Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1877)
- Date
- 1877-06-19
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
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392 Czernvwitz, 5. Juni. Reisende berichten von schrecklichen Mißhandlungen, welche vorgestern, Sonntag, den ganzen Nachmittag in dem vier Meilen entfernten moldau'fchen Städtchen Dorobani gegen die dortigen Juden verübt wurden. Sämmtliche Juden, gegen 200 Familien, wurden mit Waffen und Knütteln mißhandelt, verjagt, ihre Häuser und Laven geplündert und Vieles zerstört. Die Flüchtlinge werden hier erwartet. Da auch manche österreichische Unterthanen darunter sich befinden, wurde sofort die Anzeige und Beschwerde an die hiesige Landesregierung erstattet. Es herrscht hierüber Aufregung in der Geschäftswelt. Gebe Gott, daß gegen solche örtliche Mißhandlungen sofort die geeigneten Maßregeln ergriffen werden, damit sie nicht wie eine Epidemie sich ausbreiten. Solche Vorgänge geschehen in der Nähe des russischen Heeres, das ausgegangen, um die gegen die bulgarischen Christen ausgeübten Grausamkeiten zu strafen, und die Fortsetzung derselben zu verhindern! Wem wir dies zu verdanken haben? Doch wohl nur der systematischen Erziehung der Volksmaffe zu solchen Greueln gegen die Juden, welche die rumänische Regierung betrieben hat. Zu oft haben die höheren Beamten selbst Plünderung und Berjagung der Juden in's Werk gesetzt, daß nicht auch die Masse selbst dem edlen Beispiel folgen und dem Räuberhandwerk sich ergeben sollte. Dies ist die active Schuld, die passive trifft die Schwäche der Großmächte, welche für die Leiden der Juden nichts als papierne Vorstellungen hatten, die ihrer Natur gemäß in den Papierkorb der rumän. Minister fielen. Was helfen da dicke Blaubücher, als höchstens den traurigen Thatbestand von Niedertracht einerseits und Schwäche andererseits zu erhärten? Eine kräftige Androhung des Abbruchs der diplomatischen Verbindung und e i n Beispiel davon hätte mehr gewirkt, als viele Foliobände von Actenftücken in blauem oder gelbem Umschlag! Jetzt ist das Unglück wieder da und wer weiß, was noch nachfolgt!!) Eine günstige Gelegenheit böte sich noch dar, wenn im Laufe der Verhandlungen die Anerkennung der rumänischen Unabhängigkeit seitens der Mächte zur Sprache käme. Daß Rumänien die Unabhängigkeitserklärung in diesem Augenblicke nicht gewagt, wenn es nicht das Zugeständniß Rußlands in der Tasche hätte, ist einsichtlich. Bei den zukünftigen Friedensverhanvlungen wird sie daher Gegenstand derselben werden. Da hätten also die 1) Aus Bukarest vom 5. Juni besagt ein Telegramm: Ein Grieche im Districte Dorohocu ließ durch seine Leute einige Juden mißhandeln, von denen er die Zustimmung zur Aufhebung von Erbpachtvertragen erlangen wollte. Die rumänische Regierung wies den Prafecten und Generalprocurator in Jassy an, sich an Ort und Stelle zu begeben und die Rechte der Juden zu schützen. Machte die volle Gelegenheit, die Gleichberechtigung der Juden und den aus dieser folgenden Schutz als Bedingung aufzustellen. Ist ihnen doch hierin die Türkei bei der Friedensverhandlung mit Serbien mit gutem Beispiele vorangegangen. Wir machen die einflußreichen Männer, welche sich bis jetzt zu Gunsten der rumänischen Juden unermüdlich, aber erfolglos verwandten, hierauf schon jetzt aufmerksam, um von ihren resp. Ministerien des Auswärtigen bindende Zusagen möglichst zu erlangen. Weitere Berichte über die Dimensionen dieser Greuelthaten lauten: Czernowitz, 7. Juni. Bei der im Orte Dorobani, im Dorohoier Districte in Rumänien, am Sonntag stattgehabten Juvenaustreibung wurden 150 jüdische Einwohner ausgeplündert, 90,000 Ducaten geraubt, 1 Mann getödtet und 24 Personen verwundet. Czernowitz, 7. Juni. Ueber die bereits gemeldete Plünderung in Dorobani verlautet weiteres, der Bottuschaner Consul habe hierher mitgetheilt, daß es dem auf dem Thatorte erschienenen Dorohoier Präfetten unmöglich war, der entfesselten Meute Einhalt zu gebieten. Bedeutendere Zahlen werden im Folgenden angegeben. Eine an den Präsidenten der „Israelitischen Allianz" zu Wien gelangte Depesche meldet: Aus der moldau'fchen, unweit Czernowitz gelegenen Stadt Dorabani hergereiste glaubwürdige Augenzeugen überbringen die traurige Botschaft, daß Sonntag sämmtliche dortige israelitische Einwohner von Moldauern am Hellen Tage überfallen, mißhandelt, vollständig ausgeplündert wurden; deren ganzes bewegliches Vermögen ist theils vernichtet, theils auf Wagen weggeführt; über 120 Personen sind verwundet, darunter 20 lebensgefährlich; Wohnungen wurden demolirt, Synagogen entweiht, und herrscht fürchterliches Elend, daher rasche Hülfe dringend nöthig. Es wird dies bestätigt durch folgendes Telegramm der „K. Ztg." aus Bukarest vom 9. d.: In dem Städtchen Dorabani in der Moldau fand am 5. eine heftige Judenhetze statt. Viele Juden wurden getödtet, die Hauser geplündert. Desgleichen wurde in Jaffy Nachts das Judenviertel in Brand gesteckt, wobei 14 Häuser verbrannten. Die Regierung hat eine strenge Untersuchung angeordnet. (Nach den Beispielen, welche die Präfecten und die Regierung gegeben, ist es natürlich, daß die aufgeregte Maffe an den Ernst jener nicht glaubt.)