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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-10 · Heft 28 (10.7.1877) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 28 (10.7.1877)
Date
1877-07-10
Page
Seite 447 (sequence 11)
Language
German
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447 sequestrirt war und nahezu zur Feilbietung gekommen wäre, ist gegenwärtig durch die energischen Anstrengungen des nunmehrigen Vorstandes ganz consolidirt, so daß sie ihre Gläubiger befriedigen könnte und daran geht, für Reformen auf dem Gebiete der Liturgie Sorge zu tragen. — Aus Darmstadt berichtet man uns: Wohl das letzte Zeichen der Gnade und des regen Interesses Sr. königl. Hoheit des hochseligen Großherzogs empfing der Religionslehrer Herr Mannheimer. Am 26. Mai wurde demselben auf allerhöchsten Befehl aus Jugenheim durch Herrn Geheimrath Dr. Walther der „freundlichste 2)anf" des Großherzogs für die demselben dargebrachte, aus einem hebräischen Werke der Hofbibliothek übersetzte Geschichte der Judenverfolgung in Worms schriftlich ausgesprochen. Bonn, 1. Juli. (Notizen.) Man schreibt aus Wien: Die israelit. Cultusgemeinde in Hietzing beschloß in der gestrigen Sitzung die Errichtung eines Bethauses, da in den Sommermonaten die Anzahl der Israeliten eine große und in der Nähe kein Bethaus ist. Baron Königswarter stellte feine Villa Nr. 25 in der Larnzerstraße einstweilen unentgeltlich zur Verfügung, und wird der erste Gottesdienst am 30. Juni abgehalten werden. Bonn, 24. Juni. (Literarische Notizen.) Mau schreibt aus London vom 18. Juni: Von Lieutenant Kitchener, rem Chef der Forschungs-Expedition in Palästina, liegen neue Berichte vor, welche einen baldigen Beschluß der gegenwärtigen Arbeiten in Aussicht stellen. Interessant ist unter augenblicklichen Verhältniffen, daß Kitchener und seine Begleiter, deren Mittheilungen bis Ende Mai reichen, über vollständige Ruhe und freundliches Entgegenkommen der muselmännischen Bevölkerung berichten. Namentlich in Safed, wo vor zwei Jahren ein Ausbruch von Fanatismus stattfand, ist die Expedition freundlich ausgenommen worben. Allerdings hat Kitchener einige türkische Soldaten requiriren müssen, indessen nicht zum Schutz, sondern als Legitimation, nicht weil er und seine Begleiter Christen sind, sondern weil die englischen Jngenieur-Unterofficiere bei ihren Vermessungen leicht für russische Spione gehalten werden könnten. Die Expedition ist jetzt mit der Vermessung von Galiläa beschäftigt und hat bis Ende Mai über 1400 Q.-Kilometer zu Papier gebracht. Es blieb noch eine ungefähr gleich große Fläche aufzunehmen. Ist diese Arbeit erledigt, so wird das gesammte gelobte Land vermessen sein. Bis Mitte August hofft Kitchener vollständig fertig zu werden. Das Juliheft der Gesellschaft für die Erforschung von Palästina wird neuere Mittheilungeu enthalten, darunter eine Karte der neu vermessenen Striche von der Feder des Capitäns Hamilton und eine Zeichnung des Jakobsbrunnens von H. A. Harper. In Galiläa hat Kitchener zwei bisher unbekannte Synagogen aufgefunden. — iV mcc: •a'n hy nasa yn -pp-r; pnac nun b"r mabnn ■'»an mabrra praan 'sa y*n na3 finsT'E v*a nt»« bsntr msa an ■nbn “ma (Padova, 1867). Gewisse Gegenstände liegen bisweilen für die Bearbeitung durch die Presse in der Luft. Wohl zu derselben Zeit, wo wir in d. Zeit, eine Reihe von Artikeln „Der Talmud und die Todesstrafe" veröffentlichten, arbeitete der Großrabbiner Benedetto Levi zu Ferrara das vorliegende Schriftchen über denselben Gegenstand aus. Die Resultate sind dieselben, wenn auch die Methode und die Anschauungsweise Berschiedenartigkeiten aufweisen. Wir können unsrerseits nicht umhin, der talmudischen Entwickelung ihre Eigenthümlichkeit zu reserviren, die zu einem Ziele führte, das nicht gerade in der Tendenz des mosaischen Gesetzes lag. Die Motive dieser Entwickelung barzulegen, war das besondere Streben, dem wir in unserer Arbeit zu genügen suchten. Andrerseits hat die Arbeit unseres italienischen Collegen einen vollständig systematischen Charakter und ist als Monographie sehr zu empfehlen. — „Die Juden von einem Christen. Berlin, E. Grosser 1877." Wir könnten der vorliegenden Schrift unsere besondere Anerkennung und unseren wärmsten Dank widmen, wenn der Verfasser sich hätte nennen wollen, wie es andere Vertheiriger der Juden, z. B. Kolkmann und Schleiden, gethan. Bei den schmachvollen Angriffen, welche in den letzten Jahren gegen die Juden unternommen wurden, haben die meisten der Libellisten nicht gescheut, mit offnem Visir aufzutreten. Die Rohlings, Rebberl's, Rittler's, Frantz', Glagau's u. s. w. nannten ihre Namen. So müssen wir es auch von denen verlangen, welche jene Attentate auf Wahrheit und Recht nachdrücklich zurückweifen und deren Urheber in ihren Beweggründen und ihrer Berfahrungsweise brandmarken wollen. Ist, wie wir glauben, die vorliegende Schrift von einem „Christen" verfaßt, und zwar, wie er es ausspricht, um die Bosheit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen, so hatte er um so mehr die Verpflichtung, sich zu nennen, um dem Einwand, daß dies fingirt sei, von vornherein entgegenzutreten. *) Lebten wir nicht in einer Zeit, wo die Parteiwuth alles Maß überschreitet, so käme es gar nicht daraus an, wer eine Schrift abgefaßr, und man würde nur nach dem Werthe des Inhalts fragen. Und diesen vermögen wir nur als bedeutend anzuschlagen. Der Verfasser fühlt die Schmach, welche unserer Zeit durch die völlig ungerechtfertigte und nur aus niedrigen persönlichen und Parteiintereffen hervorgegangene Berfolgungssucht gegen die Juden angethan hat. Sie veranlaßt ihn, die Geschichte der Juden vom Beginn an zu prüfen und mit unparteiischem Auge die Ursachen und Wirkungen zu erkennen. Er versteht es, in sehr angemessener Weise das Wichtige und Entscheidende hervorzuheben und aus dem Gange der Ereignisse die Folgerungen zu ziehen. Er steht nicht an, die hohe Bedeutung und die unvergängliche Lebenskraft des jüdischen Stammes zu charakterisiren und auf diesem Grunde widerlegt er die jetzt gegen die Juden erhobenen Vorwürfe, welche um so weniger stichhaltig sind, als durch das ganze Leben des jüdischen Stammes unverkennbar eine streng sittliche und ernst sociale Tendenz gehe. Was 1) Wie uns aus Memel mitgetheilt wird, gehört der Verfasser dieser Schrift den hoheren RegierungSlreisen an — um so größer wäre die Wirkung gewesen, wenn er )lch genannt hatte! 28 *

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