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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-24 · Heft 30 (24.7.1877) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 30 (24.7.1877)
Date
1877-07-24
Page
Seite 475 (sequence 7)
Language
German
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475 gewidmeten „Zwei Reden", welche als Separatabdrnck der bei der Linzer Cultusgemeinde ausgegebenen Festschrift erschienen sind. Vergangene Woche traf nun bei unserm Rabbiner das Antwortschreiben ein, das wörtlich lautet: London, 10. Tamus 5637. Hochgeehrter Herr Doctor! Ihre wertbe Zuschrift nebst zwei Reden zum Abschiede vom alten Bethause und zur Einweihung des neuen israelitischen Tempels in Linz sind mir zwar vor einigen Tagen schon zu Händen gekommen, ich wollte aber nicht eher an Sie schreiben, als bis der Inhalt derselben mir klar geworden sein würde. Es macht mir nun jetzt destomehr Vergnügen, da ich beide Reden gelesen habe, Ihnen meinen innigsten Dank auszusprechen für die inhaltreichen Worte und hohen Lehren, die Sie bei dieser Gelegenheit sich bestrebt haben, Ihrer Gemeinde sowohl, als allen Anderen dort zur Zeit Anwesenden so kraftvoll und begeisternd einzuflößen. Fahren Sie fort, das Wort Gottes in seiner Klarheit zu verkünden, und kommende Generationen werden Sie dafür segnen. Für das gefällige Anerbieten Ihrer wohlloblichen Gemeinde, mich zum Ehrenmitgliede ernennen zu wollen, bin ich höchst verbunden und nehme es mit Vergnügen an, da ich mich überzeugt halte, daß dieselbe meine religiösen Ansichten theilend, stets nach den Principien des Conservatismus im Iutenthume handeln und dadurch allen andern Gemeinden als Muster der wahren Gottesfurcht dienen werde. Gestatten Sie mir, daß ich Sie bitte, mich dem geehrten Herrn Dr. Winternitz ebenso wie den sämmtlichen Mitgliedern res wohllöblichen Vorstandes und der würdigen Gemeinde bestens zu empfehlen, und ihnen meinen wärmsten Dank für die mir beabsichtigte Ehrenbezeugung mitzutheilen. Da Sie in Ihrer Rede „zum Abschiede aus dem alten Bethause" die Tochter Zions erwähnten, wird es Sie wohl interessiren, etwas Näheres über die jetzigen Verhälrniffe der heiligen Stadt und deren Institute zu erfahren; ich mache mir deshalb das Vergnügen, Ihnen eine Beschreibung meines letzten Aufenthaltes in dem Lande Israels per Bücherpost zu übersenden. Mit dem Wunsche, daß Sie der liebe Gott beim besten Wohlsein erhalte, Ihnen Kraft und Muth verleihe, Licht und Wahrheit überall zu verbreiten Ieliagdil tliorah ulehaadirali uleharitn keran Jisrael, bleibe ich mit vieler Hochachtung Ihr ergebener Moses Montefiore. Auch unser Vorsteher, Herr Dr. Winternitz und Herr I. S. Wallerstein erhielten als Beweise der Anerkennung ihrer Verdienste das Werk Sir Moses'. Die künstlerische Ausstattung des Diplomes wurde dem hiesigen rühmlichst bekannten Profeffor Kaiser übertragen. Preßburg, 8. Juli. Unangenehmes Aufsehen — schreibt die „Preßburger Zeitung" — erregt ein Vorfall, der sich bei der jüngsten Lehrbefähungsprüfung an der hiesigen Staats- Lehrerinnen - Präparandie zutrug. Bei derselben wurden selbstverständlich die Zöglinge auch aus der Religion geprüft, und war deshalb ein erzbischöflicher Commiffär, Domherr Gäly, anwesend. Nack geschebener Prüfung richtete nun der genannte Domherr eine Ansprache an die Lehranns-Candidatinnen, in der er sie vor dem Umgänge mit Jüdinnen warnte, die ja ohnehin die Christinnen überall verdrängen. Selbst in einer rein katholischen Schule geschehen, wurde eine solche Aufhetzung gegen Andersgläubige als eine Verletzung der priesterlichen Versöhnungsmission ausgefaßt werden. In einer simultanen Staatsanstalt aber potenzirt sich eine derartige Tacilosigkeit zu einem unqualificirbaren Vorgehen, das nicht anders gesühnt werden kann, als indem zum Mindesten sofort ein anderer erzbischöflicher Commisiär ernannt wird. Rußland. Moskau, 9. Juli. lPrivatmitth.) Im Nr. 24 dieser Zeitung sinder sich eine Miltheilung aus St. Petersburg über die dortigen jüdischen Gemeindeverhältniffe, welche bei vielfachem Wahren doch auch einiges Unrichtige und Lückenhafte enthält, — welches zu berichtigen und zu ergänzen, wie ich zu glauben wage, sowohl das Pflichtgefühl, als das allgemeine Interesie der im Innern Rußlands wohnhaften Juden fordert. Denn das von Herrn F. G. über die jüdischen Gemeindeangelegenheiten in St. Petersburg Ausgesagte berührt, im Allgemeinen, alle in Groß- Rußlanv in jüngster Zeit emporgekommenen Judengemeinden; sie alle leiden an denselben Uebeln, an welchen die St. Pertersburger Gemeinde leidet. In Folge mancher gesetzlichen Erleichterungen ließen sich viele Juden in Groß-Rußland nieder, wuchsen in manchen Städten zu einer bedeutenden Zahl an, aber nirgends leider konnten sie und können sie sich bis jetzt noch zu wohlgeordneten Gemeinden gestalten. In Moskau z. B. sind ebenfalls bei 15—2(J Tausend Juden wohnhaft, — bilden dennoch kein organisches Ganzes. — Dieser Umstand allein also beweist schon genügend, daß der Regelung und normalen Entwickelung der im innern Rußland wohnhaften Iudengemeinden ganz andere Hindernisie im Wege liegen, als diejenigen, die der Herr F. G. in seinem Briefe anführt. Da der Gegenstand für uns, in Groß- Rußland ansässigen Juden, von höchster Wichtigkeit ist, so wage ich es über denselben manche Aufklärungen zu geben — vielleicht wird unser schwaches Wort für manch hochgestellte und Macht habende Person nicht folgenlos vorübergehen. Mit Unrecht schiebt Herr F. G. die ganze Schuld der Zerfahrenheit und Nichtorganisirtheit der St. Petersburger Iudengemeinde einzig und allein auf die Mitglieder derselben, indem er schreibt: „Und dennoch ist weitgefehlt, wenn man glauben wollte, die Regierung räume uns das Recht nicht ein, eine Gemeinde

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