Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1877)
- Date
- 1877-07-10
- Page
- Seite 445 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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445 thätigkeit beanspruchte und die nöthigen Hülfsmittel in der Gemeinde und besonders in der edlen und großmüthigen Familie fand, deren Vertrauen er besaß. Albert Cohn ist nicht mehr! Unser Bestreben sei es, ihn nach dem Maße unserer Kräfte zu ersetzen. Wir bitten daher, theurer Glaubensgenosse, um Ihre Spende zu Gunsten der Stiftung Albert Cohn, „bestimmt, Personen, die es verdienen zu Hülfe zu kommen, um ihnen die Mittel für Unterricht oder Arbeit zu verschaffen." Wir bitten, ihre Spende an Herrn Isidor, Großrabbiner von Frankreich und Vorsitzender der Stiftung, zu übersenden. Die Namen der Spender werden am Ende des Bandes veröffentlicht, welcher die am Grabe Albert Cohn's und in den Tempeln gehaltenen Reden enthalten wird. Wir wiffen, daß man sich niemals vergebens an die großmüthigen Gefühle unserer Glaubensgenoffen wendet. Wir haben Vertrauen zu dem Erfolge dieser Stiftung und sind überzeugt, daß das Capital, welches wir mit Ihrer Hülfe zusammenbringen werden, genügende Zinsen abwerfen wird, um uns zu gestatten, sowohl ein überaus nützliches und dauerhaftes Werk zu schaffen, als auch eine verdiente Huldigung dem Andenken eines Mannes darzubringen, der so Vieles für das Wohl und die Fortschritte des Judenthums gethan hat." „Genehmigen Sie u. s. w." Folgen die obigen Unterschriften. Wir brauchen diesen beredten Schriftstücken nichts hinzuzufügen. Auch wir schließen uns mit ganzem Herzen dem schönen Doppelzwecke an, und werden mit Vergnügen die Spenden übersenden, die uns für ihn zukommen. Die Redaction. Pariö, 1. .Juli. Nach den Arch. isr.) Die Redaction der Areli. isr. tadelt an dem oben veröffentlichten Aufruf zu einer Stiftung Albert Cohn die durchaus vagen Ausdrücke über Len Zweck der Stiftung, die in das Reffort schon bestehender Vereine einzugehen scheine und dadurch die Verwendung zwiefach mache. Es wäre um so wichtiger, eine genaue Bestimmung feftzustellen, als die Pariser Gemeinde schon sehr viele Vereine zähle, welche die Mitwirkung des Publikums beanspruchen und durch die Vielheit der Anforderungen zuletzt die Mittel geschwächt wurden. — Das lebhafte Interesse, welches die Israeliten in Algerien rühmlicher Weise an den Wahlen der israelitischen Consistorien nehmen, bethätigte sich jüngst in Oran am 3. Juni, wo von 3078 eingeschriebenen Wählern 2175 an der Wahlurne erschienen. Dabei wurden die Wahlen beinah mit Einstimmigkeit getroffen. Ein seltenes Beispiel von Eifer und Einigkeit. — In Constantine geht man damit um, weil die eingeborenen Israeliten noch vielfach das Französische nicht lesen können, eine wöchentlich erscheinende Zeitung in arabischer Sprache mit hebräischen Lettern unter dem Titel „Aour" (Licht) erscheinen zu lassen. — Die Stelle des Präsidenten des israel. Wohllhätigkeitscomite's von Paris, welche der fel. Albert Cohn so viele Jahre eingenommen, ist jetzt dem Baron Edmund von Rothschild, dem jüngsten Sohn des verst. James, übertragen worden. — In Mogador (Marokko) erregte feit einiger Zeit die Zudringlichkeit eines anglikanischen Missionärs Ginsburg, eines getauften polnischen Juden, den Unwillen der dortigen Israeliten, namentlich als ihm die große Heldenthat gelungen, eine jüdische Wittwe zu bekehren, die sich mit einem seiner Diener verheirathete. Die Juden beschlossen, mit dem Missionär in keinerlei Verkehr zu treten und — ihm nichts mehr zu verkaufen. Die englischen Blatter schlagen darüber einen großen Lärm und betiteln dies „eine Christenversolgung"!'. Rumänien. Wien, 28. Juni. Ueber die Affaire von Darobani sind der „Israelit. Allianz" zu Wien folgende neuere Mittheilungen zugekommen: Am 15. Juni d. I. wurde auf Grund von Erlässen des k. und k. Consulats in Jassy, ddo. 10. und 12. Juni, Z. 1l7 uno 120, eine Commission des k. und k. Bice-Consulats zu Bottuschan nach Darobani zur Aufnahme eine Protocolls über die am 3.' Juni daselbst stattgehabte Judenhetze entsendet. Aus der nun vorliegenden wortgetreuen Abschrift dieses Protocolls geht hervor, daß der von der Commission ausgenommene Thatbestand mit dem bereits der „Israelitischen Allianz" dargelegten vollkommen übereinstimmt. Es seien hier nur einige besonders wichtige Umstände hervorgehoben. Von den 200 Häusern, aus denen Darobani besteht, wurden 159 Juden gehörende, ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit der Eigenthümer oder Bewohner, geplündert und 68 Personen ohne Unterschied des Alters und Geschlechts in der brutalsten Weise mißhandelt, so daß noch jetzt Viele in dem Spitale zu Dorohoi oder in Privatpflege schwer verwundet darniederliegen. Die Aufforderung zu diesen grauenhaften Thaten erfolgte von Seite der GutSfrau Cimara mit den Worten: „Ihr guten Leute, das ist von der Regierung anbefohlen worden, daß ihr die Juden berauben und tödten sollt. Auf meine Verantwortung nehmt die besseren Sachen mit und rie anderen zerstört!" Es wird hinzugefügt, daß die werthvollsten Gold- und Silbergegenstände, Schmuck, Perlen u. s. w. zu dem Wagen der Gutsfrau gebracht wurden, welche dieselben in Empfang nahm. „Im Wesentlichen wurde ermittelt", besagt das Protokoll, „daß der Plan der Gutsftau über die zu verübenden Greuelthaten noch weiter ging, indem bis zum Einbrüche der Nacht ohne Unterbrechung geplündert und sodann an mehreren Stellen zugleich das Städtchen in Brand gesteckt werden sollte, damit bei dem sodann entstehenden noch größeren Tumult Alles aus den Wohnungen auf die Gasse getrieben und niedergemetzelt werde, um seinerzeitige Erhebungen über den ganzen Hergang und die Höhe des Schadens unmöglich zu machen." Dieses Vorhaben wurde durch die bereits bekanntgewordene Intervention des Michael Stourdza vereitelt. Was den materiellen Schaven betrifft, den die Juden erlitten, so wurden von-der delegirten Commission Erhebungen gepflogen, welche ergaben, daß von den geraubten Gegenständen 28