Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1877)
- Date
- 1877-06-19
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
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391 gelangt. Im elfteren Fall zeigt sie sich als „Herzleiv" (mW rrn 1 Mos. 20, 3b), als „belasteten Geistes" (rrn nap 1 Sam. 1, 15); im zweiten Falle als „gebeugten Geistes (nfio: irn Spr. 15, 13. 17, 22. 18, 14), Der Dem „fröhlichen Herzen" gegenüberstehl, Die Gesunoheit untergräbt uno zum Ertragen schweren Geschickes unfähig macht. Endlich als „gebrochener Geist" (pban r.i-, Hiob 17, 1), cer nur noch das Verlöschen seiner Tage unD Das Grab in Aussicht nimmt. So ist es auch die erfahrene Täuschung und die anwachsende Belastung, welche Den Geist mit Unmuih füllt (nn “ljtp 2 Mos. 0, 3), daß er auf Die Worte Der Tröstung unD Der Hoffnung nicht hört — wohingegen durch fröhliche beglückende Botschaft, durch Die Gewißheit neuen Glückes dieser Unmuih schnell verschwindet, und „der Geist wieder auflebt" (rvn 'nm 1 Mos. 45, 27). So wird auch ausgedrückt, daß Jemand vor Bewunderung über das, was er wahrnimmt, „außer sich" ist (sehr naiv ausgedrücki 1 Kön. 10, 5 rrn ra rrn sb „es war kein Geist mehr in ihr" — während ein geistvoller Mensch bezeichnet wird: „es ist Geist in ihm", 4 Mos. 27, 18). Als Charaktere werden erwähnt: der treue, wahrheitsliebende Geist, dem Verleumder gegenüber (-p:s: Spr. 11, 13), Der demüthige ('n ba*a Spr. 10, 19), Der langmüthige ('-, -ps), beide mit ihrem Gegensätze der hochmüthige na: Koh. 7, S), der feste Geist, der sich weder durch Verlockung, noch Lurch Drohung beirren und von feinen Grundsätzen abdrängen laßt, und deshalb mit dem „reinen Herzen" sich gesellt Opa: '-s Ps. 51, 12); eine Nuancirung ist „der kühle Geist", desien Grundzug die Vorsicht ist, die ihn mitten im Sturme der Verhältnisse und andrängender Begehrlichkeiten nicht verläßt ('n -,p Spr. 17, 27); als höchste Bezeichnung endlich kann uns hier nan: '-i „ein freier Geist" (Pf. 51, 14) gelten, ein Geist, Der, wie der Zusammenhang lehrt, von Nichts befangen, von innen heraus zu allem Herrlichen getrieben wird, opferwillig, allem Heiligen ergeben. — Während diese verschiedenartige Beschaffenheit des Geistes im individuellen Menschen waltet und gekennzeichnet wird, saßt die Schrift solche Begabung, Richtung und SeelenzustänDe auch ganz allgemein, sie gewisiermaßen personifizirend, als nr: auf, und zwar cheils nach der schlimmen, theils nach der guten Seite. So wird von einem rrn rrn „bösen Geiste" gesprochen, der Richter 9, 23 sich als Geist der Zwietracht specialisirt, 1 Sam. 16, 14. 15, 23. 18, 10 als Geist des Trübsinns, Der Melancholie, der bis zur Raserei anschwillt; dahin gehört der „Geist Der Eifersucht" auf das Eheweib (r,s:p 4 Mos. 5, 14. 30), Der Lügengeist, Der die Propheten indem sie sich persönlichen Interessen hingeben, zu falschen Weissagungen verleitet (-pa '~i 1 Sion. 22, 22. 23 t, Der Buhlgeist (C':::' '-> Hos. 4, 12). Diesem gegenüber wirD uns alles Große und Erhabene in gleicher Weife vorgestellt, vor Allem als „Geist der Weisheit" (rr;an 'n 2 Mos. 28, 3. 31, 3. 35, 31. 5 Mos. 34, 9), der sich als Geist der Einsicht und der Erkenntniß eben sowohl in sittlichen Tugenden wie in aller Kunstfertigkeit (nasaa ran) belhätigt. Wir haben hier ein Moment zu beachten, das von großer Bedeutung, sonst gerade vom hellenischen Geiste gerühmt wird, und sich doch an den angeführten Stellen in noch tieferem Maße im Hebraismus offenbart, nämlich, daß die wahre Kunst, namentlich in ihrer ursprünglichen und schöpferischen Periode, nicht bloö aus äußerer Wahrnehmung, lebhafter Einbildungskraft und Geschicklichkeit entspringt, sondern daß zur Beseelung des echten Künstlers liefe Einsicht und Erkenntniß, wahrhafte Weisheit erforderlich ist und seine Kunstschöpsungen aus solchem Geiste erstehen. In der Schrift nun wird nothwenbiger Weife dieser Geist unmittelbar mit Gott in Beziehung gebracht: die Künstlerseele muß von echt religiöser Begeisterung erfüllt sein, um heilige Gebilde für den heiligen Dienst hervorzubringen. Was nun an Den anges. pentateuchischen Stellen von der Kunst ausgesagl wird, das theilt der Prophet als die Forderungen, um die Völker im Sinne Gottes zu regieren, zu leiten unD zu beglücken, dem höchsten menschlichen Herrscher zu. Jesajas (11, 2) erkennt in diesem „den Geist der Weisheit und der Einsicht, den Geist des Ralhes und der Kraft, den Geist der Erkenntniß und der Gottesfurcht". Die Weisheist ist das richtige Wisien, die Einsicht das UmerscheiLungSvermögen zwischen Falschem und Wahrem, wie es aus diesem Wisien fließt; der Geist des RatheS ist das Vermögen, in den Weltverhältnisien sich stets zurecht zu finden und das Erforderliche zum Heile herauSzusondern, wie die Kraft die Energie, dies zur Ausführung zu bringen, enthält; alles Dies beruht auf der Erkenntniß, die über die irdischen Verhällnisie erhebt, und auf der Gottesfurcht, derselben Thäligkeit in der Gefühlssphäre. Als Besonderheit haben wir hier nur noch „den Geist der Milde und des Flehens" (a':i:nm *,n '-i Sechar. 12, 10) anzuführen. — Als Thäligkeit des Geistes wird noch Das „Forschen" desselben (Psalm 77, 7j insoncers das „Suchen Gottes in (oder mit) seinem Innern" (Jes. 20, 9) angeführt, auch wie der Geist sich auf's Schnellste von einem Orte zum anderen versetzt und daselbst die Tinge schaut, als ob er gegenwärtig wäre (Jech. 43, 5). Rach diesen Aussagen über den Geist, seine Richtungen, Bewegungen und Thätigkeiten treten wir in ein anderes seelisches Gebiet mit den Worten as: und ab ein. Rumänien immer wieder der Schauplatz von Verfolgungen. Die Befürchtung, die wir bei dem Beginn des gegenwärtigen russisch-türkischen Krieges ausgesprochen haben, nämlich, daß durch diesen die Verwilderung des rumänischen Volkes wachsen und unsre Glaubensgenoffen in diesem unseligen Lance neuen Mißhandlungen ausgesetzt sein würden, bestätigt sich leider. Es läuft folgendes Telegramm ein: 25*