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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-17 · Heft 29 (17.7.1877) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 29 (17.7.1877)
Date
1877-07-17
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
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459 glauben nicht, daß, soweit ein Wort es gestattet, es an Klarheit unsres Zweckes fehlt. Es wird von dem Ausfall und Erfolge unsres Aufrufs abhängen, wie weit der Zweck zur Verwirklichung gebracht werden könne. Es kommt darauf an, ob unser Aufruf mit dem Herzen aufgefaßt werde, um unsrem Werke eine reiche Zukunft zu sichern. Ich wiederhole, die jungen Leute, die unterstützt werden sollen, gehören allen Nationalitäten an, und vertrauen der Solidarität, welche den Israeliten der ganzen Welt obliegt." Nach dieser Erklärung dessen, was beabsichtigt wird, kann es nicht zweifelhaft sein, daß es ein Werk Aller für Alle ist, welches unsre Glaubensgenoffen in Paris auszuführen sich bestreben, und daß ihm daher die Sympathien aller wohlwollenden Israeliten sich zuwenden müffen. Wir haben bereits erklärt, daß auch wir gern zur Annahme von Spenden und zur Berichterstattung in dieser Zeitung bereit sind. Die Redaction. Schweden. Totheuburg, 6. Juli. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, zu der einfachen Mittheilung in dieser Zeitung, daß der Jurist Herr Emil Wolff, Sohn unseres Rabbiners, Herrn Or. M. Wolfs, zum Richter ernannt worden, einiges Nähere hinzuzufügen. Man war hier in den jüdischen Kreisen sehr gespannt darauf, ob die Ernennung des Herrn Emil Wolff zum Richter höhern Ortes genehmigt werden wirb, oder nicht? Die allgemein bekannte Tüchtigkeit und dex ausgezeichnete Charakter des erst 24jährigen Mannes, sowie die herzliche Befürwortung der höchsten Persönlichkeiten wollten zwar keinen eigentlichen Zweifel aufkommen laffen; allein immerhin ist Herr Wolff der erste Jude in Schweden, der das Richteramt über 6 0,000 Seelen ausüben sollte. Mit aufrichtigster Freude ward daher die erfolgte Genehmigung allgemein begrüßt, und die warme Theilnahme zeigte sich in den herzlichsten Beglückwünschungen des jugendlichen Richters. Zur Charakteristik verdient noch erwähnt zu werten, daß Herr Emil Wolff durch die größte Geistesanstrengung es dahin gebracht, seine Studien in Upsala viel früher, als gewöhnlich der Fall ist, zu vollenden, um mit seinem Rechtsanwalt-Diplom rechtzeitig seine Eltern zur silbernen Hochzeit zu erfreuen. Türkei. Aus der Türkei, im Juni. Der Courrier de Vienna, ein unter den Juden des Orients sehr verbreitetes Organ, erläßt in seiner jüngsten Nummer einen Aufruf an seine Glaubensgenoffen. Indem er von den Gefahren spricht, in denen sich das türkische Reich befindet, ruft er die dortigen Juden zur Pflichterfüllung auf und bringt ihnen jene Zeit in Erinnerung, in welcher ihre Väter vertrieben unv verfolgt wurden; er erinnert sie, daß dieselben ohne Heimath herumirrten und die Türkei in Europa der einzige Staat war, der ihren Vätern eine Heim- 'tätte anwies. Das Blatt fordert die Juden auf, bei den Gefahren des Vaterlandes nicht unthätig zu sein, und legt ihnen an's Herz, daß mit rem Wohle des Staates das ihrige verkettet sei, daß von der Regenerirung des Vaterlandes das Aufblühen ihrer zukünftigen Stellung abhänge. (So viele Nachrichten uns bis jetzt aus der Türkei zugekommen sind, sind die türkischen Juden diesem Aufrufe schon zuvorgekommen, indem sie überall ihren aufrichtigen Patriotismus thärig bewiesen haben.) Paris, 2. Juli. Eine von Herrn Crümieux angeführte Deputation der „Israelitischen Allianz" hat sich zu Midhat Pascha, der bekanntlich in Paris weilt, begeben und ihm ihren Dank für die freundlichen Gesinnungen ausgesprochen, die er gegen ihre Glaubensgenoffen als Verwaltungs-Chef in Ruslschuk, Bagdad unv Salonichi, sowie später als Großvezier in Konstantinopel an den Tag gelegt hat. Midhat Pascha erwiderte, er hätte nur die Grundsätze seiner Regierung zur Anwendung gebracht, Grundsätze, in denen die Türkei jetzt allein ihr Heil finden könnte. Was die Israeliten insbesondere betreffe, so könne einem Türken gar nicht der Gedanke kommen, sie zu verfolgen, da er vielmehr in der ungerechten Verfolgung, der sie seil Jabrhuneerten in rer ganzen Well ausgesetzt gewesen wären, nur einen Rechrstitel auf seine Theilnahme und Sympathie erblicken könne. Wien, 6. Juli. Die türkische Judengemeinde Wiens, welche eine Sammlung zum Besten der Verwundeten und Kranken der türkischen Armee in ihrer Mitte veranstaltet, wird das Ergebniß in einigen Tagen durch eine mehrgliedrige Deputation aus dem Gemeinderath gewählt, in einer Audienz dem kaiserlich türkischen Botschafter überreichen laffen und demselben bitten, daß er den Sultan ihrer Loyalität versichern möge. —. Das türkische Parlament ist regelmäßig verlaufen und geschloffen worden, und soll am l. October wieder zusammentreten, freilich wenn die Kriezsereigniffe dies gestatten werden. Mag es an Energie und Autorität der Emwickelung noch sehr bedürfen, so hat es doch seine Stelle würdig ausgefüllt unv erwiesen, daß der Boden, aus dem es erwachsen, für den Constitutionalismus durchaus nicht so unfruchtbar ist, wie man es vielfach voraussetzte. Wenn man bedenkt, aus welchen entlegenen, zum Theil halbcivilisirten Provinzen diese vom Volke erwählten Männer zusammenkamen, so muß man erstaunen, wie schnell sie ihren Beruf verstanden, und selbst in die parlamentarischen Formen sich schickten. Allerdings wird es noch viel zu kämpfen haben, vor Allem, um den $. 11» aus der Verfassung zu entfernen, welcher der Regierung das Recht giebt, über jeden Mißliebigen die Verbannung zu verfügen. Bleibt aber der türkische Staat bestehen, so kann gerade bei den sehr mißlichen Verhältniffen die Zeit nicht fern sein, wo die Regierung diesen Paragraphen aufgeben muß.

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