Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1877)
- Date
- 1877-07-24
- Page
- Seite 474 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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474 tixucj 6accc£txclateu,. Deutschland. Königsberg i. Pr., 9. Juli. (Privatmitlh.) Ich beeile mich. Ihnen mitzutheilen, Laß die (officielle- „tlcordd. Allg. Zlg." als Candidaten für ven Posten eines Landesdireclors für Ostpreußen ren Gutsbesitzer 0>. Aschenheim in Preßnicken bezeichnet. Derselbe ist Jude und Mitglied der hiesigen Synagogengemeince, war auch bisher bereits anerkannt eines der tüchtigsten Mitglieder sowohl des Ausschußes des hiesigen Landkreises als auch des Provinzialausschusses. Die Wahl resp. die Bestätigung desselben zu diesem höchsten Amte der Provinzialoerwallung würde für Preußen einen ungemein großen Fortschritt bezeichnen. Nürnberg, im Juli. (Privatmiltheil.) Im Anschluß an die Correspondenz aus Königsberg in Nummer 25. d. Zeitung, erlaube ich mir mitzutheilen, daß in der hiesigen, im Ganzen doch noch so kurzlebigen Gemeinde eine israelitische Gemeindebiblioihek gegründet worden, von deren Statuten ich ein Exemplar beilege. Einige Bestimmungen derselben stelle ich hierher. Die Bibliothek beruht auf einem Vereine, dessen Mitglieder jährlich je mindestens l Mark zahlen. Die Verwaltung besteht aus 4 auf 3 Jahre gewählten Mitgliedern; der Vorsitzende ist der jeweilige Rabbiner, der auch die anzuschassenden Bücher vorzuschlagen hat. Zum Local der Bibliothek gewährte der Gemeindevorstand den Gemeindesaal. Tie Bibliothek ist zu bestimmten Zeilen für die Mitglieder des Vereins geössnet, um die ausgelegten jüv. Zeitungen oder Bücher zu lesen. Später erst werden Bücher nach Hause verliehen werden. Pamphletschriften gegen Juden und Judenthum bleiben ausgeschlossen. Zunächst sollen nur Bücher in lebenden Sprachen angefchassl werden. Von den Einnahmen sollen 60 pCt. zurückzelegt werden, um in Zukunft an sämmtliche Religionsschüler und Schülerinnen der hiesigen Lehranstalten ein geeignetes Buch jüdischen Inhalts als Chanukkagabe vertheilen zu können. Auch soll alljährlich am Purimfeste, am Tage der Begründung der Bibliothek ein Portrait eines bedeutenden jüdischen Mannes für den Gemeindesaal gekauft werden. (Wir hätten gewünscht, auch etwas darüber zu erfahren, in wie weit Liefe Statuten bereits zur Ausführung gekommen. Jedenfalls empfehlen wir dieses Beispiel zu eifriger Nachahmung. Red action.) Berlin, 12. Juli. (Privalmillh.) Da einmal der Angelegenheit in dieser Zeitung Erwähnung geschehen, muß hinzugefügt werden, daß der Unlerrichlsminisler die Remorion des Dr. Dühring von der Privatdocenlur ausgesprochen und sogar bestimmt hat, daß D. seine Vorlesungen während des Sommersemesters nicht beenden dürfe. Der Wortlaut des Erlasses, sowie dessen Motivirung sollen verössentlicht werden. Auch dieses Beispiel erweist, daß Ungerechtigkeit und Gehässigkeit gegen die Juden stets mit der gleichen Gesinnung auch gegen Andere, mit einer unsittlichen Tendenz im Denken und Fühlen verbunden sind, und auf diesem Wege häufig die Strafe etntritt, die längst an den Juden verdient worden. Wir wollen damit sagen, daß die ungerechtfertigte Gehässigkeit gegen unsre Glaubensgenossenschaft sich mit einem reinen und edlen Charakter nicht vereinigt, und daß hieraus eine Handlungsweise in allen Lebenszweigen entspringt, welche schließlich zum Nachtheil, weil zum allgemeinen Aergerniß, für den Betreffenden selbst ausfallen muß. Wer sich der schmählichen Urtheile erinnert, die vr. Dühring über die wissenschaftlichen Männer ausgoß, welche dem Judenlhume angehören, wird es nur folgerichtig finden, daß derselbe in gleicher Weise gegen die verdientesten Capacitälen und alle wissenschaftlichen Institute verfuhr, bis sein Benehmen unverträglich mit dem öffentlichen Lehramle geworden. — Hier sei auch bemerkt, daß nach einer Veröffentlichung im Staalsanzeiger der Johannilerorden sich nicht geweigert, türkische Verwundete zu verpflegen, sondern deren schon viele in seinem Krankenhause zu Beirulh ausgenommen habe. — In Regierungskreisen ist jetzt einmal wieder viel von der Stärkung und Festigung der evangelischen Kirche, gegenüber dem Unglauben, der sich in Bezug auf das apostolische Bekennlniß selbst auf den Kreissynoden kund gethan, die Rede. Es ist nicht unsere Sache, diesen Gegenstand näher zu erörtern. Aber zu renken giebt es, daß man an ein festeres Zusammenfassen in der evangelischen Kirche denkt, zu einer Zeit, wo man durch das Auslritlsgesetz das Judenlhum sich jeder möglichen Lockerung und Zersetzung hingegeben hat. Oesterreich - Ungarn. Linz a. d. Donau, im Juli. (Privalmitth.) Unser neues Gotteshaus erhielt unter andern Geschenken auch einen prachtvollen silbernen Pokal und ein neues Sepher Thora von Sir Moses Montesiore Bart, als Zeichen seines Wohlwollens für unsere Gemeinde und wie er in seinem Schreiben hinzufügt „als Beweis der hohen Achtung, die ich für Ihren Rabbiner, Herrn Di*. Kurrein hege". Um nun diesem um die Juden so wohlverdienten Manne, diesem wohlgesinnten Gönner unserer Gemeinde, den höchsten Dank, den eine Cultusgemeinde einer solchen Persönlichkeit verleihen kann, auszudrücken, wurde in einer am 20. Mai abgehaltenen Generalversammlung einhellig beschlossen, an Sir Moses Montesiore, Bart. Lurch Herrn l>r. Kurrein das ergebene Ansuchen stellen zu lassen, die Ehrenmitgliedschaft der Linzer Cultusgemeinde freundlich annehmen zu wollen. Herr I)r. Kurrein übernahm mit der größten Bereitwilligkeit diesen ehrenwerthen Auftrag und begleitete ihn mit der Uebersendung seiner Sir MoseS