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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-19 · Heft 25 (19.6.1877) · p. Seite 397

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 25 (19.6.1877)
Date
1877-06-19
Page
Seite 397 (sequence 9)
Language
German
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397 erzählt wird, so ist das Dasein Gottes erwiesen. Daß hiermit wenig gegen den „Unglauben unsrer Zeit" gethan ist, leuchtet ein. Denn wenn dieser erst sich zum Glauben an die h. Schrift bekehrt hat, ist er kein Unglauben mehr und braucht nicht bekämpft zu werden. — ars nao br win -iirr-2 rrora b-rrin pnsr nat nt«:. Dieser neue von Herrn Moses Tedeschi in Triest in hebräischer Sprache verfaßteCommentar zum Buche Hiob stützt sich, wie auch Las Vorwort besagt, außer aus die altern Exegeten, besonders aus die Commentare Luzzato's und Philippson's, und hat vorzugsweise die Lösung der grammatikalischen und lexikalischen Schwierigkeiten, an denen der Text des Hiob so reich ist, sich zur Aufgabe gestellt. Wir begegnen hier vielen trefflichen Bemerkungen, die Aufmerksamkeit verdienen und von der Sachkenntniß und dem Scharfblick des Verfaffers Zeugniß geben. Wir begrüßen daher diese Schrift als einen weiteren wichtigen Baustein zum Verständniß dieses biblischen Buches, welches die Bewunderung auch aller zukünftigen Geschlechter fesieln wird. — „Aus meiner rheinischen Studienmappe. Charakterbilder, Literaturporträts und Skizzen aus der Gegenwart von Adolph Kohut". (Düsseldorf, Breikenbach & Baumrnn, 1877.) Obgleich diese neueste Schrift des Herrn Kohut, Chefredacteurs der Düsseldorfer Zeitung, nur auf einigen Seiten das besondere Jntereffe unseres Blattes berührt — sie bringen eine Schilderung des alten jüdischen Friedhofs zu Düsseldorf — wollen wir doch die Aufmerksamkeit unserer Leser aus dieselbe richten. Die 10 Aufsätze, welche sie enthält, betreffen zwar vorzugsweise Persönlichkeiten und Gegenstände aus der Rheinprovinz, diese sind jedoch auch von allgemeinem Interesse und die Darstellungs- und Behandlungsweise ist so anziehend, theils aus bedeutsamen Gesichtspunkten gefaßt, theils mit tiefer Empfindung und feiner Beobachtung erfüllt, daß der Leser das Werkchen mir vieler Befriedigung aus der Hand legen wird. Bonn, 10. Juni. (Literarische Notizen.) Man schreibt uns aus Pest: Unter dem Titel irnas erscheint in Wien unter der Redaction des Herrn Baruch Mitrani eine neue pädagogische Zeitschrift in hebräischer Sprache mit spanischer Uebersetzuug. Dieselbe ist zumeist für die Juden in der Türkei und in denjenigen Ländern berechnet, welche sich des spaniolischen Idioms bedienen. — In Paris ist les pri&res des Falachas ldie bekanntlich für Abkömmlinge der Juden in Abyssinien erachtet werden), mit einer hebräischen Uebersetzung von Joseph Halovy erschienen. Wir werden darüber Näheres berichten. — Abbs Ancessi hat einen Band .tob et figypte veröffentlicht, in welchem er die Uebereinstimmung des Buches Hiob mit dem „Todtenbuche" der Egypter, die manchmal bis znr wörtlichen Fassung geht, nachweist. Auch auf dieses Werk werden wir zurückkommen. — Schilderungen des Wesens und der Sitten der osteuropäischen Nationen sind jetzt Modesache geworden. Die Russen, die Polen, die Rumänen u. s. w. und besonders auch die unter diesen wohnenden Juden bieten einen mannichfaltigen Stoff der Beobachtung und Darstellung. Bald in belletristischer Form, wie Turgeniew und Sacher-Masoch mit mehr oder weniger Glück und Geschick gethan, bald als Reiseskizzen, bald als Culturbilder werden uns die mannichfaltigen Erscheinungen des Lebens und Charakters jener Völker vorgeführt. Die halbe Cultur und halbe Barbarei dieser Nationalitäten bieten einen reichen Stoff theils pikanter, theils tragischer Natur. Daß solche Speise, wenn sie nur irgend mit würziger Sauce servirt wird, den Hautgoutgeschmack unsrer Zeit reizt, läßt sich voraussetzen, und mit der Nachfrage wächst auch die Zahl der Künstler, die jene bereiten. So schaffte sich Carl Emil Franzos durch sein „Halbasien" schnell einen gewissen Ruf; er ließ „die Juden in Barnow", die als Dichtungen auf realistischem Grunde siguriren, folgen und hat bereits ein neues Buch unter der Presse, aus dem wir ein Capitel „Rumänische Sprüchwörter" lasen. Er fand bald einen Nachfolger in Goldbaum, der eben „Entlegene Culruren" erscheinen ließ, deren letzter Theil den Juden gewidmet ist. Wir gestehen offen, daß wir bereits an Liesen Schilderungen genug haben. Die wüste Barbarei, die Roheit und Gemeinheit, der Schmutz, die hier überall zu Tage treten und kaum hier und da durch einen Lichtblick der Gemüthlichkeit gemildert werden, widern uns allmälig an. Wir geben zu, daß wahrheitsgetreue Schilderungen aus jenen Gegenden ein Bedürfniß waren und zum Bewußtsein der Gegenwart gehören. Aber wenn daraus ein Lebensberuf gemacht wird und immer dieselben Objecte nur in etwas anderer Form, bald milder, bald düsterer gefärbt uns vor die Augen gebracht werden, so geschieht des Guten bald zu viel. Wir Hallen es nicht für übertrieben, wenn wir meinen, daß die west- und mitteleuropäische Cultur durchaus noch nicht so fest und unerschütterlich ist, um nicht durch die Häufigkeit von Schilderungen barbarischer Scenen und Sitten zu leiden. Das Gemeine frißt sich bei allzu vieler Berührung leicht ein, wie ein Oeltropfen in reines Papier. — Leben und Wirken Hillel des Ersten. Vortrag, gehalten im Afike-Jehuda-Berein in Prag von Dr. pliil. Alexander Kisch, Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Zürich. Wien 1877. Brüder Winter. Wer da weiß, wie schwierig es ist, einen großen, bedeutsamen Gegenstand im engen Rahmen eines Vortrages genügend zu behandeln, und wie es dabei besonders auf das Maß des Nichtzuviel und Nichtzuwenig und auf die Gruppirung des Einzelnen zum Ganzen ankommt, wird dem vorliegenden Bortrage nicht feine Anerkennung versagen. Mit Fleiß und Umsicht sind alle Hillel betreffenden Notizen zusammengetragen und benutzt, die großartige und doch so milde Erscheinung in's rechte Licht gestellt, der Charakter Hillel's als Mensch und Lehrer gezeichnet und seine Thätigkeit und Einwirkung auf die Folgezeit geschildert. Merkwürdig bleibt es, wie sehr das innere und das äußere Leben der jüdischen Nation schon in jener Epoche geschieden waren, so daß, wo die Quellen über das innere Leben noch so reichlich fließen, auf das äußere nur^geringe Streiflichter geworfen werden und umgekehrt 25

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