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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-07-03 · Heft 27 (3.7.1877) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 27 (3.7.1877)
Date
1877-07-03
Page
Seite 426 (sequence 6)
Language
German
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426 vor die Seele, und vie einfachen Worte: „Wenn der Mensch stirbt, lebt er dann?" sind dort von außerordentlicher Wirkung. Im Grunde weiß noch jetzt Niemand mehr von der Unsterblichkeit zu sagen, als: „nach der Auflösung des Körpers werv' ich Gott schauen" (vgl. Psalm 17, 15). Wer sich in die letzten Worte tiefer versenkt, dem wird alle Befriedigung werden, die aus dem Gevanken der Unsterblichkeit hervorzugehen vermag. — Ganz unfinvbar ist, worauf sich die Uebersetzung Ancessi's von -ins ns* nsp: ’n? mit que de ce squelette relrouvant sa peau stütze, da in icp: weder der Begriff von Skelett noch von finden herausgedeutet werden kann, und doch soll auf dieser aus der Luft gegriffnen Ueberlragung das Dogma der leiblichen Auferstehung beruhen'. Hieran schließt sich dann die Uebersetzung des ■»mraa de ina chair je verrai Dien, „aus meinem Fleische heraus" v. h. mit dem neuen Erdenleib versehen, werde ich Gon schauen, während in der Thora überall der Begriff festgehalten wird: kein Mensch sicher Gott uud lebet. Für diese seine Uebersetznnz bringt nun der Berfaffer — und dies ist eigentlich der Haken, an welchen er sein ganzes Werk hangt — aus dem egyptischen Todlenbuche eine Stelle, die er übersetzt: „dieser glorreiche Geist, aus seinem Fleische sieht er selbst Gott", und hiermit will er die, von allen neueren Exegeren angenommene und nachgewiesene Bedeutung des ■'-133721 „und ohne meinen Leib" beseitigt haben. Ob die Egyptologen die Uebersetzung jenes Textes in der angegebenen Weise billigen oder über sie übereinstimmen, und wie sie die Worte auslegen, ist uns augenblicklich unbekannt. Jedenfalls können die wenigen Worte, welche mit dem Texte Hiobs zusammenstimmen, wie sie noch dazu aus dem Zusammenhänge gerisien sind, durchaus keine Nöihigung darbieten, ■,-nDn*2i, dessen Sinn als Parallel zu -mr -ins seststehr, jenen gemäß zu erklären. Diese Nöthigung kann um so weniger einrreten, als Ancefsi selbst jenen Zusammenhang des Buches Hiob mit dem egyptischen Todlenbuche nachdrücklich zurückweist. Die Willkür, mit welcher Ancessi den semitischen Text behandelt und die mindestens ebenso große Willkür, mit welcher er aus der egyptischen Mythologie seine Folgerungen zieht, bietet allenthalben auch nicht die geringste Gewahr. — Nachdem hierauf Hiob noch einmal seine schmerzlichste Empfindung, die Feindseligkeit seiner Freunde, die durchaus „die Wurzel" seines Mißgeschicks in seiner Sündhaftigkeit und in dem Maße des ersteren die Größe der letzteren finden wollten, ausgesprochen hat, verwarnt er gerade sie und ihr leidenschaftliches Berfahren gegen ihn vor dem Gericht Gottes, das sie an ihm erblicken wollen und sie um so eher treffen werde. Daß hier von einem Weltgerichte am jüngsten Tage auch nicht die geringste Spur vorhanden ist, sieht man leicht ein, und wundert sich nur, wie verkehrt eine solche Exegese ist, die ein Dogma in Worte mühsam hineinzufoltern sucht, um dann triumphirend auszurufen: Sehet, hier habt ihr das Dogma schon! Als ob, wenn wirklich eine solche unfaßbare Andeutung eines nach vielen Jahrhunderten erst aufgekommenen Dogma's vorhanden wäre, diese für die Geschlechter jener älteren Zeilen irgend einen Werth für ihr Seelenheil hätte haben können! 2) Wenn wir das Buch des Abbö Ancessi hiernach völlig zurückweisen und ihm jede Bedeutung für die Beziehungen zwischen der heiligen Schrift und den egyptischen Monumenten absprechen mußten: so haben wir für jetzt und für die Folge derartige Tendenzen, der h. Schrift aus der Egyptologie etwas aufzuzwängen, was ihr dem Geiste und dem Buchstaben nach fremd ist, anzeigen und vereiteln wollen. Dies ist der Grund, weshalb wir uns ausführlicher mit dem vorliegenden Werke beschäftigten. 2) Daß Herr Ancessi es mit den Fakten nicht sehr genau nimmt, wollen wir nur aus einem Beispiele erweisen. Er behauptet, daß außer dem Chrisienrhumc keine Religion so viele Anhänger gezählt habe, als die des Osiris. Aus jedem Handbuch der Statistik kann man sich überzeugen, daß, wenn das Christenthum 400 Millionen Bekcnner zählt, der Buddhismus über 000 Millionen befaßt; schwerlich aber kann die Zahl der Egypter nur an die der Mohammedaner, nämlich ISO Millionen gereicht haben, und außerhalb Egyptens hatte der Osirisdienst keine Anhänger. Begeisterung ist eine schöne Sache, aber sie darf nicht zur Entstellung der Tharsache treiben. 2beLfciuicj 6U/0ccß W/cßteu/. Deutschland. BvUU, 25. Juni. (Privatmitth.) Bei der allgemeinen Aufmerksamkeit, welche die Correspondenz aus Oberschlesien in Nr. 25. d. Ztg. hervorgerufen, und da, wie.uns mitgecheilt wird, der Borstand der Gemeinde zu Gleiwitz auf die Eingabe von 121 Gemeindemilgliedern geantwortet habe: Es verbleibe bei seinem Beschluß, unv die Kanzel dem Rabbiner Dr. Hirschfeld bis Neujahr untersagt — so erscheint es nolhwenbig, die Thatsachen vor der öffentlichen Meinung objectiv zu constatiren. Hierzu giebl die nunmehr erfolgte Veröffentlichung der beiden Peffachreden, welche jenen Beschluß des Vorstandes veranlaßten den festen Boden. Sie erschienen unter dem Titel: „Die Krone der Erlösung, Rede am ersten Peffachtage und die vollendete Erlösung, Homilie am siebenten Peffachtage d. I. von vr. H. Hirschfeld, Rabbiner". (Gleiwitz, Jäger.) Der Berfaffer versichert, den wortgetreuen Abdruck, an welchem er nicht einmal styliftisch gebeffert habe, und beruft sich hierfür „auf die Hunderte, die sie gehört und sich derselben sicher erinnern." Herr vr. H. gehört im Allgemeinen zu der, von vielen jüdischen Theologen getheilten Ansicht, nach welcher die Errungenschaften der neueren Zeit in ihrem vollen Werthe zu würdigen seien, ohne zu verkennen, daß sie dem Festhalten und der treuen Uebung der überkommenen

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