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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-06-05 · Heft 23 (5.6.1877) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 23 (5.6.1877)
Date
1877-06-05
Page
Seite 363 (sequence 7)
Language
German
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363 sammlung ab. Die Vereinspräsidentin, Frau Johanna Bischitz, begrüßte die stattliche Damen-Astemblöe mit einer warmgefühlten Ansprache, in welcher sie besonders herverhob, daß zwar tie Ungunst der Zeiten, die wachsende Verarmung zwar ebenso die Einnahmequellen des Vereins beeinträchtigt, wie die Ausgaben desielben vermehrt habe, jedoch sei der Verein glücklicherweise in der Lage, auch trotz des im abgelaufenen Jahre eingetretenen Deficits seine Humanitären Ziele ungestört zu verfolgen. Dem verlesenen Jahresberichte entnehmen wir folgende Daten: DasMäccken- Waisenhaus des Frauenvereins, um desien Leitung sich namentlich die Damen Rosa Munk und Josefine Gans verdient macken, erfreut sich fortwährenden Gedeihens; drei erwachsene Waisenmädchen erhalten in höheren Lehranstalten ihre fernere geistige Ausbildung; acht andere werden in verschiedenen Industriezweigen unterrichtet. Die Leistungen der Lehranstalt und der Zöglinge derselben erhielten unter Anderm auch auf der Szegediner Landes- Ausstellung gebührende Anerkennung. Die diesjährige Gedächtnißfeier der Waisenhaus-Gründer war mit einer Franz Deäk- Feier verbunden. Der Waisenhaus-Fonds beträgt jetzt 95,628 fl. Auch das Waisenasyl des Vereins in der Rvvaygaste, vorzüglich durch die Damen Anna Stein und Regina Schosberger geleitet, entwickelt eine segensreiche Thätigkeit. Die Pfleglinge des Asyls erhalten in den Volksschulen unentgeltlichen Unterricht. Die Speise-Anstalt des Vereins, in der täglich über dreihundert Arme speisen, hat ein Deficit von 368 fl. auszuweisen. Es haben im verfloffenen Jahre 67,174 Arme daselbst gespeist. Die Section der ambulanten Wohlthätigkeit hat bei einer Ausgabenrubrik von 15,499 fl. ein Deficit von 4240 fl. Außerordentliche Einnahmequellen für den Verein im vergangenen Jahre waren: Concert-Kränzchen beim „Klemens" (300 fl.), eine Sonnenthal-Vorstellung (780 fl.), der Maskenball (4015 fl.>, ein Lißt-Concert (1620 st.>, und ein Ball im „Hotel Europa" (200 fl.). Ihre Majestät die Königin und Se. kaiserl. Hoheit der Kronprinz haben dem Verein auch in diesem Jahre huldvollst Unterstützungsbeiträge zukommen lasten. Schweiz. Aarau, 16. Mai. (Privatmitth.) Wie wir bereits mitgetheilt haben, hat der Bundesrath bei der Aargauer Kantonsregierung wiederholt darauf gedrungen, den Juden des Kantons das Ortsbürgerrecht, das ihnen in Endingen und Lengnau noch immer verweigert wird, zu ertheilen. Der Hauptwirerstand motivirte sich dadurch, daß in Folge testen die Juden Antheil auch an dem Gemeinvevermögen erhalten würden. Gestern, am 15. Mai, kam diese Angelegenheit in der Sitzung des Großen Raths zum Austrag. Der Sitzungsbericht besagt: An der Tagesordnung ist die Berathung des Decretsvorschlages betreffend die Erhebung der israel. Corporationen Endingen und Lengnau zu Ortsbürgergemeinden; Namens der Commission referirt Herr Kurz. Die artikelweise Berathung wird ohne Widerspruch beschloffen. Zu einer längern Discufsion gab § 3 Veranlassung, wo die Commission den Zusatzanikel beantragt, daß die christlichen Ortsbürgergemeinden Oberendingen und Lengnau auch fernerhin im Besitze ihrer Corporationsgüter verbleiben sollen. Es fand eine lange Debatte statt. Aus rer Berathung ging das Decret in folgender Fastung hervor: Der Große Rath des Kantons Aargau in Erwägung. daß die bisherigen Vorschriften über Bestand und Organisation der beiden israelitischen Corporationen Endingen und Lengnau neben den Bestimmungen der Bundesverfastung und Bundesgesetzgebung nicht mehr bestehen können; In Anwendung von §§ 2 und 3 des Gesetzes über Organisation der Gemeinden und Gemeinderäthe vom 26. Wintermcnat 1841, beschließt: $ 1. Die beiden israelitischen Corporationen Endingen und Lengnau werden jede zu einer besonderen Ortsbürgergemeinde erheben. Jeder bisherige Corporationsgenoste wird Ortsbürger der belresfenden neuen Ortsbürgergemeinde. $ 2. Diese neuen Ortsbürgergemeinden bilden unter dem Namen „Neu-Endingen" und „Neu-Lengnau" mit den bisherigen Trlsbürgergemeinden die politischen Gemeinden Ober-Endingen und Lengnau. § 3. Die bisherigen Ortsbürgergemeinden Ober-Endingen und Lengnau bleiben auch fernerhin im alleinigen Besitze und Genüsse ihrer Corporationsgüter. $ 4. Der Rezierungsrath wird die erforderlichen Verfügungen zur Durchführung dieses Decreles treffen. In der Hauplabstimmung wird sodann das Decret mit großer Mehrheit zum Beschluß erhoben und soll dem Regierungsrath zum weitern Vollzug zugefertigt werden. So weit der Bericht. Man sieht, man hat einen schlauen Ausweg gefunden. Man hat aus den Juden scheinbar neue Onsgemeinden gemacht, diese in politischer und finanzieller Beziehung mit den alten (den christlichenverschmolzen, aber ohne Antheil am Gemeindevermögen! Es wird genug geben, die meinen oder zu meinen vorgeben, es sei dies doch eigentlich gereckt, ca die Christen dieses Vermögen erworben — dies ist aber eben nicht wahr, da die Juden seit Jahrhunderten durch ihre Steuern zum Erwerbe und Erhalt dieses Vermögens beigetragen aber niemals einen Genuß davon gehabt haben. Die Juden hauen folglich ein zweifaches Anrecht auf den Antheil an diesem Vermögen! Türkei. Konstautinopel, io. Mai. Die „K. Z." schreibt: In den letzten Tagen fanden in den katholischen und griechischen Kirchen der Hauptstadt feierlicke Gebete für das Glück der türkischen Waffen statt. Den Anstoß zu riesen Feierlichkeiten,

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