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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-12 · Heft 24 (12.6.1877) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 24 (12.6.1877)
Date
1877-06-12
Page
Seite 383 (sequence 11)
Language
German
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383 an die warmen Herzen Israels pochen soll. Was Männer mit echten „jüdischen Herzen" und voll Liebe für unser Volk bei uns auszurichlen vermögen, haben zur Genüge gezeigt Herr Chone Kahn, über deffen Streben zu streiten ist, dessen gutem Willen und dem entsprossener Wirksamkeit von allen Unparteiischen volle Anerkennung gezollt wird; — das hat uns ferner gezeigt Herr Feinberg, der trotz seiner Stellung, als unbemittelter Student, bei uns sehr Bedeutendes und höchst Anerkennenswertes in's Leben gerufen hat, und dessen gegenwärtige Abwesenheit bei uns noch heute nicht genug vermißt werden kann. Das zeigt uns schließlich noch heute der rühmlich bekannte jüdische Dichter L. Gordon, Secretär des Vereins zur Vorbereitung der Bildung:c., der, Dank seiner Einsicht und bewunderungswürdigen Energie, Großes stiften könnte, wenn er nicht genöthigt wäre, seine Thätigkeit zu zersplittern, wenn seine Stellung eine mehr selbstständige gewesen wäre. Allein solche Männer, wie die oben erwähnten, sind bei uns höchst seltene und vereinzelte Erscheinungen. Aber auch solche Männer würden sich öfter und häufiger finden lassen, wenn unsere sein sollende Gemeinde bei ihrer Organisation anders zu Werke ginge, als es jetzt der Fall ist. Es werden nämlich bei uns alle lastenden Ehren und ehrenden Lasten, alle Aemter und Würden unseren „Reichen" aufgebürdet, unbekümmert besten, ob diese Herren des Guten schon nicht zu viel hätten, ob sie von ihren großen weitverzweigten und vielgestaltigen Geschäften nicht zu sehr in Anspruch genommen werden, alß daß sie in unsere Gemeindeangelegenheiten thätig eingreifen könnten. Gewiß, daß jeder Verein sehr viel daran gewönne, wenn eine einflußreiche und vielvermögende Persönlichkeit an seiner Spitze stände, allein ohne eifrige Thätigkeit vermag auch eine solche Persönlichkeit wenig oder gar nichts. Ebenso gewiß ist es, daß „unsere Reichen", die gegenwärtig mit der Leitung unserer Communalinrereffen betraut sind, wie z. B. die Herren Baron H. Günzburg. L. Rosenthal, Polinkow, Warschosssky :c. :c., die sowohl durch glänzende Freigebigkeit, als auch durch warmes Interesse für ihre Glaubensbrüder, als Muster rastehen, den Ehrenplatz, den sie jetzt bei uns einnehmen, mit vollem Rechte verdienen würden, wenn er nur ein Ehrenplatz wäre, wenn er den ihn Einnehmenden gestatten würde, aus ihren Lorbeeren zu ruhen. Nun erheischt er aber eine rührige und emsige Thätigkeit und vor Allem schwere Opfer an Zeit, was von den erwähnten Männern, denen die Zeit so spärlich zuzemeffen ist, zu verlangen, rücksichtslos sein hieße. Die hohe Achtung, die wir diesen hochverdienten Männern schulden, gebietet uns, von denselben mit voller Sicherheit zu erwarten, daß sie ihre großherzige Theilnahme unserer Gemeinde nie entziehen, daß sie ihr vielmehr zu jeder Zeit mit Rath und That wacker beistehen würden, auch wenn sie unserem Gemeindevorstand blos als Ehrenmitglieder erhalten blieben; hingegen als acrire Glieder desselben, Männer ernannt würden, von denen man, bei deren Stellung, eine größere Thätigkeit sich versprechen dürste. Dieses Alles will man bei uns, wie es scheint, nicht einsehen, oder ganz einfach, man übersieht es. Demnach sieht es auch bei uns so traurig aus; daher haben wir noch heute weder eine organisirle und bestätigte Gemeinde, noch eine Synagoge, weder ein Armenncch ein Krankenhaus. Ich habe hier manche Punkte nur leicht und in großen Umrissen berührt und viele ganz mit Stillschweigen übergangen, nicht aus schonender Rücksicht, sondern aus der Befürchtung, daß mein beabsichtigter Brief nicht (zu einem) über die Geduld der Leser Hinanwüchse. Nur behalte ich es mir für die Zukunft vor, etwas eingehender unsere Gemeindeangelegenheiten in Ihrem werrhgeschätztem Blatte zu besprechen. F. G. Zenit Die Geschicke -er Zu-en in -er Sta-t Metz. lSchluß.) Die Metzer Judenschaft bildete nun, obwohl im Allgemeinen den Staats- und städtischen Gesetzen unterworfen und besonders in Bezug auf Steuern nicht vergessen, doch eine ganz befördere Claffe der Bevölkerung. Der Rabbiner war gewissermaßen :hr Staatsoberhaupt und führte nach besonderen Coutumes die Negierung über sein kleines Volk. Er entschied alle zwischen Juden verkommende Streitigkeiten in höchster Instanz, nur gerichtliche Klagen zwischen Juden und Christen wurden von den königlichen Behörden abgeurtheilt. Lange Zeit war es in der Metzer Judenschaft Gesetz, daß der Rabbiner nicht aus ihrer Mitte, sondern aus einer fremden Judenschaft gewählt wurde, weil man hierdurch alle Parteilichkeiten und Ungerechtigkeiten in dem Entscheid l e t o n. über Streitigkeiten zu vermeiden hoffte. So ward 1671 nach dem Tode des aus Polen nach Metz berufenen Rabbiners Jonas ein deutscher Jude Gerson zum Rabbiner gewählt. Unter dem Rabbiner standen sieben jüdische Rärhe, welche eine Art Ministerium, Justiznud Verwaltungsbehörde bildeten und die im Laus der Zeit entstandenen jüdischen Coutumes als ihren Gesetzcodex benutzten. 1742 befahl Louis XV. een Metzer Juden, ihre in hebräischer Sprache abgefaßten Coutumes in'S Französische zu übersetzen und dem Parlament zur Begutachtung vorzulegen. Der Parlamenrsrath Lanoon erhielt den Auftrag, diese Coutumes einer Revision zu unterwerfen und den Zeitverhältnissen gemäß umzuarbeiten. Er reichte am 11. Mär; 1743 seine Arbeit, betitelt: „reuceil iles Lois. Coutumes et Usages de Juifs de Mel/.u an ras Parlament ein. Dies beschäftigte sich bis 1760 mit der Ausgabe, die jüdischen Coutumes in Einklang mit den sranzö- 24*

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