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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-31 · Heft 31 (31.7.1877) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 31 (31.7.1877)
Date
1877-07-31
Page
Seite 490 (sequence 6)
Language
German
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490 lis hierüber gar keinen Zweifel bestehen, da sie nur mit dem bezeichneten Begriff einen Sinn geben. Eine nähere Auseinandersetzung dürste unnöthig sein. L. Leobschütz (Oberschlesien). 16. Juli. (Privatmittheilung.) In einer Nummer Ihrer geschätzten Zeitung wurde von hier aus geschrieben, daß der jüdische Religionsunterricht auch an dem hiesigen Gymnasium vom Minister angeordnet und mir übertragen wurde. Derartige Nachrichten erwecken in dem wahren Israeliten ein freudiges Gefühl, denn wir sehen uns dem Ziel unserer Wünsche immer um einen Schritt näher gebracht. Betrübend ist es jedoch, wenn dem Religionslehrer in seinem Amte noch immer Hinderniffe und Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, wenn ihm in seinem Streben ein lästiger Hemmschuh angelegt wird. und dies nicht etwa von Seiten der Regierung, sondern von Personen, die sich als die Pioniere des Juventhums ausstellen. Bei der Uebernahme meines hiesigen Posten, forderte das Provinzialschulcollegium zu Breslau einen Lehrplan und ein Exemplar des Lehrbuches für den Religionsunterricht von mir ein. Als Lehrbuch für den Religionsunterricht habe ich das vielfach bewährte und bekannte Religionsbuch: „Jesode ha-lhora Glaubens- und Pflichtenlehren für israelitische Schulen" von vr. S. Herxheimer eingesandl und auch darnach den Lehrplan bearbeitet. Nachdem ich nun schon seit dem 1. April er. nach den Grundsätzen des obengenannten Lehrbuches den Religionsunterricht an dem hiesigen Gymnasium ertheile, wird mir in voriger Woche vom Provinzialschulcollegium der Bescheid, daß es das Einführen des Herxheimerschen Religionsbuches nicht genehmigen könne, weil nach dem abgegebenen Gutachten des Herrn Landesrabbiners Tiktin zu Breslau, dieses Religionsbuch viele Grundsätze gegen die jüdischen Dogmen enthalte. Das Provinzialschulccllegium empsiehlt mir, aus Borschlag des Herrn Lanoesrabbiners Tiktin, das Religionsbuch von Vr. Feilchenfelv, Rabb. zu Mecklenburg-Schwerin. *) Ein Unheil über das uns vom Herrn Lancesrabbiner empfohlene Religionsbuch kann ich mir zwar nichr erlauben, weil ich es nicht kenne, aber soviel merke ich, daß die darin enthaltenen Grundsätze den jüdischen Dogmen nach Tictin'scher Auffaffung entsprechen. Die Gemeinde aber, in der ich hier wirke, ist. Dank den mühevollen Bestrebungen eines hiesigen sehr achtbaren Gemeindemitgliedes, des Herrn B. Holländer, eine solche, die den Principien eines Philippsvn und Herxheimer huldigt, sie will auch ihre Kinder nach diesen Principien unterrichtet wiffen. Bon vielen Gemeindemitgliedern ist mir sogar versichert worden, daß sie ihre Kinder von dem Religionsunterricht dispensiren laffen, t) DieS ist ein Jrrthurn. Das beregte Buch ist von vr. Feilchensetd in Diisieldors, jetzt in Posen, versaßt. Es ist dies bezüglich der Richtung von Erheblichkeit. Redaction. wenn das vr. Herxhermer'sche Religionsbuch nicht als Lehrbuch beibehalten wird. Ich richte daher an Sie, im Jntereffe der gerechten und guten Sache, die ganz ergebene Bitte, mir einen Rath zu erlheilen, auf welche Weise ich die Genehmigung, das Herxheimer'sche Religionsbuch als Lehrbuch beibehalten zu können, erlangen kann. -) I. Grunwald, Prediger und Israel. Religionslehrer am hiesigen Königl. Gymnasium. Paderborn, 15. Juli. lPrivatmilth.) rrs'-n rs3«_~5? ■'rar ra -n;d Vr: Heute wurde die sterbliche Hülle der Gründerin und Vorsteherin des israelitischen Waisenhauses für Westphalen und Rheinland zu Grabe getragen. Ihre Freunde und Verehrer waren auf die erfolgte Traueranzeige hin von allen Seiten zahlreich herbeigeeilt, um die Heimgegangene auf ihrem letzten Gange zu begleiten. Ein reiches Geistes- und Thatenleben fand hier seinen Abschluß. Fanny Nathan wurde am 2. Mar 1803 zu Paderborn geboren. Nachdem sie die ersten Jugendjahre in ihrer Heimach verlebt, führte sie ihr Geschick nach Frankfurt, wo das bewegte Leben einer großen Stadt und der Verkehr mit liebenswürdigen und bedeutenden Menschen auf ihr eindrucksfähiges Gemüth von großem Einfluß war. Noch ahnte sie nicht, daß die hier angeknüpfcen Beziehungen den Grundstein zu dem größten Werke ihres Lebens bilden sollten. Früh der Ellern beraubt und auf ihre eigene Thätigkeit angewiesen, errichtete sie nach ihrer Rückkehr in die Heimath ein Mädchen-Pensionat, dem bald die ersten israelitischen Familien Westphalens unv Rheinlands ihre Töchter zuführten. Fünfundzwanzig Jahre stand sie diesem Berufe in unermüdeter Thätigkeit vor; selbst hochgestellte Persönlichkeiten der nichtjüdischcn Welt wurden die Gönner und Förderer ihres Institutes. In dieser Periode ihres Lebens eignete sie sich jene Tüchtigkeit an, die für ihr späteres Wirken so unentbehrlich war. In einem Alter, wo für die meisten Menschen die Zeit des Handelns aufhört, im 53. Lebensjahre, ging sie an die Realisirung ihrer Lieblingsidee: nunmehr ihr Leben der ärmsten Kindheit, den verlaffenen Waisen, zu weihen. Die Wege hierzu waren nicht gebahnt. Ohne alle pecuniären Mittel stand ihr kein anderes Capital zu Gebote, als ihre energische Willens- und Thalkraft, ihr Vertrauen auf Gott und auf die Barmherzigkeit der Menschen. Gleich ihrem großen Vorbilde, dem Stifter des Halle'schen Waisenhauses, H. A. Franke, reiste sie nun von Stadt zu Stadt, mit männlicher Entschloffenheit für ihre Sache wirkend, vor keinen Hinderniffen und Mühseligkeiten zurückschreckend, durch ihre seltene Beredtsamkeit und ihre Begeisterung die Herzen der Menschen für ihre Waisen erwärmend. Am 4. Marz 1856 eröffnele sie ihre Anstalt mit zwei Waisenknaben, die sie zuerst in ihre Privatwohnung auf- 2) Die in obiger Correspondenz mitgetheilte Thatsache ist von großer Bedeutung, und werden wir sie daher in nächster Nummer ausführlich besprechen. Rcdaetion.

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