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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-10 · Heft 28 (10.7.1877) · p. Seite 441

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 28 (10.7.1877)
Date
1877-07-10
Page
Seite 441 (sequence 5)
Language
German
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441 und kein Unterschied sei zwischen uns und ihnen, als durch die Handlungen und Gebräuche, die den späteren Zeitaltern entstammten. Denn von der talmudisch-rabbinischen Entwickelung haben sie keine Kenntniß. Bemerkenswerth ist, daß sie, die des Hebräischen ganz unkundig, alle biblischen Benennungen Gottes auf traditionellem Wege hebräisch kennen, außer dem vierbuchstabigen Namen Gottes. Wo dieser daher in der vorliegenven Uebersetzung vorkommt, ist es nur eine Rückübersetzung. Ebenso ist es hervorzuheben, daß sie von der Hoffnung auf die dereinstige Wiederherstellung Israels und ein allgemeines Gottesreich durchdrungen sind, von einem persönlichen Messias aber nichts wißen. Die Gebete der Falaschas muffen sehr zahlreich sein, da sie ganze Tage damit ausfüllen. Die vorliegenden sind einem kleinen Exemplar derer entnommen, welche vor alter Zeit ein gewisser z-ip3 S3S verfaßte, der bei den Falaschas in hohen Ehren steht. Solche Bücher sind bei ihnen immer auf Pergament geschrieben, und das im Besitze Halevy's befindliche hat für diesen ein falaschischer Schreiber Serubabel Sohn Jakobs abgeschrieben. Voran steht ein einleitendes Wort des ■pips rrnrr. überschrieben bsi«- rnbs 'n *7133. Er fordert darin zum Lobe Gottes auf und endet mit einem Verse aus dem Buche Henoch, welches die Falaschas besitzen und als eine der heiligen Schriften erachten. Die Gebete werden als rnpniLn mbsm c^asbisn mbcn bezeichnet. Ueberblickt man sie mit einem Male, so zeigen sie weder eine liturgische Anordnung in Gebetabschnitten, noch bestimmte Formen, wie unsere Benediklionen in der 2"2: und vor und nach dem 72«, obschon die Formel 'n *7133 sehr häufig ist. Sie lassen sich deshalb mit den unsrigen nicht vergleichen, und sind diesen dennoch theils durch die vielen biblischen Reminiscenzen, namentlich aus den Psalmen, theils im Gedankeninhalt und in den Wendungen sehr ähnlich. Man könnte sie als einen Haufen von übereinander geschütteten Phrasen aus unserem Gebetbuche charakterisiren. Wir geben am Fuße die Anfangsverse.l) Es folgt eine Reihe von Sätzen, die mit 'n *71-13 anfangen und die Ewigkeit Gottes, seine Allmacht und Weltregierung, seine Allweisheit und Schöpferkraft preisen und den Dank aussprechen 1) 3«1*> mssm nbinsi nbnri ms: 'n *72 .mibbn .2-1 S23 b? .a^p^sn 7N nns -3 .2*>3in«n n3«y nns *>3 .nibs-on nb*n: ms ”3 .u^obnn 71-113: 7i7irr ^3 .«13p «13p «13p 1333 '71b mibb!3 *7333 Tins 2*>*1135 3nsi cbs« ma53 71:711 21713 7171s .3*'3«-'21 23«2 713S1 “ba 12« 2*93« 2133 sin *7133 2**ai373 3«1*> 7i*>by bsb nbnn .31321 «13p •V3S21 2^2D3 3«s a->S33:n 33 'nb i:ri*> n3S37ii nbnn S3i:i 3,3S 217131 P*>3L m «13p bbi32 “r:: 'nb mibbn nbnn ib abi? mr?:3 23 so3 br 3«v 3S1321 .imbsb 7131351 323711 33321 für das Erwachen vom Schlafe, das Heilen von Krankheiten, den Schutz vor Hungersnoth, Seuche, Krieg und solchen Todesfällen, in Folge derer der Leichnam von den Vögeln des Himmels und dem Gewilde der Erve gefressen würde u. s. w. Besonders wird Gott gefeiert als der, welcher alle unsere Sünden und Vergehungen sieht und kennt, dennoch barmherzig, langmüthig und voller Huld und Treue ist und uns Verzeihung angedeihen läßt. Gepriesen wird Gott, der die Sabbathe unv Feste verlieh zur Ruhe und seinem heiligen Namen zu singen, der uns Erkenntniß, Empfindung und Sprache znertheilte und uns Speise und Trank gewährt. Hieran schließen sich Lobpreisungen Golles als Schöpfers mit völlig biblischen Ausdrücken, insonders aus den Psalmen. Man sieht hieraus, wie die religiösen Ansichten der Falaschas auf biblischem Grunde den unseren gleichen. Eine besondere Rolle spielt jedoch in diesen Gebeten die Engellehre. Es werden Michael, Gabriel, die Seraphim, Cherubim und Chajoth genannt, und dann Heere von namenlosen Engeln im Himmel, in den Wolken, auf der Erde, mir Mond und Sonne laufend, im Meere, 99 Abtheilungen von Engeln aufgeführt, von denen jedoch nichts weiter ausgesagt wird, als daß sie das Lob Gottes anstimmen, woran sich dann „15» Propheten", „gerechte und geläuterte im Gan Eden und Sünder und Frevler im Gehinnom" zum Lobe Gottes, die Erzväter, die Priester, Söhne Ahrons, David, Malkizedek, Esra, Daniel, Henoch, Eliah, Elifchah, Chananjah, Asarjah und Mischael anschließen. Alsdann werden 9 Stunden der Nacht aufgezählt, in welchen die Engel verschiedentlich Gott preisen und jede Stunde eine besondere Bestimmung hat; etwas weiter werden die 7 Himmel erwähnt, und was die Engel in jedem einzelnen derselben aussprecken. Wir werden diese Stellen in unserem Feuilleton einmal übersetzt mittheilen. Auch darin gleichen viele dieser Gebete den unsrigen, daß sie sich in kurzen Formeln bewegen,;. B. .371S :3S .371S *>:is irnbs :3s .3ns :3S 17332 :3S. '121 .3ns •’rns 15S313 53S Oder: 'nb nbnn mbnn a«r 'nb nbnn i:a«a 2132 '121 'nb nbnn i«3pa pn« (So geht es fast drei Seiten fort.) Wir begnügen uns heute mit dieser Skizzirung, uns vorbehaltend, auf Einzelnes noch zurückzukommen. Wir beabsichtigten nur den Lesern eine Vorstellung von diesen Gebeten der Falaschas zu machen und die Ueberzeugung zu befestigen, daß wir es hier mit einem entlegenen und vereinsamten Zweige unserer Religion zu thun haben, der wahrscheinlich auf dem Stamme unseres Volkes nicht gewachsen. Die Dauerhaftigkeit und Lebens-

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