Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1877)
- Date
- 1877-06-05
- Page
- Seite 362 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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362 während des Krieges 1870/71 unterbrachen die meisten Studirenden ihre Studien und setzten diese nun 7 2—7 4 fort, so Laß in Liefen Jahren die Zahl größer werden und seit 1875 wiever abnehmen mußte. Dahingegen ist noch jetzt vie Zahl der Mebiciner größer als vor dem Kriege. Die Sache ist harmloser Natur, aber sie zeigt Loch wie man überall nach einem Einfluß der Juden spürt und ihn ohne Weiteres geltend macht, so unbegründet er sein mag. Kassel, 20. Mai. Heute feierte Hierselbst Herr Landrabb. vr. Adler das Fest seines f ünfundzwanz igjährigen Dienstjub i lau ms. Schon gegen 9 Uhr Morgens begaben sich die Gemeindeältesten in die Wohnung des Jubilars und überreichten demselben einen prachtvollen silbernen Pokal nebst einer künstlerisch ausgesührten Adresse. Der Pokal, reich vergoldet, ist mit kunstvollen Arabesken, sowie mit aus massivem Silber getriebenen Figuren aus der biblischen Geschichte geschmückt und trägt an seinem oberen Rande die Widmung: „Die israelitische Gemeinde zu Kasiel ihrem hochverehrten Landrabbinen Herrn vr. Lazarus Adler zu seinem sünsundzwanzigjährigen Jubiläum, den 20. Mai 1877." Die Adresie, in einer reich verzierten und vortrefflich gearbeiteten Mappe, war auf das Würdigste abgesaßt und die darin angebrachten allegorischen Tableau; veranschaulichten die Thätigkeit des Jubilars in seiner Eigenschaft als Prediger. Beide Geschenke wurden mit einer paffenden Ansprache dem Jubilar übergeben. Im Laufe des Bormittags brachten die Borstände des Borsteheramles, der israel. Krankenpflegevereine, der Humanitärsgesellschast, der Philipp Feidel'schen Waisenhausstisiung, der Speiseanstalt :c. ihre Glückwünsche dar und überreichten ebenfalls Avreffen und verschiedene Geschenke. Bon den Lehrern der israelitischen Schulen aus der Provinz, sowie der hier am Platze befindlichen Schule und Seminar wurde dem Jubilar ein prachtvolles Album mit den Bildern der Geber verehrt; auch die Kreisvorsteher überreichten im Namen ihrer Gemeinden demselben ein silbernes Schreibzeug, und ein gleiches Geschenk erfolgte von den Gemeinden in Gudensberg, Fritzlar, Niedenstein, Jesberg, Zimmersrode. Außerdem wurden dem Jubilar noch von anderen Gemeinden aus der Provinz, sowie von Personen aus hiesiger Stadt zahlreiche Beweise der Anerkennung zu Theil. — Mittags um 12 Uhr fand in der mit Blumen und Guirlanden geschmückten Synagoge ein feierlicher Festgottesbienst statt, zu welchem Spitzen der Behörden und die Vertreter der auswärtigen Gemeinden, an welche Einladungen ergangen waren, sowie viele Freunde und Gönner des Jubilars sich eingefunden hatten. Nachdem der Letztere von zwei Mitgliedern der Gemeinde, welchen weißgekleidete Kinder vorausgingen, feierlichst eingeführt war, wurde der Festgotlesdienst mit einem Choräle und der Absingung eines Psalms eingeleiter, worauf Herr vr. Stein die Anrede hielt, in welcher er dem Jubilar den Dank und Glückwunsch der Gemeinde aussprach und zugleich die vielen Verdienste, welche sich derselbe während seiner hiesigen Amtsthätigkeit um die Gemeinde erworben, mit warmen Worten feierte. Tiefbewegt bankte der Jubilar dem Redner und wandte sich hierauf an die Versammlung, um in einer ergreifenden Rede einen Rückblick auf die bisherige Zeit seiner Wirksamkeit zu werfen. Mil einem Gebete und der Absingung eines Chorals fand sodann die erhebende Feier ihren Abschluß. — Abends vereinigten sich die Mitglieder der hiesigen Gemeinde mit ihren auswärtigen Gästen zu einem Festessen. Oesterreich - Ungarn. Von der Donau, im Mai. iPrivatmitlh.) Der russischtürkische Krieg und die neueste politische Wendung in Frankreich sind Bagatellen im Vergleich zu den jüngsten Ereignissen im ungarischen Israel. Man höre und — lache! Von Hußt, das Ihre Leser auf der Landkarte vergeblich suchen, wurde in riesen Tagen an alle orthodoxen Gemeinden des Landes ein welterschütternrer Protest geschickt — ein Protest gegen alle jüdischen Seminarien, sowohl gegen die bereits bestehenden als die in der alten und in der neuen Welt noch zu errichtenden und in erster Reihe gegen das zu eröffnende Ungarische Rabbiner-Seminar. Der Protest warnt die n's-p und a^abts ihre Kinder und Kindes-Kinder bis in's dritte und vierte Geschlecht in das Seminar zu schicken und verbietet den Gemeinden, Rabbiner, die aus solchen Seminarien hervorgehen, als solche anzustellen. Dieser hebräisch abgefaßte und ziemlich correct in's Deutsche übersetzte Protest ist von 205 „Gaonen" unterfertigt; alle Scho; Moz, alle Dajonim, die nur irgendwie aufzutreiben waren, mußten mit ihrer Unterschrift dienen. Der junge 3t. Bunem in Preßburg, der erst vor einigen Jahren vom Geschäftsmann zum Rabbiner avancirte und dessen einzige Größe darin besteht, der Enkel des R. Moses Sopher und der Neffe des Krakauer Rabbiners zu sein, fehlt natürlich nicht, hingegen haben die bekannten wahrhaft orthodoxen Rabbiner und talmudischen Autoritäten, die Rabbiner von Großwardein, Groß-Karoly, Altofen, Kecskemet und viele Andere ihre Namen unter dieses Machwerk nicht gesetzt. Bezeichnend für das Vorgehen der ungarischen Protestanten ist, daß sie keinen der frommen und frömmelnden Rabbiner Deutschlands, selbst nicht einmal den Rabbiner der Schomre-Hadath-Gemeince in Papa, trotzdem er der Schwiegersohn des Herrn Hirsch in Frankfurt ist, zur Unterfertigung des Protestes zugelassen haben. In ihren Augen ist das Hilresheimer'sche Seminar nicht besser als das Breslauer, sie behaupten sogar, daß aus jenem noch größere Poschim hervorgehen als aus diesem. Uebrigens kümmert sich Niemand um den Protest, der weiter nichts bewirkt als einen neuen Chillul Haschem, vor dem diese frommen Herren bekanntlich nie zurückschrecken. Pest, 23. Mai. (Privatmitth.) Der hiesige israelitische Frauen - Verein, eine Zierde der vielen hiesigen Wohlthatigkeits- Anstalten, hielt heute Nachmittags seine ordentliche Generalver-