Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1877)
- Date
- 1877-06-05
- Page
- Seite 365 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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365 aber für den Gegenstand selbst von Werth. Die Antwort des' Befragten ging dahin, daß nach dem jüdischen Rechte der Mutter das Begräbniß nicht verweigert werden könne, daß aber bei den zeitweise» Zustanden es dem Rabbinatscollegium zu Amsterdam gestattet sei, ein Exempel zu statuiren. Der Verfasser deutet darauf hin, daß diese zeitweiligen Zustande auch genügend die Unduldsamkeit der damaligen Amsterdamer Juden erklären. Da Acosta und seine Genossen auch Propaganda für ihre Ansichten machten, so war eine Zerrüttung in der eben erst gegründeten Gemeinde zu fürchten. Die allgemeine Tendenz jener Zeit, die von der christlichen Kirche in Holland äußerst bekämpft wurde, ließ ferner fürchten, daß, wenn man so viele Jünger der antireligiösen Richtung aus den Juden hervorgehen sehe, die eben erst gesicherte Existenz derselben in den Niederlanden gefährdet wäre. Endlich meint er, daß die portugiesischen Juden, die sich eben dem Zwange des Katholicismus entzogen hatten, aus ihm den Geist der Unduldsamkeit mit herübergenommen. Wie dem auch sei, es fehlt noch viel, um uns ein klares Bild von dem zu verschaffen, waS in jener Zeit des Acosta und Spinoza innerhalb der jüdischen Sphäre vorgegangen, und doch wäre das volle Berstäudniß sehr wünschenswerth. Damals trat die philosophische und wissenschaftliche Forschung unvermittelt an die jüv. Orthodoxie, deren inneres Wesen bereits zu erstarren angefangen, so daß zwei unversöhnliche Gegensätze aufeinanderplatzten. Das Judenthum zog sich alsbald zurück, und behauptete innerhalb seines Kreises das Feld.l) — Jehuda Halevi. Versuch einer Charakteristik. Von vr. David Kaufmann. Breslau, 1877. I) Daß Spinoza ebenfalls aus Amsterdam auf Verlangen der Vorsteher durch die Behörde verbannt worden fei, wie auch Perles beiläufig annimmt, ist durchaus unerwiesen. Wir haben vielmehr das Schletter'sche Buchhandlung. Die vorliegende kleine Schrift (48 Seiten) ist ein Abschiedsvortrag, welchen der Verfasser bei dem Verlassen des Breslauer Seminars hielt. Er stellt die wenigen Nachrichten, die wir über das Leben des berühmten Dichters und Denkers besitzen, zusammen, und versucht eine Analyse seiner Werke zu geben. Mit Vergnügen erkannten wir die edle Wärme, mit der er den Gegenstand seiner Lobrede erfaßt hat, und die religiöse Begeisterung, die er für das Judenthum empfindet. Daß dabei Juda Halevi auf Kosten Anderer etwas überschätzt wird, ist bei derartigen Encomien nicht überraschend. Wir hatten gewünscht, daß neben der ausführlichen Charakterisirung seiner Gedichte, die des Kusari einen gleich weilen Raum gefunden hätte. Noch Eines dürfen wir als unparteiischer Beurtheiler nicht übergehen. Der Styl des Verf. ist oft zu überschwenglich und hascht zu sehr nach Gleichnissen, die nicht selten wenig zutressen. Er wird gut thun, zukünftig darin Maß zu halten. — In Wien erscheint eine neue hebräische Monatsschrift unter dem (nach jüdischen Begriffen nicht sehr bescheidenen) Titel nrötn, von Arthur Freeman. Der Prospect verspricht einen mannichfaltigen Inhalt, und die erste Nummer ist leicht und anziehend geschrieben. — Lycklig här ne allycksalig der ofvan. Minneslal elc. af Dr. L. Lewysohn, Stockholm, Marcus, 1877. — E-roTn rva-nr. Auf diese in Jerusalem gedruckte, von A. M. Lunc; verfaßte Topographie werden wir zurückkommen. — Gegenthcil erhärtet, und auch van Vlotenweiß nichts davon, vielmehr l daß Lpinoza, nach jenem Dolchstich, den er mit dem Mantel aufge-! fangen, Amsterdam freiwillig verlassen und auf dem Lande zu leben! gesucht habe. Bloten, S. 2*J3. I.e u i l Zur Geschichte der Juden in Rumänien. Der von uns an anderer Stelle besprochene Jahresbericht des „Bundes Zion", dessen Vorort Bukarest ist, enthält einige interessante Notizen über die Geschichte der Juden in Rumänien, die es verdienen, hier wiedergegeben zu werden. Die zersprengten Glieder des jüdischen Volkes, aus der Heimath verdrängt, in Europa wie ein gescheuchtes Wild vor den Schrecken des Fanatismus fliehend, waren auf ihrem Zug nach Osten, auch nach den Donauländern gekommen. Im Distrikl Hotin läßt eine gefundene Münze aus der Zeit der Makkabäer, die Anwesenheit der Juden auf jene ferne Epoche zurückdatiren.i) 1) Es ist selbstverständlich, daß dieser Punkt einer näheren Aufklärung bedarf, für welche wir dem Dersasser des obigen Berichtes dankbar waren. Eine altere Münze kann sich aus viel späterer Zeit an einem Orte befinden, so daß ihre Anwesenheit noch^lange nicht zerf e f o n. Die Anwesenheit derselben in Dacien bestätigt ein Rescript des röm. Kaisers vom Jahre 397, worin dem Präfetten der Jllyrischen Provinz und allen rcctorcs derselben (in Macedonien und Dacien) befohlen ward, daß die Juden und ihre Synagogen in Frieden gelassen werden. -) Kaiser Trajan hat hier schon jüdische Ansiedelungen vorgefunden. Bei Campulung sind noch Spuren eines Ortes, welchen die Bevölkerung „cetatea Jidovilor“ (Judenburg) nennt. Als im 14. Jahrhundert König Ludwig die Juden aus Ungarn vertrieb, kamen diese nach der Walachei und wählten das heutige Turnu, an dem Ausfluß des Allflusses in die Donau, zu ihrem Wohnsitze, den sie bald zu einer blühenden weift, daß sie zur Zeit ihrer Ausprägung oder kurze Zeit darnach hierher gelangte. Redactiou. ■>) 1. 12. Cod. Theod. de Jud. XVI, 5: Excellens auctontas tu-, rectores conveniri praecipiat ut percepta notatione cognoscant, opportere „Judaeis irruentum contumelias propulsari, eorumque synagogas in quieto solita permanere/ 23