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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-31 · Heft 31 (31.7.1877) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 31 (31.7.1877)
Date
1877-07-31
Page
Seite 486 (sequence 2)
Language
German
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486 verschieden; Brugsch selbst nimmt 4455 an. Ein naherliegendes Beispiel besteht darin, daß die meisten neueren Egyptologen in dem öfter vorkommenden Volksnamen Apriu mit Bestimmtheit die Hebräer bezeichnet ansahen, was uns, wenn es richtig wäre, mancherlei Aufschlüsse geben würde. Brugsch bekämpft dies S. 582, indem er 'Aper, 'Apura, 'Aperiu „Rothhäute" überträgt und für den Namen der erythräischen Bewohner im Osten vom heliopolitischen Gau am „Rothen Gebirge" ansieht, theils weil sie als Reiter oder Ritter erwähnt werden, die auf des Königs Befehl ihre Rosse besteigen, in Verbindung mit Pferdezucht und Reitkunst, theils weil sie auch nach dem Auszuge der Israeliten, z. B. aus den Zeilen des III. und des IV. Ramses als Ansiedler erwähnt werden (jedoch an Zahl nur 2083 und 800!) und zwar mit den Worten: „Ritter, Söhne von Königen und Edele Herren." Hiergegen ließe sich einwenden, daß bei dem Bau verschiedener Gebäude unter Ramses II, dem Pharao der Bedrückung, die Apuirui die schweren Werkstücke aus den Steinbrüchen des troischen Gebirges heranziehen mußten, wobei auch noch der Anführer der Häscher genannt wird, namentlich Ameneman (S. 541), und Brugsch selbst bemerkt, daß dieser „Ameneman wahrscheinlich der von Ramses II eingesetzte unmittelbare Bedrücker der Kinder Jsrael's in Egypten gewesen war." Die Aprius wurden also jedenfalls als Sklaven bei dem Bau verwendet. Daß ein Theil derselben Pferdezucht in Egypten betrieben, spräche nicht durchaus gegen die Meinung, daß sie die Hebräer gewesen. Auch daß wiederholt den Israeliten verboten wird, um der Roffe willen nach Egypten zu ziehen (5 Mos. 17, 16. Jes. 31, 1.3), könnte auf Pferdezucht seitens der Israeliten während ihres Aufenthalts in Egypten gedeutet werden, da ja auch die Kanaaniter und Syrer Reiterei und Streitwagen hatten, also später von ihnen Pferde zu haben waren. Wir bemerken dies, nicht um die gewöhnliche Ansicht zu sichern, sondern nur um zu zeigen, wie ungewiß noch derartige, sonst so bestimmt auftretende Meinungen sind. Ueberhaupt ist es sehr zu bedauern, daß gerade die Ereignisse, welche uns bezüglich der h. Schrift am meisten interessiren, die Einwanderung der Israeliten in Egypten, also die Geschichte Joseph's und der Auszug aus Egypten von den Denkmälern und Inschriften wenig Aufklärung zu erwarten haben, höchstens aus einzelnen Bemerkungen der Papyrusrollen, wobei wir schon hier bemerken wollen, daß Brugsch jener von Lauch entzifferten Anklageschrift des Hui gegen Mesu (Moses) nicht die geringste Erwähnung thut, sie also in keiner Weise als richtig übersetzt und ausgelezt anerkennt. Es kam jenes daher, daß die Egypter es vermieden, von unglücklichen Ereignissen und Zeiten zu sprechen und deren Gedächtniß zu verewigen, vielmehr deren Spuren möglichst zu verwischen suchten. Ihre überall zu Tage tretende Ruhmredigkeit und Prahlerei, mit der sie jeden ihrer glücklicheren Könige zu einem Gotte, jede erfolgreiche That zu einem Weltwunder aufbauschien, vertrug die Erinnerung an Unglückssälle und Niederlagen nicht. Daher läßt sich gar nicht hoffen, daß wir bestimmte Ueberlieferungen über den Auszug der Israeliten und den Untergang des egyptischen Königs undHeeres auffinden werden. Nun war auch Joseph der hochgestellte Diener eines der Hyksoskönige, also eines der Fremdherrscher, und die Egypter haben die Geschichte dieser ganzen Fremdherrschaft auf den Denkmälern verwischt. Sehen wir zu, was nun Brugsch über diese beiden Begebenheiten mitzutheilen weiß. — Im elften Capitel bespricht Brugsch, nachdem er die Geschichte der ersten 13 Königshäuser nach den freilich geringen Resten, die uns davon Kunde geben, dargestellt hat, „die Semiten und Egypter". In den Ostmarken Unteregyptens nämlich hat sich, wie er nachweist, der Semitismus nach den Zeugniffen der Denkmäler eine alte Wohnstätte gewonnen. Der Hauptort führte die fremdländische Bezeichnung Zar oder Tanis, d. i. das Zoan der h. Schrift und wird in den egyptischen Inschriften als eine wesentlich fremde Stadt bezeichnet. Außerdem führen viele Oertlichkeiten, Seen und Gewässer dieser Gaue semitische Namen. Wir haben hier auch Succoth, Charma, Chetam, Magdol u. s. w., lauter semitische Namen. So sind auch On, Ozäb, Bailos, Schockana, Kahani nur aus dem Hebräischen zu erklären. Egypter jener Ostmarken führten sogar mit Vorliebe semitische Namen; Pferd und Kameel, die sie den Semiten entlehnten, behielten die Namen Sus und Kamal. Rosch, Sar, Beit, Vab, Bir, Kelem, Schalom, Rom, Barak sind gebräuchliche semitische Wörter. Selbst semitischer Götzendienst drang in das Egyptische ein, besonders Baal und Astarta. Aus allem Diesem geht unleugbar die Anwesenheit semitischer Stämme und Ansiedler in den Ostgauen, sowie der bedeutende Einfluß hervor, den sie auf die Egypter unv zwar selbst auf die gebildeten Stände übten. Aus den Zeiten des ersten Minepta's, also vor der Bedrückung besteht eine Urkunde, in welcher ein Beamter seinem Vorgesetzten meldet, daß man Einwanderern aus Edom den Durchgang durch die Beste Chetam in dem Lande Sukot gestattet habe, „um sie zu ernähren und um zu ernähren ihr Vieh auf dem Besitzthum Pharao's, welcher eine gütige Sonne ist für alle Völker." Ebenso sicher standen die Egypter schon seit grauer Vorzeit mit den palästinensischen Völkern, besonders auch mit den Phöniziern (Char, Zor, Tyrus) in starkem Handelsverkehr und auch von diesen letzteren halten sich viele im Tanitischen Gau ansässig gemacht. Will doch Brugsch selbst noch heute Abkömmlinge dieser egyptischen Phönizier aufgefunden haben, die sich von den Kopten in ihrer Physiognomie und Gestalt sehr unterscheiden. — Hiermit ist der geschichtliche Boden für die Einwanderung wie für die Auswanderung der Israeliten gewonnen. Die Aufnahme eines semitischen Geschlechtes in den Ostmarken Unteregyptens kann nicht mehr auffallen, und gerade in denselben Bezirken spielt nachmals die Geschichte des Auszuges, llnterdeß war jedoch eine große geschichtliche Wandelung in Egypten vor sich gegangen, welche die Erhebung des Semiten Joseph zum Avon d. i. höchsten Beamten — auch dieser Titel, den^.Joseph sich beilegt, kommt in den Inschriften vor — noch

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