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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-12 · Heft 24 (12.6.1877) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 24 (12.6.1877)
Date
1877-06-12
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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384 fischen Gesetzen zu bringen. 1786 erschienen die vom Parlament festgestellten Coutumes der Metzer Juden im Druck bei der Wittwe Antoine. 1775 ward den Juden die Anlage einer eigenen Buchdruckerei gestattet, welche indeß bald einging und erst 1812 auf kürzere Zeit wieder in Thätigkeit trat. 1777 bestätigte Louis XVI. den Metzer Juden ihre Privilegien. Der katholische Klerus begann, sowie den Juden die Niederlafiung in Metz durch Bieilleville gestattet ward, die angestrengtesten Versuche sie zu bekehren, erreichte jedoch nur sehr vereinzelte Erfolge. Allgemeine Freude bei den Katholiken erregte die durch Bofiuet bewirkte Bekehrung des Metzer jüdischen Jünglings Weil (de Veils, eines talenwollen, durch seine wifienschaftlichen Kenntnisse ausgezeichneten Menschen. Derselbe trat zur katholischen Kirche über, ward Augustiner Mönch, studirte in Angers, ward 1674 voctor tlieologiae, erlangte durch seine Predigten großen Ruf, schwor 1679 die katholische Lehre ab und trat zur englischen reformirten Kirche über, ward auch dieser untreu, schloß sich der Sekte der Wiedertäufer an, heirathete und starb 1680. Seine Schriften machten ihrer Zeit großes Aussehen. Auch ein Bruder von Weil wurde von'Bossuet zum Katholicismus bekehrt, trat aber später gleichfalls zur reformirten Lehre über. Im 17. Jahrhundert traten ferner der Doctor Paulus, später Leibarzt des Königs in Breisach, Sohn des in Metz lebenden, großen Ruf genießenden Arztes Isaak, und Simon Bendricq, Sohn des Rabbiners Cerf Bendricq aus St. Avold, zur katholischen Lehre über. Die Manie des katholischen Metzer Klerus, Juden zu bekehren, erreichte nach dem Widerruf des Edikts von Nantes den höchsten Grad, die Erfolge entsprachen aber nicht im geringsten den gemachten Anstrengungen. Die Metzer Judenschaft gelangte im Verlauf des 18. Jahrhunderts, wenn auch nicht zu auffallend großem Reichthum, so doch zu allgemeiner Wohlhabenheit. Die militärischen Lieferungen, der Pferdehandel, das Wechsel-, Pfand- und Geldgeschäsr befanden sich fast ausschließlich in ihren Händen, auch die meisten übrigen kaufmännischen Geschäfte betrieb sie mit Erfolg, obwohl ihr seitens der christlichen Concurrenten alle nur erdenklichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt und ihre Steuern von Jahr zu Jahr vermehrt wurden. 1739 nölhigte der Gouverneur Belleisle die Judenschaft, auf ihre Kosten den Quai de l'Arsenal zu erbauen. Er drohte derselben, im Weigerungsfälle ihre sämmtlichen Häuser, welche in der jetzigen Rue de l'Arsenal lagen, demoliren zu lassen weil diese Straße zu schmal (ihre Breite betrug nur 4,30 M.) und der militärische Verkehr nach dem Retranchement Guise hierdurch erschwert fei. Den Juden blieb nichts übrig, als mit bedeutenden Geldopfern die durch Anlage des Quais gewonnene neue Straße nach dem Retranchement herzustellen, wofür ihnen dann keinerlei Beschädigung an ihren Häusern zugefügt ward. Im Allgemeinen hat die Geschichte der Metzer Juden, veriranzösischen Nachbarstädten nur wenige und kurze Perioden der christlichen Intoleranz zu verzeichnen. Abgesehen von der allerorts üblichen schimpflichen Behandlung genoß die Metzer Judenschaft seit Heinrich IV. den Schutz der Gesetze in gleichem Maße wie jede andere Confession und sah sich gegen alle Excesse geschützt; unter Louis XV. und XVl. war sie nur unbedeutenden Plackereien und Bedrückungen ausgesetzt; die große Revolution forderte von ihr nur geringe Opfer. Die Abneigung der christlichen Metzer Bevölkerung gegen dieselbe erhielt sich übrigens bis zur Revolution in ungeschwächter Kraft. Kurz vor dem Ausbruch derselben erschien in Metz eine von Aubert Dufayet verfaßte Schrift „le cri du citoyen contre les juifs de Metz“, welche die mittelalterlichen Anklagen gegen die Juden wieder aufrührte und die christliche Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen dieselbe anreizte. Der Metzer Jude Isaak Beer Bing, durch wissenschaftliche Bildung vor seinen Glaubensgenossen hervorragend, widerlegte diese Schrift in einer Broschüre „lettre du Sr. I. B. B., Juif de Metz, 5 l’auteur anonyme, intitule, le cri du citoyen contre les juifs de Metz. Collignon, 1787,“ welche allgemeines Aufsehen erregte und sogar die zweite Auflage erlebte. i) 1807 beseitigte endlich Kaiser Napoleon die Schranken, welche die französische Judenschaft von der Gleichberechtigung mit den übrigen Confessionen ausschlossen. Seine Absicht war es, die französische Judenschaft geistig und moralisch zu regeneriren, sie auf die gleiche sociale Stufe mit der übrigen Bevölkerung zu erheben und hierdurch die großen Fähigkeiten des durch fast zweitausendjährige Knechtschaft verkommenen Volkes in wirklich segensreicher Weise für das Wohl des Landes nutzbar zu rnachen. 1807 war eine Versammlung aller französischer Rabbiner nach Paris berufen. Unter dem Vorsitz sachverständiger Fachmänner wurden die Mittel und Wege erörtert und festgestellt, durch welche das vom Kaiser angedeutete Ziel erreicht werden sollte. Die Erwartungen des großen Kaisers sind nicht getäuscht worden, eine nicht nur für Industrie und Handel, sondern auch für andere Berufsarten befähigte und nützliche Claffe der Bevölkerung, welche bis dahin im schmutzigen Tröcel- und Wuchergeschäft, unter dem Spott und den Gewaltthätigkeiten der christlichen Bevölkerung geistig und körperlich verkommen mußte, ward dem ftanzösischen Reich neu gewonnen. Bald erschloß sich auch der französischen Judenschaft der Zuttitt zu bürgerlichen und staatlichen Stellungen, welche ihr ftüher ganz unzugänglich gewesen waren, und hiermit ward ihre Gleichberechtigung mit der christ- I) Wir fügen hier eine Notiz von S. 448 an: 1765 gründete Moses Mai eine hebräische Buchhandlung, welche er 1775 seinem Schwiegersöhne Goudchaux Spire übergab. Dessen Sohn Abraham übernahm dieselbe 1789, gab aber zur Zeit der Revolution das Geschäft ganz aus. Er machte den Versuch, "für die Judenschaft des Metzer Landes eine Zeitung zu gründen. Dieselbe erschien wöchentlich einmal und war in dem jüdischen Patois aber mit hebräischen Schriftzügen . , geschrieben. Die Zeitung rcutirte sich nicht und ging nach fünfmonatglichen mit den Erlebnissen dieses Volkes in den deutschen und! Uchem Bestehen ein.

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