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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-03 · Heft 27 (3.7.1877) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 27 (3.7.1877)
Date
1877-07-03
Page
Seite 430 (sequence 10)
Language
German
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430 Serbien. Belgrad, im Juni. Nach Berichten an die Alliance haben sich die Verhältnisse der Juden in Serbien durchaus nicht gebesiert, vielmehr ist in Semendria den dortigen Juden der Befehl zugegangen, binnen dreißig Tagen die Stadt jh verlassen. Es geht dies nach dem serbischen System von den Ortsbehörden auf Wunsch der christlichen Kaufleute aus, und die Regierung sieht zu. Diese laßt sogar in den officiösen und osficiellen Zeitungen nachdrücklich aussprechen, sie habe sich in dem Friedenstractat mit der Türkei in Bezug auf die Israeliten zu nichts verpflichtet. Während des Krieges war die Gesinnung der Regierung und des Volkes den Juden sehr günstig, theils wegen der Opfer, welche die Juden dem Vaterlande brachten, theils wegen der militärischen Mißerfolge, durch welche die Serben ihre hochfliegenden Träume und ihre Selbstbewunderung verschwinden sahen und sich gedemüthigt fühlten. Jetzt, wie beschämt hierdurch, flammen die Gefühle des Haffes um so starker auf und sie suchen nach einem Gegenstände, an welchem sie sich rächen könnten. Der Berichterstatter zähl! mit Namen die Juden auf, welche in allen Waffengattungen dem activen Kriegsdienste augehört haben. Es waren 26 aus Belgrad, 10 aus Pojarevatz, 12 aus Schabbatz, 3 aus Semendria nnd 4 aus Obrenovatz. Außerdem über 100 Mann in der Reserve, die nicht zum acliven Kriegsdienste gelangte. Diejenigen, welche zur Cavallerie gehört, hatten sich Pferde und Waffen auf eigene Kosten angeschafft. Neuerdings sind siebzehn junge Leute aus Belgrad eingetreten, von denen ihrer Statur wegen sieben der Garde des Fürsten eingereiht wurden. Rumänien. Bonn, 24. Juni. Wir fahren fort zusammenzustellen, was Zuverlässiges über die Greuelthaten zu Darobani in dieOeffentlichkeit dringt. Wenn uns das Herz erzittert bei der Schilderung solcher Scenen, die ihre Erklärung nur in der enlseffelten Mord- und Raubgier finden: so richtet uns der Gedanke auf, wie häufig es geschieht, daß Bosheit und Grausamkeit bis zu einer gewiffen Höhe ihr scheußliches Spiel treiben, um dann und gerade deshalb vollständig unterdrückt zu werden. Möge es diesmal sich auch so verhalten, und endlich die rumänische Regierung und das rumänische Volk inne werben, wohin blinder Haß und Vorurtheil, noch dazu ohne wesentlichen Grund, führen! Noch einen Schritt weiter — und wir muffen Rumänien vollständiger Anarchie preisgegeben glauben! Bukarest, 15. Juni. Ueber die zu Darobani vorgefallenen Greuelthaten sind der „Israelit. Allianz" zu Wien von beglaubigter Seite übereinstimmende Berichte zugegangen. Die Entfeffelung der Raub- und Mordlust durch die Gutsbesitzerin Cimara und die verübten Grausamkeiten und Gewaltthaten werden darin in wahrhaft haarsträubender Weise dargelegt. Einen Lichtblick in dieses düstere Nachtbild gewährt folgende Episode. Die Plünderungen und zum nicht geringen Theil lebensgefährlichen Mißhandlungen, denen Greise, Weiber, Kinder erbarmungslos anheimrelen, hatten am 3. Juni von 9 Uhr Früh bis 6 Uhr Nachmittags unausgesetzt fortgedauert, ohne daß das Einschreiten einer Autorität irgend sichtbar geworden wäre. Schon bereiteten sich die durch Branntwein aufgeregten, entmenschten Horden zu neuen Unthaten vor, als der im Dorfe Scorloteni wohnhafte Slurda, Sohn der Frau Cimara aus erster Ehe, zum Besuche seiner Mutter einhergefahren kam. Er erblickte die Jammerscenen, unterrichtete sich über das Geschehene und sprang sofort vom Wagen. Er allein, mit einem Revolver bewaffnet, wagte sich in die aufgeregte Menge, jagte die Dienerschaft seiner Mutter auf ihr Raubschloß zurück, Jeden, der ihm nicht Folge leiste, mit Niederschießen bedrohend. Die Bauern, die sich ohne Führer sahen und durch schlagende Argumente Sturda's zur Ruhe gebracht wurden, zerstreuten sich allmälig. Sturda selbst sah man unter den Verwundeten herumgehen, ihnen Trost zusprechen und die erste Hülse leisten. Wie es heißt, hat er bald darauf das elterliche Haus und Darobani auf Nimmerwiedersehen verlaffen. Weiterhin verdient es anerkannt zu werden, daß der erste Transport an Lebensmitteln den Hungernden sowohl von den jüdischen Gutspächtern als auch von den rumänischen Gmsbesitzern der Umgegend in liberaler Weise zugeführt wurde. Der Präfect von Dorohoi, Janeo Roffet, der Jaffyer Sections- Procurator Taffo und der Jnstructionsrichter Toka sind zur Erhebung des Thatbestandes an Ort und Stelle angelangt, und sollen 48 Bauern, die sich an den Greueln betheiligten, sowie der Diener, der sie anführte, eingezogen sein. . Amerika. New-Zjork, im Juni. (Privatmitth.) Wie in d. Zig. schon mehrfach bemerkt worden, giebt es in Nordamerika gegenwärtig zwei Vereine, welche die nordamerikanischen Gemeinden zu einer Gemeinschaft verbinden wollen: der ältere „koarck of Delegates of American Israelites“ benannt, und der andere: „Union of Hebrew Congregations“. Der letztere strebt jetzt eine Verschmelzung beider an, ohne jedoch hierfür ein stärkeres Entgegenkommen bei dem ersieren zu finden. Der erstere hat vor Kurzem seine jährliche Generalversammlung gehalten, zu welcher sich jedoch nicht mehr als zwanzig Delegirte eingefunden halten. Die Jahreseinnahme betrug einschließlich des vorjährigen Ueberschuffes 703 Dollars, darunter 100 Dollars für eine rumänische Schule. Der verbleibende Ueberschuß beläuft sich auf 365 Dollars. Hieraus kann man ersehen, daß die Wirksamkeit des Verbandes »och eine sehr beschränkte ist. Die Verhandlungen ließen die meisten Gegenstände der Tagesordnung noch unentschieden. Hervorheben wollen wir nur einige statistische Notizen. DaS bez. Comirö hatte 425 Fragebogen an 300 Gemeinden und 125 Institute

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