhältnissen geboren, brachte er es dahin, 1837 die Lehrerprüfung zu Breslau rühmlichst zu bestehen, fungirte zwei Jahre als Lehrer in Neustadt O.-S. und wurde 1839 als erster Lehrer an die hiesige jüdische Stadtschule berufen. Durch eisernen Fleiß brachte er es dahin, 1847 in Breslau das Rectorais - Examen mit dem Prädicate „vorzüglicher Qualification" zu bestehen und erhielt von der Regierung zu Posen den Amtscharakter als Rector, der erste jüdische Lehrer in der Provinz Posen. Nach der Verschmelzung der jüdischen Schule mit den übrigen städtischen Lehranstalten, fungirte er au denselben als Religionslehrer, sowie 30 Jahre lang als Seelsorger bei den jüdischen Gefangenen in der Strafanstalt. Er war sehr beliebt und geachtet, und an seiner Bestattung betheiligten sich die königlichen und städtischen Behörden. Bonn, 22. Juli. (Literarische Notizen.) VonZder vielgerühmten Abhandlung des Prof. Schleiden erscheint mit Unterstützung der Alliance eine ftanzösische Uebersetzung. — In Wien ist die Probenummer eines *ip’,-iyp'ip erschienen. Bekanntlich sind dort und in Pest wiederholt Versuche zur Herausgabe eines jüdischen Witzblattes gemacht worden, die jedoch eine längere Lebensdauer nicht zu erzielen vermochten. Ob dieser Kikeriki eine längere Zeit krähen werde, scheint sehr ungewiß. — Rede am 1. Juli 1877 bei der in der Synagoge zu Darmstadt dem Andenken Sr. König!. Hoheit Ludwig III., Großherzogs von Hessen und bei Rhein geweiheten Trauerfeier. Gehalten von Dr. Julius Landsberger, Großherzogl. Landrabbiner. Darmstadl, Otto. 1877. Eine ebenso geistwie gemüthvolle Auslegung von Jesajas 40, 6—8, in würdiger Haltung, mit Innigkeit, aber ohne Servilismus. — Festrede zum 50jährigen Hochzeitsjubiläum u. s. w. von Rabbiner Simon Alexander in Pless (20. Juni 1877). Eine dem Gegenstände angemessene und herzliche Rede. — Festschrift zur Erinnerung an die feierliche Einweihung des israelitischen Tempels in Linz, des ersten in Oberösterreichs, am 10. Mai 1877, herausgegeben von der israelitischen Cultusgemeinde in Linz. (Linz 1877). Diese Festschrift, welche zugleich die trefflichen Reden bei der Einweihungsfeier enthält, muß für die Theilnehmer des Festes zur angenehmen Erinnerung dienen, da sie die bei dem Banquet gehaltenen Toaste und alle beim Vorstande eingelaufeuen Zuschriften zum Abdruck bringt. Was wir vermissen, ist eine Beschreibung des Tempels selbst. — Auch der Buckhändler Herr S. Blum in Paris ist bereits mit der Herausgabe seines llslemlner L I'usage des Isra&iies für das Jahr 5638, d. i. vom 8. September 1877 bis zum 27. September 187 8 vorgegangen. Nach gewohnter Weise enthält der Kalender die Statistik der französischen Gemeinden, und folgen auf Algerien eie Consistorien und Gemeinden des Reichslandes, denen diesmal sich Belgien und die Gemeinden der Schweiz, letztere jedoch sehr mangelhaft, anschließen. Die Bücherverzeichnisse, welche Herr Blum aus seinem Lager hinzufügt, leiden, besonders der deutsche Theil, an Irrungen und Druckfehlern. — Eine schwerwiegende Frage, welche in der Gegenwart die Geister in allen Kreisen rer staatlichen Gesellschaft beschäftigt, weil sie eben die Interessen aller Mitglieder jedes Staates in sehr reeller Weise berührt, ist die Steuerfrage. Denn in allen Staaten macht sich die Steuerlast in drückender Weise fühlbar, und doch steigern sich die Bedürfnisse des Staates und der Commune bis zur Unabsehbarkeit. Die eigentliche Frage liegt deshalb darin, welche Besteuerung ist die gerechteste, indem sie sich nach der wirklich vorhandenen Steuerkraft vertheilt und zugleich die am wenigsten drückende und schädliche? Wir erhalten soeben: „Die öffentliche Besteuerung. Mit theilweiser Rücksicht auf heimathliche Verhältnisse" von Ignatz Baer. (Pest, Lafite & Elsner). Obgleich der Gegenstand uns hier nicht berührt, wollen wir doch auf diese Schrift aufmerksam machen, da sie auf Grund tüchtiger Studien nach vielen Seiten hin über die obige Frage aufklärt und Aufschlüsse giebt. Wir hätten nur gewünscht, daß die Anordnung des Ma- 31

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