Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1877)
- Date
- 1877-06-19
- Page
- Seite 400 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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400 veranstalten läßt. Der letztere hat jüngst folgende Schrift veröffentlicht, welche die Resultate feiner Forschung mittheilt: „Underground Jerusalem: an Account of some of the principal Dirficulties encountered in ils Exploration and tlie Results olitained. Willi a Tsarrative of an Expedition through tlie Jordan Valley and a Visil lo the Samarilans.“ By Charles Warren, Caplain, R. E., &c, 1877, London, ßentley and Son. Wir geben hier einen Bericht, Len die Beilage zur „Wiener Abendpost" vom 6. Juni darüber gebracht. Die Hauptresultate der Ausgrabungen beziehen sich auf den sogenannten Tempel des Herodes, sogenannt, da Herodes, strikte genommen, den Tempel nicht selbst wieder aufbaute. Er gab zwar die Mittel dazu, doch wurde der Bau unter der Leitung und Anordnung des Hohenpriesters ausgeführt; Herodes erbaute nur die innereren und äußeren Höfe. Die letzteren waren von judäo-romanischer Architectur, während der Tempel selbst in streng judäischem oder phonizischem Style war, so weit die Rabbis die Grundzüge des alten Baues nachzuahmen oder auszuarbeiten vermochten. Die Grundmauern vom Tempel des Salomo waren in Felseneinschnitten von starken Steinböcken aufgebaut, bis zur Höhe der Fläche von Araunha, der ebenen Partie der Bergkette. Letztere war für den Altar Vorbehalten und der Tempel selbst auf der westlichen Seite des Höhenzuges so erbaut, daß seine Front nach Osten ging und sein Thor sich gegen die Fläche, die Dreschtenne, öffnete, auf welcher der Altar stand. Die Fläche, welche Salomons Tempel bedeckte, erstreckte sich 600 (englische) Ellen von Osten nach Westen und 400 Ellen von Norden nach Süven. Als Herodes sein Restaurirungswerk vornahm, erweiterte er diese Fläche beinahe zum Doppelten, indem er im Südosten den Platz miteinbezog, aus dem der Palast des Salomo gestanden hatte, wie auch eine kleine, noch unbenützte Bodenstrecke in Südwestern Auf einem fünfzig englische Ellen hohen Felsen nördlich vom Tempel erhob sich eine von den Makkabäern erbaute Citadelle des Namens Antonia. Die Südseite der Area war von einer prachtvollen Arcade eingenommen, die als der „königliche Klosterzang" bezeichnet ward. Im Westen des Tempels zog sich ein Straßendamm hin, die Schlucht überbrückend. Dies sind die vornehmsten Charakterzüge der Tempelgegend, wie wir sie aus der Bibel, dem Talmud und durch Josephus kennen lernen. Die Ausgrabungen Capitän Warrens aber haben eine glänzende Bestätigung dieser Hauptmomente an den Tag gefördert. Sie beweisen, daß die gegenwärtige Harams-Area an Ausdehnung dieselbe ist wie jene des Herodes. Zugleich zeigen sie, wo das Mauerwerk des Salomo endete und wo jenes des Herodes begann oder wo dieser einfach nur restaurirte oder ausdehnte. In der nordöstlichen Ecke der Plattform zeigt sich der Felsen zu Befestigungszwecken geböscht -und die Anschauung entspricht vollkommen der Beschreibung der Burg Antonia. Zugleich erweist diese Nivellirung, daß die gegenwärtige Andachtsstätte der Mcslims, die „Cubhet es Sakhra“ oder der Felsendom, vollkommen der Fläche von Araunha entspricht. Im Westen dieses Tempels befindet sich ein Bogen über die einstige Schlucht gespannt, der seinerseits wieder vollkommen mit der Schilderung des überbrückenden Straßendammes Lbereinstimmt. Unterhalb jener Stelle, an welcher sich der Altar befinden sollte, findet sich ein unterirdischer Raum, der ganz und gar dem Gange gleicht, der im Talmud als zum Abfließen des Blutes der Opferthiere bestimmt beschrieben ist. Wenn wir noch hinzufügen, daß Warren in den Felsen gehauene Wafferbehälter und Gänge aufgedeckt hat, die er mit jenen in den alten Schriften geschilderten vollkommen zu identificiren vermochte, so ist als ziemlich positiv anzunehmen, daß es ihm gelungen sei, , die einstige Tempelstätte zu präcisiren. Auch daß er durch seine Darlegung die Stelle, wo sich das Heiligthum der Heiligthümer befunden, als innersalb der „Cubhet es Sakhra“ bezeichnet, entspricht vollkommen der Tradition, die es gleichfals innerhalb der Area der Moschee verlegt. Alle im Laufe der Zeit gebildeten abweichenden Anschauungen über die Tempellage sind damit zunichte gemacht, daß, wie Capitän Warren darthut, jeder Stein den Schilderungen der alten Schriften entspricht. Ueber die alte Architectur der Stadt überhaupt sprechend, unterrichtet uns der Verfaffer auch über die einstigen Wohnhäuser derselben. Nach ihm waren sie zu alter Zeit wie in den anderen Theilen Syriens mit flachen Dächern construirt. Bei der Belagerung durch Titus wurden die Wälver rings umher zerstört und da keine großen Stämme mehr aufzutreiben waren, traten kuppelförmige, aus Stein erbaute Hauser an Stelle der ftüheren. Diese Bauart entspricht den klimatischen Berhältniffen weit weniger; im Winter sind die Wohnräume feucht und im Sommer dumpfig und ungesund. Auch werden durch den großen Raum, den schon die Mauern an sich einnehmen, die Bewohner übermäßig zusammengedrängt. Warren meint: da sich jetzt der Holztranspcrt um so Vieles billiger stelle, als es einst der Fall gewesen, möge man jetzt beim Häuserbaue wieder zu der alten, gesunderen Art zurückgreifen und der Gesundheitszustand der Stadt würde sich dadurch wesentlich verbessern. Vermischtes. Ehen zwischen Verwandten, so weit sie vom mosaischen Gesetze gestattet sind, z. B. zwischen Onkel und Nichte, Cousin und Cousine, sind schon oft als von schädlicher Wirkung hinsichtlich der Nachkommen ausgegeben worden. Dies wurde von andrer Seite bestritten. Wir erinnern uns, in den Memoiren der französischen Akademie aus statistischen Nachweisen die gegentheilige Behauptung, nämlich von der Unschäd-