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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-31 · Heft 31 (31.7.1877) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 31 (31.7.1877)
Date
1877-07-31
Page
Seite 491 (sequence 7)
Language
German
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nahm. Vier Jahre spater konnte der Bau des Waisenhauses begonnen werden. Als Hauptförderer ihres Wirkens zeigten sich bei jeder Gelegenheit nicht nur die angesehensten und edelsten Männer beider Provinzen, sondern auch in gleichem Maße die alten Frankfurter Freunde. Es würde uns zu weit führen, wollten wir an dieser Stelle all die edlen Wohlthäter nennen, die durch großherzige Gaben den Bau des Hauses ermöglichten. Mit Stillschweigen wollen wir ferner die Kämpfe und Anfeindungen, die Verkleinerung und Herabsetzung ihrer Bestrebungen übergehen. Hierin theilte sie das Loos aller großen Menschen. Aber jeder Edle wird sich nun des stattlichen Hauses freuen, das für die Israeliten beider Provinzen als Preis so vieler Anstrengungen dasteht, in dem so viele elternlose Kinder einer gesicherten Zukunft entgegengezangen sind, und, will's Gott, noch entgegengehen. Niemals aber vergaß die Stifterin des huldvollen Schutzes der hohen und höchsten Behörden der beiden Provinzen, die ihr in trüben und lichten Tagen mit Rath und That treu zur Seite gestanden haben. Ihr hoher Geist steckte sich immer weitere Ziele, und jemehr ihr der Beifall und die Anerkennung der Höchsten und Besten zu Theil wurde, desto mehr strebte sie in edlem Eifer, dieses Beifalls werth zu sein. Doch nicht bloß in dem Sorgen für das Gedeihen ihrer Anstalt ging ihr Leben auf. Alles geistig Große und Schöne, sei es auf dem Gebiete der Wiffenschaft oder der Kunst, fand allzeit in ihr ein warmes Jnteresie und Verstandniß. In ihrem Wohlthun kannte sie keinen Unterschied des Standes und der Confession; mancher Jünger der Kunst verdankt ihr seine Ausbildung und Zukunft. Ihre geistige Frische blieb ihr bis zum letztem Athemzuge treu; nicht minder ihre warme Fürsorge für ihre Pfleglinge. Segenswünsche für das Wohlergehen der Freunde und Beschützer der Anstalt waren ihre letzten Worte. Alles in Allem genommen, verdankt sie das, was sie geworden, ihrer eigenen Kraft. Der Biograph ihres Lebens muß sie mit dem Maßstabe großer Seelen beurtheilen und bedenken, daß neben so großen Vorzügen auch die Schattenseiten nicht fehlen durften und konnten. Die Nachwelt braucht ihr kein Denkmal zu setzen; sie hat es sich selbst gefetzt. So lange der Tod in die Hütten der Menschheit einkehrt und Wittwen und Waisen zurückläßt, so lange wird der Name „Fanny Nathan" unvergeßlich bleiben: .arrpna-, 277 ->77 arriar?:, E'jrvs.b rnds: -pdir -ps Oesterreich - Ungarn. Tarnow (Galizien), im Juli. In diesen Tagen feierte der hiesige Bischof sein 2 5 jähriges Jubiläum, wozu ihm zahlreiche Ovationen bereitet wurden. Auch die Judengemeinde hak in einer herzlichen Adresse dem kirchlichen Würdenträger, dessen Streben immer auf Eintracht unter den Confefsionen gerichtet war, Glückwünsche ausgesprochen. Diese Adresse hat der Bischof, wie das „Vaterland" meldet, mit folgendem Schreiben beantwortet : An die ehrwürdige israelitische Cultusgemeinde in Tarn ow. Es gereichte uns zu nicht geringem Tröste, Sonntag, am 8. Juli l. I., als wir das 25jährize Bischofsjubiläum feierten, die Ausdrücke der Anhänglichkeit, Verehrung und Dankbarkeit für uns aus dem Munde der P. T. Herren Repräsentanten der ehrwürdigen israelitischen Cultusgemeinde in Tarnow vernommen und aus dem überreichten Album gelesen zu haben. Indem wir hierüber unsere Freude, Zufriedenheit und unseren Dank für die uns geschenkte Aufmerksamkeit hiermit ausfprechen, bitten wir zugleich Gott den Allmächtigen, er möge die Fülle seines göttlichen Segens über eine ehrwürdige israelitische Cultusgemeinde in Tarnow ausgießen. Vom bischöflichen Ordinariate Tarnow, am 11. Juli 1877. Joseph Alois Freiherr v. Pukalski m. j>., Bischof, k. k. wirklicher Geheimrath. Dieses Zeichen confessioneller Eintracht hat einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Wenn übrigens jüngst aus Galizien berichtet wurde, daß in den Landgemeinden eine socialistische Gährung vorhanden sei und sich immer mehr ausbreite, so ist dies völlig unbegründet. Salzburg, 18. Juli. Die Friedhofsfrage, die an so vielen Plätzen Zwietracht und Consticte hervorruft, verschont die hiesige Stadt hiermit nicht. Die Stadt hat für 30,000 Gulden einen Platz zu einem Centralfriedhofe längst gekauft; das erzbischöfliche Ordinariat verlangt, dem Friedhof den katholischen Charakter ausschließlich zu geben. Die Regierung hat nunmehr von der Commune einen Bericht abgeforcert, wie künftighin die Frage der Beerdigung von Israeliten geregelt werden würde, da kürzlich ein Fall vorkam, daß einem im Spitale verstorbenen Israeliten die Beerdigung auf dem Spitals-Friedhofe verweigert wurde und die Leiche nach Lin; überführt werden mußte. Das Gesetz vom 25. Mai 1568 bestimmt, daß keine Religionsgemeinde der Leiche eines ihr nicht Angehörigen die anständige Beerdigung auf ihrem Friedhofe versagen dürfe, wenn im Umkreis der Ortsgemeinde kein der Cultusgemeinde des Verstorbenen gehöriger Friedhof sich befindet. Nun unterliegt es aber wohl keinem Zweifel, daß in einem von einer politischen Gemeinde errichteten Friedhof nur die vollste Parität eintreten kann. Zudem hat das Ministerium in einem speciellen Falle entschieden, daß Nichtkatholiken zur Errichtung eines eigenen Friedhofes nicht gezwungen werden können, und daß die Zuweisung eines besonderen Raumes nur mit ihrer freiwilligen Zustimmung erfolgen dürfe, daß sie somit das Recht haben, in der nach der Friedhofsordnung bestimmten Reihe begraben zu werden. Das protestantische Pfarramt hat erklärt, daß es die Einweihung des Friedhofs rem katholischen Ritus überlasten wolle mit Rücksicht auf die katholischen Gefühle der Bevölkerung, unter dem Vorbehalt, daß die protestantischen Leichen in Reih und Glied begraben werden. Das fürsterzbischöfliche

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