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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-19 · Heft 25 (19.6.1877) · p. Seite 396

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 25 (19.6.1877)
Date
1877-06-19
Page
Seite 396 (sequence 8)
Language
German
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396 zwanzig Stück Börsebau-Anlehns-Schuldverschreibungen ü 1000 fl. sammt Coupons vom 1. November 1877 zur Errichtung eines dem Andenken ihres verstorbenen Sohnes Hermann Freiherrn von Todesco tder bekanntlich an den Folgen eines Sturzes verstorben), gewidmeten Ausbildungs-Stipendiums für einen jungen, bedürftigen und in seiner wissenschaftlichen Laufbahn bereils erheblich fortgeschrittenen Oesterreicher, ohne Unterschied der Confession, übergeben. Schweiz. Zürich, 1. Juni. (Privatmitth.) Heute Nachmittag wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, Leffen Name auch über die Grenzen der Schweiz gekannt und mit Achtung genannt wird; es ist dies der Lehrer Markus G. Dreifus. Das Leben dieses trefflichen Mannes ist mit der Culturentwickelung der schweizerischen Israeliten eng verflochten. In Endingen geboren, wurde er, nachdem er die Talmudschule und das Seminar in Karlsruhe und auch kurze Zeit die Hochschule in Basel besucht hatte, an der von der aargauischen Regierung neu organisirten israelitischen Gemeindeschule seiner Heimathsgemeinde als Lehrer angestellt, und wirkte er an derselben mit kurzen Unterbrechungen mit voller Hingebung bis zum Herbste des Jahres 1870. Einige Jahre war er in der aufblühenden Gemeinde Genf als Lehrer thätig und kurze Zeit als Redacteur des „Bote" in Winterthur. Dreifus war ein eifriger Verfechter der Rechte seiner Glaubensgenosien, für deren bürgerliche und sociale Hebung er mit Muth und Ausdauer wirkte. Schon im Jahre 1848 richtete er eine „ehrerbietige Vorstellung an den hohen Vorort in Bern" mit dem Gesuche, in der neuen Bundesverfassung keine, die Emancipation hindernde Beschränkung aufzunehmen. Sowohl durch seine Artikel in den verschiedensten Journalen der Schweiz, als durch seine Schriften „Zur Würdigung des Judenthums unter seinen Nichtbekennern", „Die bürgerliche Gleichstellung der Juden im Aargau" u. a. hat er die Emancipation der schweizerischen Juden mit zu fördern gesucht. Daß einem Manne, wie Dreifus, dem Cultur und Fortschritt Herzensangelegenheit waren, auch die Kämpfe mit den jeder Cultur feindlich gesinnten Orthodoxen nicht erspart waren, versteht sich wohl von selbst, und diese Kämpfe, welche ihm manche bittere Stunde bereiteten, trafen ihn um so empfindlicher, als er, Vater einer zahlreichen Familie, viele Jahre mit der bittersten Noch zu kämpfen hatte. Seit dem Erscheinen der „Allg. Zig. d. Judenih." war er einer ihrer fleißigsten Mitarbeiter, auch lieferte er mehrere Beiträge in Stein's Volkslehrer. Seine Arbeiten sind Bausteine zu einer „Geschichte der Juden in der Schweiz", die zu schreiben er sich vorgenommen hatte. Die letzten Jahre seines Lebens verlebte er im Kreise seiner hiesigen Kinder und war er bis zu dem kurz vor seinem 65. Lebensjahre erfolgten Tode als Religionslehrer der hiesigen Gemeinde chätig. Möge sein Andenken ein gesegnetes sein! Bonn, 3. Juni. (Notizen.) Man schreibt uns: Am 15. Mai c. beging der Lehrer und Cantor S. Jacobi in Zielen zig das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit in dortiger Gemeinde. Der Jubilar ist nun bereits 40 Jahre im Amte. — Aus Westphalen vom 29. Mai theilt man uns mit: Anfang dieses Jahres verließ Herr Gymnasiallehrer M. Bisping die Marx-Haindorf'sche Stiftung in Münster, an der er während 23 Jahre den Musikunterricht geleitet hatte. Selten mag wohl ein Lehrer sich die Liebe und innige Verehrung aller seiner Schüler in so hohem Grade erwerben: ihm gelang es durch die Macht der Liebe, welche er jedem Zögling entgegentrug, und durch einen fesielnden und anregenden Unterricht. Bei der Nachricht seines Abgangs bildete sich ein Comitv, bestehend aus den Herren Musikdirector Levy - Stolberg, Liepmannssohn-Rahden, Klestadt-Lippstadt und Löwenberg-Geseke, welches am 1. Pfingsttage eine mit zahlreichen Unterschriften versehene Adreffe und ein kostbares Album, angefüllt mit den Photographien von 34 Lehrern, überreichte. Die Ansprache des Herrn Liepmannssohn, sowie die Antwort des Herrn Bisping waren tiefgefühlt, und die Ovation erreichte vollständig ihren Zweck, dem verdienten Lehrer den Zoll dankbarer Anerkennung darzubringen. — Man berichtet uns aus B unzlau, den 31. Mai, über die feierliche Grundsteinlegung zu der im Bau begriffenen neuen Synagoge, welcher der Landrath, der Bürgermeister, die Mitglieder des Magistrats, die evangelische Geistlichkeit :c. anwohnten. Choräle und eine ergreifende Festrede des Cultusbeamten Tintner riefen einen erhebenden Eindruck hervor. Die üblichen Hammerschläge wurden auch von den evangelischen Pastoren gethan, und bei der ganzen Feier bethätigte sich die schöne Eintracht, in welcher alle Stände und Confessionen in unsrer Stadt miteinander leben. Bonn, 10. Juni. (Notizen.) Der 32. Rechenschaftsbericht der jüdischen Bade-Armencaffe zu Warmbrunn zeigt uns bei verhältnißmäßig geringen Mitteln eine segensreiche Thätigkeit. Für die Einnahme von 1071 M., zu denen 25 jüdische Gemeinden (Berlin und Breslau mit je 90 M.) und 15 Chebroth, sowie d'ie Sammlungen bei jüdischen Badegästen das Meiste beigetragen, wurden 112 Wochen Unterstützungen, 110 Wochen Wohnungsmiethen, 767 Miltagsmahlzeiten, 347 Bassinbäder, 74 Douchebäder u. s. w. geleistet, und 109 M. Saldovortrag erübrigt. Die weitere Unterstützung der Caffe ist daher bringend zu empfehlen. Bonn, 3.Juni. 'Literarische Notizen.) „Stimmen der Wahrheit über das Dasein Gottes. Beherzigenswerthe Worte gegen den Unglauben unsrer Zeit". Stuttgart. Fink & Comp. Der schöne Titel mag den Leser nicht verleiten. Das Schriftchen ist nichts weiter als ein Missionstraktätchen, in welchem gesagt wird: Wir wollen Alles glauben, was im Alten Testamente steht, so glaubet Ihr auch, was im Neuen Testamente steht. Die Beweise für das Dasein Gottes beschränken sich auf den Satz: da in der h. Schrift die Schöpfung der Welt durch Gott

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