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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-31 · Heft 31 (31.7.1877) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 31 (31.7.1877)
Date
1877-07-31
Page
Seite 487 (sequence 3)
Language
German
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487 erklärlicher macht. Bon den an der Ostgrenze des egyptischen Reiches wohnenden kriegerischen semitischen Stämmen der Schasu < Hirten, Beduinen) hatte sich ein Strom über Egypten gewalzt, das Land unterworfen und eine Fremdherrschaft gegründet, deren Dauer auf vier Jahrhunderte angegeben wird. Das einheimische Königshaus war zu Hak, v. i. Unterkönigen, in einigen oberegyptischen Gauen herabgedrückt. Erst nach der angegebenen Zeit erhob sich der Pharaonenstamm wieder aus seiner Erniedrigung, besiegte die Fremdherrscher und gründete sein Reich von Neuem mit dem achtzehnten Königshause. Diese Fremden nannte man Hyksos, d. i. „Könige, Hirten" oder „Hirten-Könige." „Hyk" König, „Sos" Hirt; bas zweite Wort deutet aber zugleich auf den Namen der Stamme, nämlich Schusa hin. Die Hyksos waren also arabischen Ursprungs. Diese Fremden hatten neben den Sitten der Egypter auch die amtliche Sprache und die heilige Schrift derselben angenommen und ihre ganze Hofhaltung war nach egyptischen Vorbildern angelegt. Während aber die Geschichte dieser Fremdherrschaft durch die spätere Vernichtung oder Entstellung aller sie betreffenden Denkmäler verloren gegangen, so ist uns doch gerade über das Ende derselben durch eine Papyrusrolle das Nähere überliefert worden, sowie durch einen großen Wandtext einer Grabkammer zu El Kab. Jndeß geht aus Allem hervor, daß innerhalb des Volkes selbst ein entschiedener Haß zwischen den Fremden und den Egyptern nicht stattgefunden. Eines dieser Hyksoskönige Diener war nun Joseph. Der glückliche Fund eines Denksteines in Tanis giebt einen bestimmten Anhalt zur Berechnung der Zeit. Die Inschrift aus den Tagen des zweiten Ramses um 1350 beginnt mit den Worten: „Im Jahre 400 am 4. Tage des Monats Mesori des Königs Nub. Hieraus ergiebt sich, daß die Herrschaft des Hyksoskönigs Nub auf 1750 fällt. Nun giebt 2 Mos. 12, 40 den Aufenthalt Israels in Egypten auf 430 Jahre an. Der Auszug geschah nach der jetzt allgemeinsten Annahme nach dem Tode Ramses II, unter dessen Sohn Mineptah, also um 1300. Somit erhalten wir für die Einwanderung Jakobs und die Amtsthäligkeit Josephs annähernd das Jahr 1730 ungefähr um die Regierung des Fremdherrschers Nub. Von hier aus gehen wir in das Einzelne der Geschichte Josephs ein. (Forts, folgt.) Deutschland. Fraukfurt am Main, 17. Juli. (Privatmittheilung.) Ich stand eine Weile an, über das jüngste Pamphlet des Herrn S. R. Hirsch, die Antwort auf die „Offene Antwort" des Districtsrabbiners Herrn Bamberger zu Würzburg auf den „Offenen Brief", den Hirsch an Bamberger gerichtet, an dieser Stelle zu berichten. Es ist nicht meine Schuld, sondern die des Titels, welchen Hirsch seiner Streitschrift giebt, wenn dem Leser aus obigem die Kette dieser Broschüren, mit denen sich die beiden früheren Freunde bombrrdiren, nicht ganz klar wird. Hirsch schoß auf Bamberger, Bamberger schoß auf Hirsch, und nun schießt Hirsch wieder auf Bamberger — ein regelrechtes Duell mit papierenen Revolvern. Ich zögerte, sage ich, mit meinem Berichte, denn die Sache fängt an, langweilig, wenn nicht widerwärtig zu werden, und so könnte daffelbe Schicksal meiner Correspondenz bei der Mehrzahl der Leser widerfahren, denen diese „Zänkerei am häuslichen Herde" der stabilen und der neuorthodoxen Partei sehr gleichgültig sein möchte. Was mich nämlich besonders anwidert, das ist, daß aus diesem Schriftwechsel mir nur ein Hauch wie aus alten Grüften herauszuwehen scheint, so ein Modergeruch, wie er sehr hochbetagte Menschen umgeben soll. Denn allerdings ist hier nichts von ftischem Leben, von gesunder, kräftiger Geistesbewegung zu finden; was in dieser jüngsten Streitschrift des Herrn Hirsch von Leben zu spüren ist, das ist nichts als persönliche Leidenschaft, eine Wuth des Zornes und des Grimmes, wie sie bei jüd. Theologen in einem Streite mittc&fcte&fce**/. einander doch selten uns begegnet. Es ist dies erklärlich, denn Hirsch ist in seinen persönlichsten Interessen verletzt. Er hatte das Austrittsgesetz ganz besonders für seine Religionsgesellschaft bewirkt. 9hm trat selbst diese nur zu einem Fünftel aus der Gemeinde. Darauf verbietet er aus seiner rabbinischen Machtfülle das Verbleiben in der Gemeinde. Auch dieser Bann hilft nichts, und die sich ihm nicht fügen wollen, wenden sich an Bamberger. Dieser erklärt das Verbleiben für erlaubt, sobald die Gemeinde für orthodoxe Anstalten gesorgt hat. Unter dem Schutze solcher Autorität will das Austrittsgeschäft nicht vorwärts gehen. Hirsch ist außer sich, donnert gegen Oie Ungehorsamen, welche seine Unfehlbarkeit nicht anerkennen wollen, und schreibt seinen offenen Brief gegen Bamberger. Dieser schreibt seine Antwort, welche voll stiller Satire gegen Hirsch ist. Die rabbinische Autorität des Herrn Hirsch war nie sehr groß; durch diese Replik wurde sie ganz in Frage gestellt. Dies mußte Hirsch ganz außer Fassung bringen, und er schreibt die vorliegende Duplik. So wie sie beschaffen ist, kann Bamberger unter keiner Bedingung schweigen. Abgesehen nun, daß Hirsch in derselben eine große Masse von Citaten häuft, um seine angezweifelte Gelehrsamkeit doch noch zu beweisen, zeichnet sie sich durch die Grobheiten aus, mit denen er Bamberger überschüttet. Schon auf der ersten Seite wird B. für unvernünftig, alles was er geschrieben für nichtig, er selbst von „maßlosem Größenwahn" verleitet und von „doppelt bemitleidenswerther Blöße" erklärt. Der „maßlose Größendünkel" spielt im Folgenden eine gewaltige Rolle, und wirb B. eine „unbegreistiche Befangenheit, Verkennung, Verleugnung 31*

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