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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-26 · Heft 26 (26.6.1877) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 26 (26.6.1877)
Date
1877-06-26
Page
Seite 409 (sequence 5)
Language
German
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409 von Darobani, verwundeten einige derselben und plünderten deren Häuser. Es sind energische Maßregeln getroffen und Truppen in Begleitung des General-Procurators an Ort und Stelle gesendet worden. Die Schuldigen werden nach Erhebung des Thatbestandes streng bestraft werden." Unterm 10. Juni telegraphirte Cogolnitscheanu an die nämliche Adresse: „Die Ruhestörer in Darobani werden mit Energie und Strenge verfolgt. Die Schuldigen Lesinden sich bereits in Haft. Versichern Sie, daß die Regierung bei diesem Anlasie weder Milte noch Nachgiebigkeit üben wird." Außerdem heißt es in einem amtlichen Berichte: , Minister Bralianu, welcher bereits von den in Darobani auf Veranlassung des griechischen Gutsbesitzers verübten Gewaltthaten verständigt war, hat mir erklärt, daß er eine strenge Untersuchung angeorduet habe und die Schuldigen bestraft, die Beschädigten schadlos gehalten werden würden." Die rumänische Regierung thul nichts als ihre Pflicht und Schuldigkeit, .wenn sie derartigen Epcefsen endlich einmal eine energische Ahndung zu Theil werden laßt. Sie hat die Judenhetzen lange genug systematisch geduldet und dadurch einen Schandfleck aus aus ihre Verwaltung geheftet. Warten wir es übrigens ab, ob die Ahndung in der That so energisch aussällt, als sie energisch in Aussicht gestellt wird. Ueber die gleichzeitigen Vorgänge in Jassy vom 5. Juni erfährt man, daß während des kurzen Aufenthalts des Kaisers von Rußland in Jassy, schon während derselbe im Bahnhofsgebäude ein kurzes Diner einnahm, auf dem Perron anwesende Juden, cbschon in der für diesen Zweck vorgeschriebenen Kleidung, von der versammelten Menge insulrirt wurden. Kaum war der Kaiser abgereist, so begann das Nachspiel. Die „N. fr. Pr." berichtet: „Zwischen 11 und 12 Uhr Nachts zogen Hausen von rumänischen Studenten, ausgerüstet mit Slraßensteinen und Knütteln in der Stadt herum, zertrümmerten in vielen Slraßentheilen eine Unzahl Fensterscheiben, schleuderten durch dieselben Steine von höchst unzartem Kaliber in die ebenerdigen Wohnungen der Israeliten, und wo sich solche öffentlich sehen ließen, wurden sie schonungslos mißhandelt. In den belebtesten Theilen der Stadt war es deutlich zu sehen, wie die Herren Studenten, „die Blüthe der Nation, die Hoffnung des Landes", in mehrere jüdische Schauklccale kindragen, sämmtliche Fenster und Gerälhe zertrümmerten und unter wüstem Gejohle brennende Papierschnitzel in die mit Branntwein gefüllten Flaschen .hineinwarsen. Nur der sofort durch die Feuerwehr geleisteten Hülfe ist es zu danken, daß diese elenden und nicht strenge genug zu ahndenden Bubenstücke keinen weiteren Schaden angerichtet haben, welcher die ganze Stadl auf's empfindlichste hätte treffen können. Wo aber steckte die rumänische Polizei, während die Jünger der Wisienschast barbarisch wirthschafleten? Hier und da stellte sie sich, wenige Mann hoch, dem nach Hunderten zählenden Gesindel entgegen, wurde aber, wenn sie zu interveniren Miene machte, nicht minder weidlich durchgehechelt. Während sich all' dieses im Centrum der Stadt abspielte, sah man die Gendarmerie, 30—40 Mann 'tark, ganz ruhig in die Kaserne abmarschiren, als ob in der Stadt nichts vorginge. Hier herrschte aber, insbesondere bei den Israeliten, eine leicht begreisiiche Panique, zumal da einige Stunden später, gegen 2 Uhr Morgens, ein Brand in rer Stadt signalisirt wurde, der einige Juden gehörige Häuser vernichtete und so manchen armen Mann seiner letzten Habe beraubte. In welchem Zusammenhänge derselbe mit den oben geschilderten Vorgängen stehen mag, darüber kann ich Ihnen nichts Positives melden; hingegen kann ich mich Ihnen für die Wahrheitstreue oberwähnter Facta verbürgen. Bei solchen Zuständen, wo unter den Augen der Behörden Ausschreitungen geschehen, die ein grelles Schlaglicht auf die Toleranz der „unabhängigen" rumänischen Nation werfen, verlangen noch die sogenannten gebildeten, der besseren Elaste angehörigen Rumänen, daß die hiesigen Israeliten die ausländischen Zeitungen, insbesondere die „9!. fr. Pr." und das Journal des Döbats, veranlasten mögen, von den Verleumdungen und Klagen, welche das arme Rumänien in eine schiefe Stellung gegenüber dem Auslande zu bringen angethan sind, abzustehen. Ein lhörichteres und unmöglicheres Verlangen — Sie bezeichneten es unlängst ganz richtig als Symptom einer beginnenden Gehirnerweichung — kann man kaum stellen. Ja noch mehr. Die hiesigen Israeliten werden, um ihren Patriotismus zu bekunden, bestürmt, ja recht viel Geld für die rumänischen Verwundeten — Jucus a non Incendo — auszubringen, vielleicht deshalb, damit ihre noch nicht verwundeten Commilironen, wenn es gilt, die Israeliten zu schützen, ganz ruhig alldn Judenhetzen zusehen und bei Gelegenheit ihnen selbst einen Fußtritt versetzen könnten." — Weitere Mitteilungen über die Exceste in Darobani giebt uns eine Correspondenz aus Bukarest vom 9.: Ich bin bereits in der Lage, Ihnen einige sehr zuverlässige Details über die gegen die Juden im Städtchen Darobani verübten Exceste zu geben. Meine Voraussetzung, daß aus der Notiz des Romanul aus schauderhafte Greuellhaten zu schließen ist, werden sie in den nachfolgenden Notizen eines Augenzeugen vollauf bestätigt finden. Seit einigen Jahren schon bestanden Zwistigkeiten zwischen dem Gutsbesitzer Darobanis und der jüdischen, an vierhundert Familien starken Bevölkerung des Städtchens. Am meisten war es die Frau des Gutsbesitzers Cimara, welche gegen die Juden hetzte und nur auf den günstigen Moment wartete, um ihren Haß zu bethätigen. Vor sechs Tagen, Sonntag, den 3. Juni (neuen Styls), war wie gewöhnlich Markttag im Städtchen, und waren viele Bauern aus der Umgegend herbeigekommen. Schon mehrere Tage vorher hatte die Gutsbesitzerin mehrere Griechen gedungen, welche im Verein mit ihren Dienern etwa zwanzig

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