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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-10 · Heft 28 (10.7.1877) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 28 (10.7.1877)
Date
1877-07-10
Page
Seite 444 (sequence 8)
Language
German
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444 der Sachsen und Franken, welche zufällig (!) mit jenen echten „Preußen" in einem Staate Zusammenleben." Solche Ausbrüche ohnmächtiger Wuth können dem deutschen Reiche und dem preußischen Staate keinen Schaden zufügen; aber sie beweisen den bodenlosen Haß, welchen diese schwarze Partei, welche die Religion (!!!) zu vertheidigen vorgiebt, in ihrem Herzen trägt, obschon sie sich gewaltig aufplustert, wenn nian ihr Reichsfeindschaft und Vaterlandslosigkeit vorwirft. Stralsund, 25. Juni. (Berichtigung). In Nummer 24 wird Ihnen von hier über den Austritt der Brüver Samuel zu Damgarten aus der hiesigen Gemeinde berichtet. Die Sache bedarf jedoch, um richtig beurtheilt zu werden, einer anderweitigen Aufklärung, in deren Folge Sie, Herr Redacteur, mit Vergnügen erkennen werden, daß dieser Austritt durchaus kein Act der „Religionslosigkeit" gewesen. Da es bei einem solchen Schritte doch zumeist ans die Gesinnung ankommt, und gerade das Verhältniß der Brüder Samuel noch an anderen Orten sich wiederholen wird, wird wohl folgende Berichtigung nicht ganz ohne Jnteresie sein. Die Bruder Samuel wohnen von hier sechs Meilen entfernt, und können deshalb auch nicht das Geringste von der hiesigen Gemeinde verlangen, sondern sind gezwungen, wie schon über 50 Jahre, sich an die Ribnitzer Gemeinde anzuschließen, haben also bisher bei zwei Gemeinden ihre Beiträge gezahlt und zwar bei der hiesigen, als zum gesetzlichen Verbände gehörend, bei der andern, welche kaum eine halbe Stunde emfernt, um ihr koscheres Fleisch zu bekommen, als auch ihre religiösen Bedürfniffe zu befriedigen. Sie sind also gerade gezwungen, um dem religiösen Gefühle zu genügen und um dem Judenthume zugethan zu bleiben, an die Ribnitzer Gemeinde einen hohen Beitrag zu zahlen, während sie von der hiesigen absolut nichts beanspruchen können und nur aus diesem Grunde glaubten die Herren, daß sie mit einem geringeren Beitrag noch als Mitglieder der Gemeinde betrachtet werden sollten. Die Herren besitzen schon seit vielen Jahren für sich einen eignen jüdischen Begräbnißplatz, also auch dafür haben sie gesorgt. M. Gerson. Frankreich. Bonn, 28. Juni. (Privatmitth.) Wir erhalten soeben folgende wortgetreu übersetzte Zuschrift: Paris, den . . Juni 1877. Herr Redacteur! Wollen Sie die Güte haben, die Mitwirkung Ihrer Zeitschrift rem Werke rer Dankbarkeit zu leihen, welches wir zu Ehren unsres sei. Albert Cohn Herstellen wollen, der durch seine Gefühle der allgemeinen Menschenliebe und durch seine Hingebung für das gesammte Judenthum Allen angehörte, Ihnen so gut wie uns. Unser Werk hat keinen ausschließlichen Charakter; es soll Allen nützen, Allen heilsam sein, von welcher Seite man komme, welcher Nationalität man auch angehöre. jCohn war der Beschützer der Israeliten ohne Unterschied des Ursprungs: das zu seiner Ehre gegründete Werk wird von demselben Geiste beseelt fein. Unterstützen Sie uns durch Ihr Journal zur Verwirklichung unsres frommen Gedankens. Genehmigen Sie u. s. w. Die Mitglieder der General-Commission: L. Isidor, Großrabbiner von Frankreich. Zadoc Kahn, Großrabbiner von Paris. Mayer, Rabbiner. Lazard, Rabbiner. Lehmann, Rabbiner. Weill, Rabbiner. Folgen die Unterschriften der äibrigen Delegirten. Ueber das beabsichtigte Werk erhalten wir folgende aus dem Mai datirte Druckschrift: „Theurer Glaubensgenosie! Der Tod des Herrn Albert Cohn har unsrer Gemeinde, dem israelitischen Frankreich, dem ganzen Judenthume einen schweren Verlust zugefugt. Der hochherzige Mann, der bedeutende Geist, der soeben aus unsrer Mitte geschwunden, wird allgemein bedauert und beweint. In allen Landern, in allen Gemeinden ist seinem Gedächtniß eine tiefe und aufrichtige Huldigung dargebracht worden, und unsre Trauer wird von allen unsren Glaubensgenoffen getheilt. Die Comitö's unsrer Wohlthätigkeits-, Unterrichts- und Verwaltungs-Anstalten haben gedacht, daß man nach dem imposanten Leichenbegängniß, nach den in unseren Tempeln vollzogenen öffentlichen Gebeten, durch eine wohlthätige Stiftung das Andenken desien verewigen müsse, der so mächtig die Entwickelung der Gemeinde von Paris, die moralische und intellectuelle Erziehung der israelitischen Jugend, die Aufrichtung unserer unglücklichen Glaubensgenossen ohne Unterschied der Nationalität, die Verbreitung der edelsten Grundsätze unserer Religion gefördert hat, Delegirte aller Comit^'s haben sich zu einer Generalversammlung vereinigt und nach einstimmiger Billigung des Gedankens einer Stiftung zu Ehren Albert Cohn's mit der größten Sorgfalt die ihnen vorgelegten Entwürfe geprüft. Sie vereinigten sich über einen dieser Vorschläge, der den Bortheil zu bieten schien, einem wirklichen Bedürfniß zu entsprechen und den beiden großen Interessen der Wohlthatigkeit und des Unterrichts zu dienen, denen sich Albert Cohn gewidmet hatte. Unter diesem doppelten Gesichtspunkte hielten wir ihn für dessen würdig, den wir ehren wollen. Wir fordern mit Vertrauen Ihre Mithülfe, um ihn auszuführen." „Unsere Comitv's. unsere Einrichtungen, unsere Wohlthätigkeitsvereine, so ausgedehnt der Kreis ihrer Wirksamkeit ist, vermögen nicht alle Bedürfnisse zu befriedigen, welche so zu sagen jeden Tag entstehen und deren Verschiedenheit so groß ist, daß sie oft die selbstverständlich festgezogenen Grenzen in jeder Veranstaltung übersteigen. Alle Male, wenn solche Bedürfniffe sich fühlbar machten, besonders wenn junge israelitische Leute, Franzosen oder Ausländer, auf Schwierigkeiten stießen, um sich eine Zukunft für Unterricht oder Arbeit zu schaffen, wandte man sich an Albert Cohn, der an unsere Thüren klopfte, unsere Wohl-

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